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Mietshaus Mehringdamm 80

Obj.-Dok.-Nr.: 09031203
Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
Ortsteil: Kreuzberg
Strasse: Mehringdamm
Hausnummer: 80
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Mietshaus
Datierung: 1874
Entwurf: Klingenberg, Ernst
Bauherr: Klingenberg, Ernst (Hofbaurat)

Der Mehringdamm, früher Belle-Alliance-Straße, wurde als großstädtischer Boulevard mit grünem Mittelstreifen und Vorgartenzone angelegt. Mit Ausnahme der Villenkolonie Wilhelmshöhe wird er von einer geschlossenen Blockrandbebauung eingefasst. Ein frühes Beispiel für die großstädtische Bebauung des Straßenzugs ist das 1874 erbaute Mietshaus Mehringdamm 80. Es besetzt ein städtebaulich exponiertes Grundstück, das vom Mehringdamm, von der Kreuzbergstraße und von der einmündenden Methfesselstraße begrenzt wird. Da das Haus von der Baufluchtlinie zurückgesetzt wurde, entstand eine platzartige Aufweitung des Straßenraums. Den Entwurf fertigte Hofbaurat Ernst Klingenberg, der zugleich auch Eigentümer war. Klingenberg war damals ein vor allem in Norddeutschland tätiger Architekt. Er brachte in dem Haus neben Wohnungen gutbürgerlichen Zuschnitts auch eine Gaststätte unter. Das traditionsreiche Lokal heißt damals wie heute "Kaiserstein". (1)

Effektvoll markiert das wuchtige Mietshaus die spitz zulaufende Blockecke zwischen Mehringdamm und Methfesselstraße. Wegen des besonderen Grundstückszuschnitts wirkt das Gebäude mit drei Fassaden in den Stadtraum hinein. Die zur Innenstadt gerichtete Nordseite ist als dominierende Schaufront gestaltet. Die repräsentative Fassade, die neben spätklassizistischen Elementen auch Renaissanceformen zeigt, erhebt sich hinter einer weitläufigen Vorgartenzone, die seit jeher als Biergarten genutzt wird. Klingenberg führte sein Haus nicht, wie bis dahin allgemein üblich, als reinen Putzbau aus, sondern griff vielmehr auf die optisch ansprechende Kombination von Sichtmauerwerk mit geputzten und stuckierten Elementen zurück. Der flächige Fassadenfond besteht aus gelben Klinkern, zu denen der cremefarbene Stuckdekor und die bossierten Putzflächen des Erdgeschosses gut passen. Alle drei Fassaden sind weitgehend symmetrisch aufgebaut und durch Gesimse gegliedert. Markante vertikale Akzente setzen indes die beiden Erker an den Gebäudeecken. Das zweigeschossige Dach wurde als steiles Mansarddach geformt, von dem sich die Turmaufsätze der beiden Erker deutlich abheben. Mit der Schieferdeckung, den Gauben und den übergiebelten Zwerchhäusern entstand eine bewegte Dachlandschaft. Die ungewöhnliche Grundstücksform ließ keine standardisierten Grundrisse zu. Auf jeder Etage befinden sich je zwei Sechs-Zimmer-Wohnungen, die von einem zentralen Treppenhaus erschlossen werden. Ein kleiner Lichthof auf der Südseite sorgt für die Belichtung der nach innen orientierten Räume. 1927 wurde der Bau mit einem entstellenden eingeschossigen Anbau versehen, 1933 nahm man eine Aufteilung der Großwohnungen vor. Anfang der 1990er Jahre wurde das Mietshaus grundlegend saniert.


(1) Der Name des Lokals bezieht sich auf einen hier früher befindlichen Findling, den Kaiser Wilhelm I. immer dann genutzt haben soll, wenn er an dieser Stelle auf dem Weg zur Militärparade auf dem Tempelhofer Feld von der Kutsche auf das Pferd umgestiegen ist.

Literatur:
  • Topographie Friedrichshain-Kreuzberg/Kreuzberg, 2016 / Seite 400 f.