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Wohnhaus Fidicin

Obj.-Dok.-Nr.: 09031168
Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
Ortsteil: Kreuzberg
Strasse: Johanniterstraße
Hausnummer: 10
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Wohnhaus
Datierung: 1837
Umbau: 1849 & 1871
Entwurf: Köschke? (Maurermeister)
Entwurf: Hahn, F. (Zimmermeister)
Bauherr: Fidicin (Städtischer Archivar)

In der Johanniterstraße 10 befindet sich im Hofgelände das älteste überlieferte Wohnhaus der Tempelhofer Vorstadt. Das ehemals freistehende Haus geht in seinen Anfängen auf die 1830er Jahre zurück. Bekanntheit erlangte das Gebäude freilich weniger aufgrund seines Alters, sondern wegen eines prominenten Bewohners, denn 1840-53 lebte hier der Berliner Stadtarchivar und Historiker Ernst Fidicin. Von der umgebenden Mietshausbebauung hebt sich das kleine Haus durch seine ungewöhnliche Formgebung ab. Die vorstädtische Bauweise erinnert daran, dass das Areal vor dem Halleschen Tor noch um 1860 kaum bebaut und größtenteils mit Feldern und Nutzgärten bedeckt war. Das Grundstück, auf dem das Gebäude errichtet wurde, gehörte zum sogenannten Johannistisch, einer Flur mit weitläufigen Obst- und Gemüsegärten. 1720 hatte Christoph Späth hier seine später weithin bekannte Gärtnerei gegründet. Obwohl das Haus heute gestalterisch sehr einheitlich wirkt, hat es vor allem außen einschneidende Überformungen und Erweiterungen erfahren. Im Kern handelt es sich um ein vor 1837 errichtetes eingeschossiges Gärtnerwohnhaus, das 1871 aufgestockt und mit einem Flachdach versehen wurde. Ernst Fidicin ließ das massiv aufgemauerte Gärtnerhaus bereits 1849 an seiner westlichen Seite um einen Anbau mit eingewölbtem Keller erweitern. Ein flaches Satteldach bedeckt den kubischen Anbau. Sämtliche Fassaden sind von einem feinen spätklassizistischen Stuckdekor überzogen, der wohl von 1871 stammt. Einige markante Gestaltungselemente beleben das Erscheinungsbild, darunter das Portal oder das über zwei Geschosse reichende, rundbogig abschließende Treppenhausfenster. Dass man in den Landhäusern vor den Toren Berlins bisweilen recht bedürfnislos lebte, kann man innen noch nachvollziehen, denn an den ursprünglichen, außerordentlich einfachen und beengten Wohnverhältnissen hat sich kaum etwas geändert. In jedem Geschoss sind auf kleinster Grundfläche zwei Wohnungen angeordnet. Besonders eindringlich kann man den ursprünglichen Lebensstandard jedoch in dem filigran durchgeformten Treppenhaus nachvollziehen, in dem sich die als Holzverschläge gefertigten Toiletten befinden. Eine grundlegende Instandsetzung der Fassaden erfolgte 2006.

Literatur:
  • Topographie Friedrichshain-Kreuzberg/Kreuzberg, 2016 / Seite 341 f.