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Engelbeckenhof

Obj.-Dok.-Nr.: 09031189
Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
Ortsteil: Kreuzberg
Strasse: Leuschnerdamm
Hausnummer: 13
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Gewerbehof
Datierung: 1903-1904
Entwurf: Schäfer, R. (Architekt)
Bauherr: Röhl, H.

In den Jahrzehnten um 1900 wandelte sich der Stadtteil um den Oranienplatz und entlang des Luisenstädtischen Kanals von einem reinen vorstädtischen Wohngebiet in ein Wohn- und Gewerbegebiet. Vor allem die Uferstraßen des Luisenstädtischen Kanals wurden von diesem Prozess erfasst, es entstanden große renditeträchtige Gewerbehofanlagen. Diese Entwicklung veranschaulicht der Engelbeckenhof am Leuschnerdamm 13, der als vielseitig nutzbare Etagenfabrik 1903-04 für den Marmorfabrikanten H. Röhl errichtet wurde. (1) Die Pläne lieferte der Architekt R. Schäfer. Ein besonderer Standortvorteil war die Lage am Engelbecken, einer Ausweitung des Luisenstädtischen Kanals, die als Hafen diente. Der Kanal lieferte notwendiges Brauchwasser und konnte darüber hinaus auch als Transportweg genutzt werden. Die Fabriktrakte des Engelbeckenhofs reichen weit in das Blockinnere hinein und umschließen in dichter, teils sehr regelhafter Bebauung insgesamt sechs Höfe. Den straßenseitigen Abschluss der Anlage bildet ein fünfgeschossiges Vorderhaus, das sich in gewerbehoftypischer Manier gestalterisch deutlich von den rückwärtigen Gebäudeflügeln abhebt.

Das Vorderhaus ist bedeutender Bestandteil der Uferbebauung am Engelbecken. Mit seinem dominanten Giebel setzt sich der schmale, hoch aufragende Bau von der gebräuchlichen Berliner Gewerbehofarchitektur ab und erinnert an mittelalterliche Bürger- oder Lagerhäuser der großen Hansestädte. Aufgrund der außergewöhnlichen Formgebung und Proportionen kommt die Straßenfassade des Engelbeckenhofs im Stadtbild gut zur Geltung. Sie zeigt eine strenge Gliederung, die durch den verhalten aufgetragenen Baudekor in Jugendstilformen wirkungsvoll belebt wird. Die Fassade ist nur verputzt, doch soll die feine Putzritzung eine Werksteinverblendung vortäuschen. Zwei über alle Geschosse reichende Bogenstellungen sind ihr gleichsam vorgeblendet. Die Bögen bilden neben den geschossübergreifenden Erkern und dem hoch aufschießenden Frontgiebel die gestalterisch wirksamsten Motive. Sie sind zugleich typische Elemente der zeitgenössischen Geschäftshausarchitektur. Dagegen zeichnen sich die hofseitigen, vorwiegend in Skelettbauweise errichteten Gewerbetrakte durch eine strenge Reduzierung des Formenapparats aus. Die Wandflächen sind in Wandpfeiler und Brüstungsbänder aufgelöst. Lediglich im Bereich der höher geführten Treppenhäuser, die aufgrund feuerpolizeilicher Vorschriften massiv erstellt werden mussten, tritt die Wandfläche verstärkt in Erscheinung. Während die Pfeiler mit weißen Glasurklinkern verblendet wurden, sind die Brüstungsflächen verputzt und mit Rahmen aus weißen und roten Klinkern versehen. Die fünfgeschossigen Fabrikflügel sind in charakteristischer Weise in den Gebäudeecken abgeschrägt, sodass mehreckige, zum Teil achteckige Hofflächen entstanden. Den oberen Abschluss der Hoftrakte bilden ziegelgedeckte Mansarddächer, deren zwei Geschosse anfänglich ebenfalls als Nutzfläche dienten. Noch heute wird der Engelbeckenhof als Gewerbestandort genutzt.


(1) Mislin 2002, S. 321-323; Raach 2008, S. 66.

Literatur:
  • Topographie Friedrichshain-Kreuzberg/Kreuzberg, 2016 / Seite 220 f.