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Passionskirche

Obj.-Dok.-Nr.: 09031196
Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
Ortsteil: Kreuzberg
Strasse: Marheinekeplatz
Hausnummer: 1
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Kirche ev. & Gemeindehaus
Entwurf: 1903
Datierung: 1904-1907
Umbau: 1927-1928
Entwurf: Astfalck, Theodor (Architekt)
Entwurf: Zeller, Adolf (Architekt)
Ausführung: Höfchen und Peschke (Baufirma)
Bauherr: Berliner Stadtsynode

Die Ev. Passionskirche, die 1904-07 für die dritte Tochtergemeinde der Kirche Zum Heiligen Kreuz errichtet wurde, besetzt ein Eckgrundstück Marheinekeplatz 1. (1) Auch wenn die Passionskirche in erster Linie als Pfarrkirche dienen sollte, hatte sie ganz bewusst auch eine städtebauliche Funktion zu erfüllen. In Ecklage erbaut, was bei Kirchen der Kaiserzeit eher selten vorkam, beherrscht sie mit ihrer wuchtigen Backsteinarchitektur den Marheinekeplatz. Außerdem bildet die Kirche mit ihrer Südfassade einen beeindruckenden Point de vue der Heimstraße, die axial auf sie zuläuft. Die Entwürfe stammen von Baurat Theodor Astfalck, der die Kirche als gedrungenen Zentralbau über quadratischem Grundriss anlegte. Er griff damit ein Konzept auf, das im protestantischen Kirchenbau bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts zunehmend an Einfluss gewonnen hatte. Nach außen zeigt die Passionskirche ein unverwechselbares Gepräge. Vorherrschend sind romanische Stilelemente, zu denen auch einige vom Jugendstil beeinflusste Formen treten. Angestrebt war eine monumentale Wirkung, was Astfalck durch eine hierarchische Baumassengliederung und geschickte Flächenaufteilung erreichte. Beide Straßenfassaden sind nahezu identisch aufgebaut. Aus dem blockhaften Unterbau entwickelt sich ein achteckiger Zentralturm mit Galeriegeschoss und einem steilen Helm. Trutzig ist das Erscheinungsbild nicht nur wegen der weitgehend geschlossenen Fassadenflächen, sondern auch aufgrund des leicht geböschten Mauerwerks der vier Treppentürme, die in sich in den Gebäudeecken erheben und mit Rhombendächern abgeschlossen sind. Die beiden Straßenfassaden, die in der Baufluchtlinie des Marheinekeplatzes und der Schleiermachstraße stehen, sind aus roten Ziegeln im Klosterformat gemauert. Von den Backsteinflächen heben sich cremefarbene Putzblenden ab. Ein charakteristisches Architekturmotiv sind die großen, reich verzierten Rundbögen aus aufwendig detaillierten Terrakotten. Zwischen der Rosettengruppe und den sieben Rundbogenfenstern liest man auf der Eingangsseite die ersten zwei Zeilen aus dem Lutherlied "Ein feste Burg ist unser Gott, ein gute Wehr und Waffen", was sich gut auf die trutzige Bauweise der Kirche beziehen lässt.

Über das Stufenportal in der Südfassade gelangt man ins Innere der Kirche, die noch heute über große Teile der ursprünglichen Raumfassung und Ausstattung verfügt. (2) Dabei ist der Dreiklang aus roten Klinkern, weißen Putzflächen und braunen Holzelementen vorherrschend. Der eingewölbte Zentralraum erhebt sich über griechischem Kreuz mit kurzen Armen. Bemerkenswert und selten ist die Anordnung von Altar, Kanzel und Orgel im Angesicht der Gemeinde, wodurch der gleichmäßige Grundriss eine klare Ausrichtung erhielt. (3) Astfalck folgte darin Mustern des protestantischen Kirchenbaus aus dem 18. Jahrhundert. Die Passionskirche wurde durch Bombenangriffe 1944 erheblich beschädigt und 1951-53 wieder hergestellt. Heute wird sie auch als Konzertsaal genutzt. Aus diesem Grund wurde bei einer Sanierung und Umgestaltung 1992-95 großer Wert auf eine Verbesserung der Akustik gelegt. (4) Das Erscheinungsbild des Innenraums wurde dabei nicht verändert.


(1) Berliner Architekturwelt 11 (1909), S. 56-62; Lütkemann 1926, S. 181-83; Kühne/Stephani 1978, S. 78-79; Gruhn-Zimmermann, Antonia: Passionskirche. In: Verloren, gefährdet, geschützt. Baudenkmale in Berlin, hrsg. v. Norbert Huse, Berlin 1989, S. 188-189; Neue Nutzungen von alten Kirchen. Drittes Berliner Gespräch, 25. und 26. Januar 1990, Berlin 1990, S. 7-13; BusB VI, S. 110, 270-271, 386; Dehio Berlin 2006, S. 294-295.

(2) Zwar wurde das Kircheninnere 1944 von Bomben getroffen, brannte allerdings nicht aus. Eine erste Instandsetzung erfolgte 1951-53.

(3) BusB VI, S. 110.

(4) BusB VI, S. 271.

Literatur:
  • Berliner Architekturwelt 11 (1909) / Seite 56-62
  • Dehio, Berlin, 1994 / Seite 271 78f.
  • Topographie Friedrichshain-Kreuzberg/Kreuzberg, 2016 / Seite 417