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Kollegienhaus

Obj.-Dok.-Nr.: 09031190
Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
Ortsteil: Kreuzberg
Strasse: Lindenstraße
Hausnummer: 14
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Verwaltungsbau & Kollegienhaus
Entwurf: 1733
Datierung: 1734-1735
Umbau: 1964-1967
Entwurf: Gerlach, Philipp (Architekt)

In der Lindenstraße 14 befindet sich das Jüdische Museum, das sich aus zwei in Alter und Erscheinungsbild äußerst ungleichen Gebäudeteilen zusammensetzt. Das 1733-35 nach Plänen von Philipp Gerlach erbaute Barockpalais, das Kollegienhaus, ergänzte Daniel Libeskind auf der Südseite 1993-98 durch einen spektakulären Neubau in dekonstruktivistischen Formen. (1) Das Jüdische Museum hat sich binnen weniger Jahre zu einem Wahrzeichen des Bezirks entwickelt.

Das Kollegienhaus, erbaut unter König Friedrich Wilhelm I., war das erste eigenständige Verwaltungsgebäude Berlins überhaupt. Hier hatten zunächst das Kammergericht, die Konsistorien, das Kurmärkische Lehnsarchiv sowie das Pupillencollegium (Aufsicht über Vormundschaftssachen) ihren Sitz. Das Palais ist eines der wichtigsten Werke des seinerzeit viel beschäftigten Oberbaudirektors Philipp Gerlach, der auch für die Planung der umgebenden südlichen Friedrichstadt verantwortlich war. Zugleich ist das freistehende Gebäude das letzte in der Außenhülle erhaltene Barockpalais der Friedrichstadt und damit ein bedeutendes Relikt ihrer städtebaulichen Entwicklung. Der Bau des Kollegienhauses sollte nach den Vorstellungen Friedrich Wilhelms I. die bauliche Verdichtung und den Zuzug von Bewohnern in die Südliche Friedrichstadt maßgeblich vorantreiben. Dabei folgte die stadträumliche Anordnung des Gebäudes barocken Prinzipien der Stadtgestaltung. Gleich anderen prominenten Gebäuden in der Friedrichstadt wurde das Palais als gestalterisch hervorgehobener Blickfang in eine Sichtachse gestellt, indem der Bau den südlichen optischen Abschluss der Markgrafenstraße bildet. Diesem städtebaulichen Leitgedanken folgt auch die erst im Rahmen der IBA 1987 angelegte E.T.A.-Hoffmann-Promenade, die von Westen auf das Jüdische Museum zuläuft.

Das ehemalige Kollegienhaus hat eine wechselvolle Bau- und Nutzungsgeschichte. Das äußere Erscheinungsbild ist weitgehend überliefert. Der massiv errichtete Mauerwerksbau wurde als aufgesockelte zweigeschossige Dreiflügelanlage ausgeführt. Architektonische Gliederungen, Bauplastik und Ornamente wurden vergleichsweise sparsam eingesetzt. Die monochrome beigefarbene Fassung entspricht der bauzeitlichen Farbgebung. Straßenseitig zeigt der Bau eine elfachsige symmetrische Fassade, die durch leicht vorspringende Risalite gegliedert wird. Das Erdgeschoss besitzt eine rustizierte Putzgliederung. Besondere Kennzeichen sind der gestalterisch hervorgehobene Mittelrisalit mit dem bekrönenden Dreiecksgiebel und die vorgelagerte breite Rampe. Auf dem Giebel lagern die Figuren der "Justitia" und der "Prudentia", die möglicherweise aus der Werkstatt von Johann Georg Glume stammen. Im Tympanon befindet sich eine farbig gefasste Kartusche mit dem preußischen Staatswappen. Ergänzt wird die inhaltlich dem aufgeklärten preußischen Absolutismus verpflichtete Bauplastik durch Bildnisse von Herrschern und Gelehrten, die sich Verdienste im Bereich der Rechtskunde erworben hatten. Oben wird das Palais von einem massigen, hoch aufragenden Mansarddach abgeschlossen. Die hofseitigen Fassadenflächen erhielten eine analog zur Straßenfront ausgeformte Gestaltung.

Das Gebäude wurde im 19. Jahrhundert mehrfach umgebaut und erweitert, so 1856-58 nach Plänen von Hermann Waesemann. Nach dem Auszug des Kammergerichts nahm es seit 1913 allein das Konsistorium der Evangelischen Landeskirche Brandenburgs auf. 1945 brannte das Gebäude weitgehend aus. Der Wiederaufbau für Zwecke des Berlin Museums erfolgte erst 1964-67 nach Plänen von Günther Hönow. Dabei wurde das Haus innen weitgehend entkernt und konstruktiv mit Stahlbetondecken und stählernem Dachstuhl neu aufgeführt. Die Fassade wurde in der alten Gestalt rekonstruiert. Am Eingang zum linken Flügel brachte man das barocke Portal des einstigen Palais Danckelmann an, das 1689-90 vermutlich nach Plänen von Johann Arnold Nehring in der Kurstraße erbaut und 1886 abgebrochen wurde. (2)

1993-99 folgte abermals ein Umbau des Kollegienhauses. Das einstige Barockpalais bildet seitdem den Eingangsbereich für das Jüdische Museum. Es ist über einen unterirdischen Gang mit dem Neubau verbunden. Der Hof wurde mit einem Glasdach überbaut, um die Nutzfläche für das Jüdische Museum zu erhöhen. Als "zeitgemäße Interpretation eines Barockgartens" unter Bezugnahme auf die einstigen Ministergärten in der Wilhelmstraße wurde der zugehörige weitläufige Garten bereits bis 1988 nach einem preisgekrönten Entwurf von Hans Kollhoff und Arthur Ovaska umgestaltet. (3)


(1) Borrmann 1893, S. 339-340; Wirth, Irmgard: Berlin Museum. Die Geschichte des Hauses. Eröffnung des Museums, Berlin 1969; Spode, Hasso: Das Kammergericht. In: Geschichtslandschaft Berlin 1994, S. 235-250; Dehio Berlin 2006, S. 301-303.

(2) Borrmann 1893, S. 406-407. Das so genannte Fürstenhaus wurde für den Minister Eberhard von Danckelmann erbaut. Das Portal wurde nach dem Abbruch des Hauses, der 1886 erfolgte, als Umrahmung eines Wandbrunnens im Hof des Hauses Tiergartenstraße 26A wiederverwendet.

(3) IBA Projektübersicht 1991, S. 187.

Literatur:
  • Dehio, Berlin, 1994 / Seite 277
  • Wirth, Irmgard, Berlin-Museum. Die Geschichte des Hauses Eröffnung des Museums, Berlin 1969 / Seite ..
  • Reclam Berlin, 1977 / Seite 287
  • Spode, Hasso/ Das Kammergericht =Geschichtslandschaft, Kreuzberg, 1994 / Seite 235-250
  • Topographie Friedrichshain-Kreuzberg/Kreuzberg, 2016 / Seite 137 f.