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Holdheimshof

Obj.-Dok.-Nr.: 09031221
Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
Ortsteil: Kreuzberg
Strasse: Paul-Lincke-Ufer
Hausnummer: 42 & 43
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Mietshaus & Gewerbehof
Datierung: 1911
Entwurf: Sonnenthal, Hugo (Architekt)
Bauherr: Holdheim, B. & Holdheim, M.

Die nördliche Uferstraße am Landwehrkanal zwischen Kottbusser Brücke und Thielenbrücke ist nach dem populären Berliner Operettenkomponisten Paul Lincke benannt. Der geschlossene Blockrand besteht aus großstädtischen Mietshäusern, in die sich vereinzelt Gewerbehöfe mischen. Alle Häuser sind mit Vorgärten ausgestattet.

Am Paul-Lincke-Ufer zwischen Mariannen- und Manteuffelstraße befindet sich eine einzigartige Gruppe anspruchsvoll gestalteter Gewerbehöfe, die das Stadtbild am Landwehrkanal dominieren. Die imposanten Vorderhausfassaden, die geschickte Grundrissaufteilung und nicht zuletzt die baukünstlerische Ausgestaltung veranschaulichen den Stand der Gewerbehofarchitektur zu Beginn des 20. Jahrhunderts. In den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg erlebte dieser Bautyp, wie hier eindrucksvoll zu sehen ist, seine letzte Blüte. Nicht zufällig stehen die Höfe an einer Wasserstraße. Die Ufergrundstücke waren gesuchte Industrie- und Gewerbestandorte, denn der Landwehrkanal ermöglichte eine ungehinderte Brauchwasserentnahme und den Transport schwerer Lasten auf dem Wasserweg.

Der 1911 erbaute Holdheimshof, Paul-Lincke-Ufer 42-43 und auch der benachbarte Gewerbehof Paul-Lincke Ufer 41 wurden von Hugo Sonnenthal entworfen. Der Holdheimshof ist nach der Unternehmerfamilie Holdheim benannt, die den Hof sowohl für ihre eigene Metallwarenfabrik nutzte als auch Gewerbeflächen an andere Gewerbetreibende vermietete. Zum Stadtraum präsentiert sich der Holdheimshof mit einer für die Luisenstadt außergewöhnlich herrschaftlichen Architektur. Hinter der Vorgartenzone erhebt sich die neoklassizistische Front des Vorderhauses. Aufgrund der privilegierten Lage am Kanalufer wirkt die Fassade weit in die Stadt hinein. Die Gliederung erfolgt durch zahlreiche Vor- und Rücksprünge, Loggien und Balkone. Während das Erdgeschoss mit Werksteinplatten verblendet wurde, sind die Obergeschosse mit einem sorgfältig aufgetragenen Edelputz versehen. Eine Vielzahl an Fensterarten und Formdetails bis hin zum Palladio-Motiv belebt den Wandaufbau. Gestalterisch im Vordergrund steht indes der zweifach in die Tiefe gestaffelte Mittelrisalit, der von einem mächtigen Segmentbogen überfangen wird. Dass sich in dem stattlichen Mietshaus auch das Standesbewusstsein der Unternehmerfamilie Holdheim ausdrücken sollte, lässt das Mosaik im Giebelfeld vermuten. Es zeigt das von zwei Wölfen gehaltene Wappen des Firmengründers. Die großzügig geschnittenen und gut ausgestatten Fünf-Zimmer-Wohnungen wurden 1970 in Kleinwohnungen aufgeteilt. Zu den rückwärtig gelegenen Fabriktrakten besteht keine direkte Anbindung. Die mit Glasurklinkern verblendeten Gewerbeflügel umsäumen einen quadratisch geformten Hof. Typisch für die Gewerbehofarchitektur der Zeit ist die zugrundeliegende Skelettbauweise, die in den zu Pfeilern und Brüstungsflächen aufgelösten Wandflächen ihren Ausdruck findet. Der erste Querflügel wurde jedoch zusätzlich mit massiven Fensterpfeilern ausgestattet, um dort eine kleinteiligere Aufteilung der Gewerbeflächen zu ermöglichen.

Literatur:
  • Topographie Friedrichshain-Kreuzberg/Kreuzberg, 2016 / Seite 285 f.