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Fabrik Köpenicker Straße 20

Obj.-Dok.-Nr.: 09031175,T
Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
Ortsteil: Kreuzberg
Strasse: Köpenicker Straße
Hausnummer: 20
Denkmalart: Gesamtanlage
Sachbegriff: Fabrik
Datierung: 1852-1881

Die Bauten der 1873 gegründeten Berliner Velvet-Fabrik Martin Mengers & Söhne auf dem angrenzenden Grundstück Köpenicker Straße 20 sind bauliche Zeugnisse für einen einstmals bedeutenden Standort der Berliner Textilindustrie. Sie vermitteln noch heute eine authentische Vorstellung von dem lange Zeit weitläufig von Kattunfabriken, Färbereien und Bleichen geprägten Stadtbild entlang der Köpenicker Straße. Die Velvet-Fabrik hat sich in fortwährender Anpassung an neue Produktionstechniken und ökonomische Anforderungen permanent baulich verändert. (1) Hervorgegangen ist sie aus der Kattunfabrik Breslauer & Meyer, deren Bauten das Areal bereits zu weiten Teilen belegt hatten. Aus dieser Zeit stammen das unmittelbar an der Straße stehende Comptoir-Gebäude und das weiter zurückgesetzte Expeditionsgebäude. Beide Bauten wurden 1868 nach Entwurf des Maurermeisters Carl Lüdecke als Backsteinbauten mit gelber Klinkerverblendung ausgeführt. Bündig eingelegte rote Ziegelbänder akzentuieren die Fassaden. Charakteristisch ist die Querstellung der Gebäude zu Spree. (2) Das kleine, eingeschossige Comptoir-Gebäude hat einen schlichten Wandaufbau. Es wird über tief eingeschnittene, rundbogige Tür- und Fensteröffnungen belichtet. Aufwendiger gestaltet ist indes das kubische Expeditionsgebäude. Seine Fassaden überzieht eine gleichförmige und strenge Gliederung durch Lisenen und Gesimse; die Gebäudeecken sind pfeilerartig betont. Dabei spiegelt das Gliederungsgerüst den inneren konstruktiven Aufbau mit seiner zweifachen Stützenreihe wider. Gestalterisch wirksame Motive sind das breite, über der Erdgeschosszone angesetzte Gesims und die Blendarkaden im Bereich des unbelichteten Mezzaningeschosses, das in ungewöhnlicher Weise unmittelbar über dem ersten Stock angeordnet wurde. Die Belichtung der Normalgeschosse geschieht über gekoppelte Segmentbogenfenster, deren originale Stahlfensterflügel zum Teil noch vorhanden sind.

Nach einem Brand erfolgte 1883 innerhalb kürzester Zeit der Wiederaufbau und Umbau des Areals. Nach Plänen von Regierungsbauführer Winkelmann wurde dabei das Expeditionsgebäude durch einen dreigeschossigen roten Ziegelanbau zur Spree hin verlängert. In dem Anbau brachte man die Färberei, die Appretur und einen Trockenboden unter. Der gleichfalls blockhaft wirkende Trakt verfügt über einen gleichmäßig rhythmisierten Wandaufbau. Den oberen Fassadenabschluss bildet ein üppiges, in Formen des Burgenstils gehaltenes Kranzgesims. Ein seltenes bauliches Detail sind die zwischen die gekoppelten Segmentbogenfenster eingestellten gusseisernen Fensterpfeiler. Auch der längs der Grundstücksgrenze angeordnete rote Ziegelbau geht auf Winkelmann zurück und wurde ebenfalls 1883 fertig gestellt. Das schlichte dreigeschossige Gebäude ist langgestreckt und schmal; es konnte aufgrund der geringen Raumtiefe stützenlos angelegt werden und nahm unter anderem Schererei, Bürsterei und Stopferei auf. Nach der grundlegenden Sanierung von 2007 bis 2009 wird die Fabrik als Möbelgeschäft genutzt.


(1) BusB 1896, Bd. 1, S. 619-620. Die Firma produzierte vorwiegend so genannten unechten "Baumwoll-Sammet" und beschäftigte durchschnittlich 1.400 Arbeiter in der Köpenicker Straße. Die Velvetfabrik verfügte in Deutschland und Frankreich noch über weitere Standorte. Nach wie vor werden die Bauten gewerblich genutzt.

(2) Das Comptoir-Gebäude war ursprünglich dreimal so lang und deutlich auf die Spree ausgerichtet.

Literatur:
  • Topographie Friedrichshain-Kreuzberg/Kreuzberg, 2016 / Seite 249 f.
Teilobjekt Fabrik
Teil-Nr.: 09031175,T,001
Sachbegriff: Fabrik
Datierung: 1852
Umbau: 1856 & 1868 & 1872 & 1881
Entwurf: Schmitz (?) (Maurermeister & Zimmermeister)
Ausführung: Stoedtner (Maurermeister)
Ausführung: Lüdecke (Zimmermeister)
Ausführung: Fritze
Bauherr: Breslauer und Meyer (Kattunfabrikanten)
Bauherr: Berliner Velvetfabrik AG
Teilobjekt Verwaltungsbau
Teil-Nr.: 09031175,T,002
Sachbegriff: Verwaltungsbau
Datierung: 1868
Entwurf: Lüdecke, Carl (Maurermeister)
Bauherr: Breslauer und Meyer
Teilobjekt Produktionsgebäude
Teil-Nr.: 09031175,T,003
Sachbegriff: Produktionsgebäude
Datierung: 1883
Entwurf: Winkelmann