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Bürohaus des Verbandes der Baugeschäfte von Berlin und den Vororten

Obj.-Dok.-Nr.: 09031183
Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
Ortsteil: Kreuzberg
Strasse: Köthener Straße
Hausnummer: 38
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Geschäftshaus
Datierung: 1912-1913
Entwurf: Giesecke und Wenzke (Architektengemeinschaft)

Nur wenige Schritte weiter südlich erhebt sich das Geschäftshaus Köthener Straße 38. Das neoklassizistische Gebäude bildet mit seiner palastartigen Fassade einen prägenden Bestandteil des Straßenzugs. Außerdem belegt es anschaulich, dass sich die Köthener Straße in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg von einer Wohn- zu einer Geschäftsstraße wandelte. Das Haus ließ der Verband der Baugeschäfte von Berlin und den Vororten (heute Fachgemeinschaft Bau) auf der Grundlage eines Wettbewerbs errichten. Mit der Planung wurde die zweitplatzierte Architektengemeinschaft Giesecke & Wenzke beauftragt, die allerdings die Grundrisse von Alfred Tosch, der den ersten Preis gewonnen hatte, in ihren Ausführungsentwurf einzuarbeiten hatte. (1)

Das Haus entstand 1912-13 in guter Geschäftslage. Zwar war der Bau in erster Linie als repräsentatives Innungshaus gedacht, doch brachte man hier zugleich auch Veranstaltungs- und Büroräume sowie Wohnungen unter. Während das Erdgeschoss größtenteils gastronomischen Nutzungen vorbehalten war, belegte der Verband der Baugeschäfte mit seinen Verwaltungs- und Versammlungsräumen das erste und zweite Obergeschoss. Zur besonderen Attraktion des Hauses geriet indes der zweigeschossige Meistersaal, der sich bis heute weitgehend unverändert erhalten hat. In ihm wurden nach bestandener Meisterprüfung die Meisterbriefe ausgehändigt. Der mit einer kunstvollen hölzernen Kassettendecke ausgestattete Raum wurde aber auch für andere Veranstaltungen genutzt. Hier fanden sowohl Musik- und Theateraufführungen als auch Vorträge, Lesungen und feierliche Versammlungen statt. Wegen seiner guten Akustik etablierte sich der Meistersaal als beliebte Aufführungsstätte für Konzerte. Das Haus hatte bekannte Mieter, darunter den Malik-Verlag von Wieland Herzfelde und John Heartfield, der hier in den 1920er Jahren untergebracht war. Durch den Mauerbau geriet das Haus in eine Randlage. Damals ließen sich hier unter anderen die Schallplattenfirma Ariola, die Hansa-Tonstudios und das Studio 2 nieder. (2) Heute wird der Meistersaal hauptsächlich für Kulturveranstaltungen und Auktionen genutzt.

Die imposante Straßenfassade gestalteten Giesecke & Wenzke als flächige Pfeilerfront über rustiziertem Erdgeschoss. Dominiert wird sie von der auf der linken Seite vorgeblendeten Tempelfront, deren korinthische Dreiviertelsäulen einen plastischen Akzent setzen. In diesem Bereich deuten zudem großformatige Rundbogenfenster auf den Meistersaal hin. Als luxuriös empfand man nach der Fertigstellung die aufwendige Werksteinverblendung aus Beuchaer Granit und Wünschelberger Sandstein, die heute komplett überstrichen ist. (3) Auch das Erscheinungsbild der rückwärtigen Fronten ist verändert. Ein Rauputz ersetzt die ursprünglich vorhandenen weißen Glasurklinker. Mit Eingang, Vestibül, Treppe, Wandelhalle und Meistersaal blieb innen eine bemerkenswerte historische Raumabfolge erhalten. Desgleichen zeigt auch der mit Stuck und Marmor verzierte Grüne Salon weitgehend sein ursprüngliches Erscheinungsbild. Die erheblichen Kriegsschäden hat man nach 1945 schrittweise beseitigt. Eine umfassende Gesamtsanierung erfolgte Anfang der 1990er Jahre.


(1) Bauwelt 4 (1913) 45, S. 21; Deutsche Bauzeitung 55 (1921), S. 365-367, 385-387; BusB IX, S. 18.

(2) In den Tonstudios produzierten unter anderem David Bowie, U2 aber auch René Kollo und Zarah Leander ihre Platten.

(3) Deutsche Bauzeitung 55 (1921), S. 385.

Literatur:
  • BusB IX 1971 / Seite 18
  • Topographie Friedrichshain-Kreuzberg/Kreuzberg, 2016 / Seite 169 f.