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Postamt SW 11

Obj.-Dok.-Nr.: 09031207,T
Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
Ortsteil: Kreuzberg
Strasse: Möckernstraße
Hausnummer: 138 & 141
Strasse: Hallesche Straße
Hausnummer: 10
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Post

Durch einen Tunnel mit dem Anhalter Bahnhof verbunden war das Postamt SW 11 in der Möckernstraße 138, 141 und Halleschen Straße 10, das in den Jahren 1933-37 in zwei Bauabschnitten errichtet wurde. Der Hintergrund für den groß angelegten Neubau war die Neuordnung des Postverkehrs in Berlin, die nach dem Bau der Nord-Süd-S-Bahn möglich wurde. An den wichtigsten und verkehrsreichsten Bahnhöfen der Stadt, dem Anhalter und Stettiner Bahnhof, wurden Großverteilanlagen für den Briefverkehr eingerichtet, die an den Massenumschlag von Briefsendungen in der Metropole angepasst waren. Während das Postamt N 4 für den Nordteil der Stadt zuständig war, versorgte das Postamt SW 11 am Anhalter Bahnhof die südliche Stadthälfte. Die neue S-Bahn verband beide Bahnhöfe.

Das ehemalige Postamt vereint zwei unterschiedliche Bauauffassungen. Eindrucksvoll vermengen sich hier die sachlichen Formen des Neuen Bauens mit der von den Nationalsozialisten bevorzugten klassizistischen Architekturauffassung. (1) Die Planungen für den ersten Bauabschnitt des raumgreifenden Dienstgebäudes leitete Kurt Kuhlow von der Reichspostdirektion Berlin. Der Entwurf für den zweiten Bauabschnitt wurde von Oberpostbaurat Georg Werner überarbeitet, der zuvor den Bau des Postamts N 4 am Stettiner Bahnhof geleitet hatte.

Der erste Bauabschnitt an der Möckernstraße wurde zwischen 1933 und 1934 in nur wenigen Monaten fertig gestellt. Karl Kuhlow entwarf ein schlichtes, vollkommen schmuckloses Gebäude, das an der Straßenseite mit dunkelviolettem Backstein verkleidet ist. Mit den horizontalen Fensterbändern knüpft das Gebäude erkennbar an Gestaltungsideale der 1920er Jahre an. Der Backsteinkubus von bestechender Einfachheit besitzt keinen Sockel, dafür ist das Erdgeschoss mit Terrakottaplatten verkleidet, während ein glatt durchlaufendes Gesims das Gebäude abschließt. Die flächige Fassade wird durch zwei monotone Reihen sechsfach geteilter Fenster und zwei Fensterbänder in den Obergeschossen gegliedert. Aufgrund von Kriegszerstörung und tiefgreifenden Umbauten nach 1945 sind leider nur Restbestandteile der Straßenfassade und des konstruktiven Gerüsts erhalten geblieben.

Weil dem Postamt die gewünschte Monumentalität fehlte, wurde die Entwurfsidee beim zweiten Bauabschnitt an der Möckernstraße und Halleschen Straße nicht fortgeführt. Die fünfgeschossige Blockrandbebauung mit abgerundeter Ecke erhielt eine streng vertikal gegliederte Fassade. Charakteristisch sind dabei vor allem die monumentalisierte Gesamterscheinung, die straffe, hierarchisierte Wandgliederung sowie die Travertinverkleidung. (2) Die unterschiedlich langen Gebäudeflügel zeigen einen identischen Wandaufbau. Mittels zurückgestaffelter Fensterachsen gewann man ein markantes Fassadenrelief aus Wandpfeilern und profilierten Lisenen. Eine geradezu suggestive Wirkung entfalten die gleichmäßig rhythmisierten Fronten aus der Schrägsicht. Dank der aufstrebenden Pfeilerfronten konnte sich das Postamt gut gegen die wuchtige Baumasse des gegenüberliegenden Bahnhofs behaupten. Von der vertikalen Gliederung ist das oberste Stockwerk ausgenommen, das bis zur Flucht der senkrechten Pfeiler nach vorn tritt und durch einen stilisierten Balkenfries abgeschlossen wird. In der abgerundeten Ecke sind die Fensterbahnen schmaler ausgebildet und bis unter das Dachgesims nach oben geführt. Hinter den Fenstern liegt das ovale Haupttreppenhaus, das mit elegant geschwungenen Treppenläufen das Gebäude erschließt.

