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Mietshaus & Gewerbehof Hasenheide 54 Körtestraße 15 & 17

Obj.-Dok.-Nr.: 09031165
Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
Ortsteil: Kreuzberg
Strasse: Hasenheide
Hausnummer: 54
Strasse: Körtestraße
Hausnummer: 15 & 17
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Mietshaus & Gewerbehof
Datierung: 1908
Entwurf: Blume, Friedrich (Bauunternehmer)
Entwurf: Kuthe, Arnold
Bauherr: Lande & Löbinger & Schulze

Im gleichen Baublock, auf dem Grundstück zwischen Hasenheide 54 und Körtestraße 15/17 ließ der Kaufmann Theodor Teichgräber 1908 einen stattlichen Gewerbehof mit zwei Mietshäusern errichten. (1) Während Arnold Kuthe die Grundrisse entwarf, war Friedrich Blume für die Fassadengestaltung verantwortlich. Das langgestreckte Grundstück ist mit fünfgeschossigen Fabriktrakten besetzt, die sich um vier Höfe unterschiedlichen Zuschnitts gruppieren. An den beiden Straßenseiten stehen die eleganten Mietshäuser. Besonders vornehm wirkt dabei das zur Hasenheide gerichtete und hinter einem tiefen Vorgarten angeordnete Wohngebäude, das noch sein ursprüngliches Erscheinungsbild zeigt. Friedrich Blume entwarf für das Haus eine asymmetrische, malerische Fassade, die sich gut in den stark begrünten Straßenzug einfügt. Die Front steht stilistisch zwischen Jugendstil und frühen rationalen und funktionalen Tendenzen. Sie beeindruckt weniger durch große Fülle an Bauschmuck als vielmehr durch die ebenso gelungene wie spannungsvolle Anordnung und Proportionierung der einzelnen Bauglieder. Runderker, Loggien und ein lang fluchtender Balkon bilden als Zeichen gehobener Wohnkultur die gestalterisch prägenden Motive. Hinzu kommen die unterschiedlichen Fensterformate und Größen, die den Fassadenaufriss auf geschickte Weise bereichern. An wenigen Stellen finden sich pointiert gesetzte dekorative Elemente, so etwa die figürlichen Reliefplatten in den Brüstungsfeldern des Erkers. Wie bei vielen vornehmen Wohnhäusern des frühen 20. Jahrhunderts zu beobachten ist, wurde auch das Dach in die Gestaltung einbezogen. Charakteristisch ist dabei, dass das letzte Obergeschoss durch seine Verblendung mit dunklen Schindeln optisch eine Einheit mit dem Dachaufbau bildet. Mit Ausnahme des Erdgeschosses, in dem Ladenräume untergebracht wurden, befindet sich in jedem Geschoss eine komfortabel ausgestattete Sechs-Zimmer-Wohnung mit Mädchenkammer und separatem Dienstbotenaufgang. Bescheidener sind die Grundrisse in dem deutlich größeren Wohnhaus in der Körtestraße 15/17, das vorwiegend nur Drei-Zimmer-Wohnungen enthält. Gleichartig sind indes die gestalterischen Prinzipien, die auch hier den Fassadenaufbau kennzeichnen. Durch die 1960 erfolgte Entstuckung und weitere kleine Umbauten hat die Fassade allerdings ihr ursprüngliches Aussehen verloren.

Die hofseitigen Gewerbetrakte waren für die freie Vermietung an unterschiedliche Gewerbetreibende konzipiert. Typologisch markieren die Fabrikeinheiten sowohl in den Grundrissen als auch in den Aufrissen die letzte Stufe in der Entwicklung der Berliner Gewerbehofarchitektur. Sie bestehen aus drei Quergebäuden, die über einen langen Seitenflügel miteinander verbunden sind. Eine besondere Qualität des Hofs stellt die gute, von beiden Straßenseiten angelegte Erschließung dar. Während die schmalen Seitenflügel nur einseitig Fenster erhielten, werden die tiefen und variabel einteilbaren Geschosse der Quergebäude von zwei Seiten großzügig belichtet. Die Fassaden sind vollkommen ornamentfrei und in Fensterflächen aufgelöst. Pfeiler und Brüstungsfelder bilden ein Raster, das dem tragenden Gerüst entspricht. Die weiße Glasurklinkerverblendung bildet zu den grünen, kleinteilig gesprossten Fenstern einen harmonischen Farbkontrast. Im Seitenflügel befindet sich noch ein alter Pferdestall, mit dem Mietshäuser des 19. und frühen 20. Jahrhunderts regelmäßig ausgestattet waren. Heute sind sie aber nur noch selten überliefert.


(1) Berliner Architekturwelt 12 (1910), S. 22-23; Berliner Architekturwelt 16 (1914), S. 230.

Literatur:
  • Topographie Friedrichshain-Kreuzberg/Kreuzberg, 2016 / Seite 333 f.