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Haus Merkur

Obj.-Dok.-Nr.: 09031171
Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
Ortsteil: Kreuzberg
Strasse: Kochstraße
Hausnummer: 6 & 7
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Bürogebäude & Geschäftshaus
Entwurf: 1912-1913
Datierung: 1913
Entwurf: Bayer, Otto (Architekt)
Bauherr: Dahlheim, Arthur (Kaufmann)
Entwurf: Kurt Berndt, Baugesellschaft mbH (Baufirma)
Ausführung: Boswau und Knauer (Baufirma)

Das Haus Merkur, Kochstraße 6-7, entstand 1912-13 nach Plänen von Otto Bayer und Kurt Berndt, dessen Baugesellschaft in Berlin zahlreiche gestalterisch anspruchsvolle Geschäftshäuser und Gewerbehöfe errichtet hat. (1) Das Gebäude in der Kochstraße wurde als variabel nutzbares Kontorhaus errichtet. Die Mischkonstruktion aus massivem Mauerwerk und eiserner Tragkonstruktion ermöglichte freie Grundrissplanungen. Die Etagen sind weitgehend stützenfrei. In einer Vermietungsanzeige verwies der Bauherr, der Kunsthändler Arthur Dahlheim, nicht allein auf die verkehrsgünstige Lage im Bereich von Friedrichstraße, Anhalter und Potsdamer Bahnhof, sondern unterstrich auch die besonders luxuriöse Gestaltungsweise und Ausstattung dieses "vornehmsten Bürohauses". In den 1920er Jahren befanden sich unter den Mietern zahlreiche Filmgesellschaften, während in den 1930er Jahren hier Büros der Deutschen Reichsbahn untergebracht waren. Die noble Gestaltung der Straßenfront gleicht der eines Stadtpalais. Die mit Kirchheimer Muschelkalk verkleidete Fassade zeigt einen zeittypischen, streng symmetrischen Aufbau in neoklassizistischen Formen. Das stattliche Fassadenbild wird dabei durch die geschickte Inszenierung und Anordnung architektonischer Glieder erzielt. Die fünfgeschossige Fassade zeigt den seinerzeit gebräuchlichen dreizonigen Aufbau mit großzügig verglasten Ladeneinheiten im Erdgeschoss, einer mittleren, drei Geschosse umfassenden Bürozone sowie einem abschließenden Attikageschoss, das von den Untergeschossen durch ein kräftiges Konsolgesims getrennt ist. Die beiden letzten Obergeschosse sind durch Kolossalpfeiler zusammengefasst. Typisch für Geschäftshäuser der Zeit sind die kleinteilig gesprossten, weiß gestrichenen Fenster der oberen Etagen. Sie sind ein prägendes, den gestalterischen und repräsentativen Anspruch des Hauses untermauerndes Element. Der Bauschmuck wurde nach 1945 teilweise beseitigt. Erhalten blieb die Merkurbüste über dem Eingangsportal, die auf den römischen Gott des Handels hinweist und dem Geschäftshaus den Namen gab. Innen hat sich das Haupttreppenhaus erhalten. Die Hoffassaden sind zeittypisch mit cremefarbenen Glasurklinkern verblendet.

Nach dem Zweiten Weltkrieg stand das Gebäude lange isoliert. Im Rahmen der Internationalen Bauausstellung 1987 erhielt es links und rechts Anbauten in gleicher Traufhöhe. 1997-99 wurde das Haus umfassend saniert und hofseitig ergänzt. Dabei wurde das Dach in seiner ursprünglichen Gestalt und mit der bauzeitlichen Deckung wieder hergestellt. Auch die lange Zeit verbaute Ladenzone im Erdgeschoss wurde mit Ausnahme der großen Oberlichtsäle in ihren ursprünglichen Zustand zurückgeführt. Das Gebäude wird heute von der Iduna-Versicherung genutzt.


(1) Bauwelt 4 (1913) 1, S. 13-14.

Literatur:
  • Bauwelt 4 (1913) / Seite .
  • Topographie Friedrichshain-Kreuzberg/Kreuzberg, 2016 / Seite 119 f.