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Kühlhaus II

Obj.-Dok.-Nr.: 09031193
Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
Ortsteil: Kreuzberg
Strasse: Luckenwalder Straße
Hausnummer: 3
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Kühlhaus
Entwurf: 1899
Datierung: 1900-1901
Entwurf: Stiehl, Otto (Architekt)
Entwurf: Kampffmeyer, Theodor (Baumeister)
Ausführung: AG Lauchhammer (Technisches Büro) (Baufirma)
Ausführung: Held und Francke
Bauherr: Gesellschaft für Markt- und Kühlhallen

Die günstige Lage zwischen Potsdamer und Anhalter Güterbahnhof mit direkter Bahnanbindung sowie die Nähe des Schöneberger Hafens nutzte die Gesellschaft für Markt- und Kühlhallen für den Bau eines Kühlhauses in der Luckenwalder Straße 3. Das 1900-01 ausgeführte Kühlhaus II ist der letzte Bestandteil einer größeren Anlage zwischen Trebbiner und Luckenwalder Straße, zu der früher noch das 1979 abgerissene Kühlhaus I und das 1983 abgerissene Maschinen- und Kesselhaus gehörten. Neben der Lagerung leicht verderblicher Lebensmittel diente der Komplex auch der Eisfabrikation. Otto Stiehl, der die Fassaden gestaltete, und Theodor Kampffmeyer, der für die Grundrisse verantwortlich zeichnete, schufen einen außergewöhnlichen Versorgungsbau. (1) Das Kühlhaus gehört zu den ersten Bauten dieser Gattung in Berlin. Das amerikanischen und englischen Vorbildern nachempfundene Raum- und Nutzungskonzept sah eine Unterteilung der Etagen in unterschiedlich große Einheiten vor, die je nach Bedarf durch Lebensmittelhändler angemietet werden konnten. Die Warenan- und -abfuhr erfolgte sowohl straßen- als auch eisenbahnseitig. Für die Beschickung der einzelnen Etagen standen insgesamt vier Lastenaufzüge bereit. Schleusen sorgten dafür, das beim Entladen der Aufzüge die auf ca. -6 C gekühlte Luft nicht entweichen konnte. Obwohl es sich um einen reinen Funktionsbau handelte, war man um ein ansprechendes Erscheinungsbild und eine attraktive stadträumliche Wirkung bemüht. Die Kühlhallengesellschaft wollte "mit Aufwendung erheblicher Mittel eine Anlage schaffen, die in ihrer ganzen Ausbildung auch der Stadtgegend zur Zierde gereicht". (2) Durch reichhaltige Verwendung von Schmuck- und Gliederungsformen der märkischen Backsteingotik gelang es Otto Stiehl, dem Bau viel von seiner wuchtigen Schwere zu nehmen. Gleichwohl ist die Funktion als Speichergebäude dem Kühlhaus unmittelbar anzusehen, da Fenster - um Kälteverluste zu vermeiden - weitgehend fehlen. Straßen- und Hoffront zeigen einen annähernd gleichen Aufbau. Das rote Backsteinmauerwerk wird durch weiße Putzblenden und Risalite wirkungsvoll belebt. Die Staffelgiebel und die Turmaufbauten, die nur noch teilweise vorhanden sind, waren auf malerische Fernwirkung berechnet. Das Kühlhaus erhebt sich über einem quadratischen Grundriss. Mit Keller- und Dachgeschoss gab es insgesamt acht vermietbare Etagen. Treppenhäuser und Aufzüge wurden zu Verkehrskernen gebündelt und unmittelbar hinter den Mittelrisaliten angeordnet. Konstruiert wurde das Haus inklusive des hoch aufragenden Dachstuhls als hochmoderne Stahlskelettkonstruktion. Die Dämmung von Wänden und Böden erfolgte über Korksteinplatten, die mit einem Kitt aus Steinkohlenpech, Harzöl und fein gemahlenem Korkmehl vermauert wurden. Heute ist das Kühlhaus ohne Nutzung.


(1) Linde, C.: Die Berliner Kühlhäuser der Gesellschaft für Markt- und Kühlhallen. In: Zeitschrift des Vereins Deutscher Ingenieure 46 (1902), S. 1643 ff.; Blätter für Architektur und Kunsthandwerk 15 (1902), S. 9-10; Bautechnische Zeitschrift 19 (1904), S. 377-378; Deutsche Bauhütte 10 (1906), S. 64-65.

(2) So Kampffmeyer im September 1900 in einem Dispensgesuch zum Bauantrag.

Literatur:
  • Blätter für Architektur und Kunsthandwerk 15 (1902) 2 / Seite 9f.
  • Zeitschrift des Vereins Deutscher Ingenieure 46 (1902) 44 / Seite 1643-1651
  • Deutsche Bauhütte 10 (1906) / Seite 64f.
  • Bautechnische Zeitschrift 19 (1904) 48 / Seite 377f.
  • Topographie Friedrichshain-Kreuzberg/Kreuzberg, 2016 / Seite 178 f.