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U-Bahnhof Moritzplatz

Obj.-Dok.-Nr.: 09031210
Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
Ortsteil: Kreuzberg
Strasse: Moritzplatz
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Bahnhof (U)
Datierung: 1926-1928
Entwurf: Behrens, Peter (Architekt)
Bauherr: BVG

An die frühere Bedeutung des Moritzplatzes als Kaufhausstandort erinnert der aufwendig gestaltete, 1926-28 erbaute U-Bahnhof Moritzplatz. (1) Es ist der einzige Bahnhof der Gesundbrunnen-Neukölln-Linie (GN-Linie, heute U8), dessen Gestaltung der bekannte Architekt und Designer Peter Behrens vornahm. Der Bau der Station geht auf den Wertheim-Konzern zurück, der sein Kaufhaus am Moritzplatz an die U-Bahn anbinden wollte. Auf Betreiben und unter erheblicher Kostenbeteiligung des Kaufhauskonzerns wurde deshalb die GN-Bahn nach Westen verschwenkt, wobei man einen bereits betriebsfertigen U-Bahnhof im Bereich Dresdener Straße/Oranienplatz aufgab.

Das Konzept von Peter Behrens sah ursprünglich einen Kreuzungsbahnhof mit zweieinhalbfacher Tiefenlage vor. Dabei sollte die untere Halle als Umsteigestation für eine U-Bahn-Linie zwischen Lehrter und Görlitzer Bahnhof genutzt werden. Tatsächlich realisiert wurde jedoch nur die obere, mit einem 130 Meter langen Mittelbahnsteig versehene Halle für die GN-Linie sowie ein öffentlich nicht zugängliches, etwa 40 Meter langes Teilstück der unteren Halle, das im Zweiten Weltkrieg als Luftschutzbunker diente.

Der Bahnhof zeichnet sich durch strenge Raumkomposition und starke Versachlichung unter Verzicht auf ausschmückende Details aus. Grundlage des durchgängig symmetrischen Entwurfs war die als Quadrat ausgebildete Grundfläche des Moritzplatzes. Die charakteristische Flächenform wurde gleichsam als Modul für die Bahnhofsgestaltung genutzt. Behrens ordnete an allen vier Seiten des Platzes vier gleichförmige Zugangstreppen an. Im Straßenbild treten die Treppenabgänge durch ihre hüfthohe Werksteinumwehrung und aufgesetzte Leuchtkästen mit dem Namenszug der Station in Erscheinung. Über einen kurzen Tunnel gelangt man zu der zentral und unmittelbar unter Straßenniveau angeordneten Vorhalle. Der schmucklose Raum wird durch parallel zur Bahnlinie gestellte Stützenreihen in drei Schiffe geteilt. Zwei gerade Treppenläufe führen von dort zur tiefer liegenden Bahnsteighalle, deren flache Hallendecke an den Enden von einer einfachen, im Bereich der ausgebauchten Hallenmitte von einer zweifachen Stützenreihe getragen wird. Alle Wandflächen und Stützen, Bahnsteigaufbauten und Treppenwangen sind mit Wandfliesen verkleidet, deren Farbe von hellgrün bis rosarot changiert und die ein belebendes Element der ansonsten sehr schlichten Ausstattung darstellen. Auch die Grundform der Fliesen folgt dem quadratischen Modul. Im Bereich der Pfeiler und des Zugabfertigungshäuschens werden sie durch Kantenschienen aus Aluminium - einem seinerzeit hochmodernen Baustoff - gerahmt. Bestandteile der ursprünglichen Ausstattung sind die Handläufe, die Sitzbänke, die an den Hallenseiten angebrachten schwarz glasierten Stationsschilder und die hölzernen Reklametafeln. Schilder und Tafeln verfügen über eine Rahmung aus profilierten grünfarbigen Glasurklinkern. Der Bahnhof wurde 2005-06 instand gesetzt.


(1) Die Baugilde 10 (1928), S. 763, 770; Deutsche Bauzeitung 64 (1930), Beilage Konstruktion und Ausführung, S. 78; BusB X B (1) S. 68-69; Bohle-Heintzenberg 1980, S. 187, 192 ff.; Brachmann, Christoph: Licht und Farbe im Berliner Untergrund. U-Bahnhöfe der klassischen Moderne, Berlin 2003, S. 168-173.

Literatur:
  • BusB X B 1 1979 / Seite 138
  • Bohle-Heintzenberg, Architektur der Hoch- und U-Bahn, 1980 / Seite 192f.
  • Die Baugilde 10 (1928) / Seite 763, 770
  • BusB X B 1 1979 / Seite 68f., 138
  • Topographie Friedrichshain-Kreuzberg/Kreuzberg, 2016 / Seite 206 f.