Bautechnisch war das Gebäude für die "Großbriefabfertigung" auf dem neuesten Stand. Es handelt sich um einen auf Eisenbetonfundamenten gegründeten, mit Mauerwerk ausgefachten Stahlskelettbau. Diese Bauweise ermöglichte eine hoch technisierte Ausstattung, die auf die Beschleunigung des Postverkehrs ausgelegt war. So war das Postamt mit Förderbändern, Aufzügen und Paternostern ausgestattet und über den Tunnel direkt an die Bahnsteige des Anhalter Bahnhofs angebunden. Die Briefverteilanlage konnte täglich etwa 2,9 Millionen Sendungen bearbeiten, sortieren und weiterleiten. Für die Postbediensteten wurden zu Erholungszwecken ein Erfrischungsraum, ein Sportraum sowie ein begehbarer Dachgarten eingerichtet. Unter der Hoffläche lagen Luftschutzräume. Das Postgebäude beherbergte nach 1945 das zentrale Briefverteilzentrum für West-Berlin. Heute steht das Haus leer. Während die Fassade weitgehend im ursprünglichen Zustand erhalten ist, ist das Innere durch Kriegseinwirkungen und Modernisierungen teilweise stark verändert.


(1) Zwei neue Großbauten der Post in Berlin. In: Bauwelt 26 (1935), S. 776; Hillenbrink, Karl: Postneubau Berlin SW 11, Möckernstraße. In: Der Stahlbau 9 (1936), S. 115-117; Kuhlow, Kurt: Der Neubau der Großbriefabfertigungsanlage SW 11. In: Zentralblatt der Bauverwaltung 58 (1938), S. 380-386; Jaeger 1987, S. 201-210; BusB X B (4), S. 83-85, 196; Schäche, Wolfgang: Architektur und Städtebau in Berlin 1933-1945, Berlin 1991, S. 332-335; Donath 2004, S. 76-77; Dehio Berlin 2006, S. 301.

(2) Wandverkleidungen aus Naturstein wurden damals als "dem deutschen Wesen" gemäß empfunden. Vgl. Riedrich, Otto: Man baut heute mit Werkstein in Berlin. In: Die Bauzeitung 47 (1937), S. 354. Die Postämter N 4 und SW 11 werden in dem Artikel als maßstabgebende Vorbilder gewürdigt.

Literatur:
  • BusB X B 4 1987 / Seite 4, 7ff., 79, 83ff., 92, 196 (dort auch weitere Literatur)
  • Schäche, Architektur, 1991 / Seite 332-335
  • Jaeger/ Posthorn und Reichsadler, 1987 / Seite 276f.
  • Topographie Friedrichshain-Kreuzberg/Kreuzberg, 2016 / Seite 160 f.
Teilobjekt Möckernstraße 139 & 141
Teil-Nr.: 09031207,T,001
Sachbegriff:
Strasse: Möckernstraße
Hausnummer: 139 & 141
Entwurf: 1932
Datierung: 1933-1934
Umbau: 1970-1971 & 1973 & 1976-1977 & 1980-1981
Entwurf: Kuhlow, Kurt (Baugeschäft)
Ausführung: Hallert, Gustav
Bauherr: Postdirektion Berlin
Teilobjekt Erweiterungsbau
Teil-Nr.: 09031207,T,002
Sachbegriff:
Strasse: Möckernstraße
Hausnummer: 135 & 138
Strasse: Hallesche Straße
Hausnummer: 10 & 11 & 12 & 13 & 14
Entwurf: 1933
Datierung: 1934-1936
Umbau: 1971-1978
Entwurf: Kuhlow, Kurt & Werner, Georg
Bauherr: Oberpostdirektion Berlin