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Kaisersaal

Obj.-Dok.-Nr.: 09031164
Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
Ortsteil: Kreuzberg
Strasse: Hasenheide
Hausnummer: 27
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Gaststätte & Saalbau
Datierung: 1889-1890
Umbau: 1955-1956 & 1992-1994
Entwurf: Walther, Wilhelm (Architekt)
Entwurf: Demmer, Karl-Friedrich (Architekt)
Bauherr: Berliner Unions-Brauerei

Entlang der Hasenheide reihten sich einst gut besuchte Cafés, Festsäle, Restaurants und Biergärten aneinander. Die meisten der oft prachtvoll ausgestatteten Etablissements bestehen heute nicht mehr. Erhalten blieb jedoch der Kaisersaal auf dem Grundstück Hasenheide 27, den die Berliner Unions-Brauerei auf ihrem Brauereigelände 1889-90 nach Plänen des Architekten Wilhelm Walther errichten ließ. (1) Das Gebäude war als Fest- und Veranstaltungssaal mit angeschlossenem Restaurant konzipiert. Wenngleich in der Gegenwart stark überformt, ist es doch letztes Relikt eines einstmals bedeutenden Brauereistandorts, denn unmittelbar westlich der ohnehin schon großen Unions-Brauerei befanden sich die weitläufigen Anlagen von Happoldts Brauerei. Die Berliner Unions-Brauerei wurde 1914 von der Schultheiss AG übernommen, die 1917 die Einstellung des Brauereibetriebs in der Hasenheide verfügte.

Der Kaisersaal gehörte zu einem umfangreichen Schankgarten- und Vergnügungsbetrieb mit Kegelbahn, Tanzplatz, Orchesterpavillon und eingehauster Eisbahn. Der Saal, der den Zweiten Weltkrieg unbeschadet überstand besaß ursprünglich ebenso wie der zur Straße orientierte Vorsaal eine kräftige Stuckdekoration in Neorenaissanceformen. In der Nachkriegszeit fand man das üppige Erscheinungsbild nicht mehr zeitgemäß, weshalb der Architekt Karl-Friedrich Demmer 1955-56 eine grundlegende Umgestaltung vornahm. Demmer ergänzte das Gebäude durch einen schmucklosen Vorbau zur Straße. Auch wenn das früher vorherrschende "Gepräge des Ländlichen und gastlich Einladenden" (2) heute kaum mehr nachzuvollziehen ist, lässt sich an den noch vorhandenen alten Fassadenbestandteilen die frühere Gestalt noch in Ansätzen ablesen. Die Wandflächen des Ursprungsbaus sind gelb verklinkert und durch Lisenen gegliedert. Jeweils ein großes, weiß geputztes, früher farbig bemaltes Bogenfeld strukturiert die Stirnseiten. Die Bogenschlusssteine sind als Bacchusköpfe gestaltet, während die Bogenzwickel Eichenlaub tragen. Die schwere historistische Innenraumgestaltung ersetzte Demmer durch eine kompromisslose Neufassung in den leichten Formen der 1950er Jahre. Er ließ den alten Stuck entfernen, die Decke abhängen und mit einer indirekten Beleuchtung versehen. Als markantes Gestaltungselement gliedern nun kräftig kannelierte Wandpfeiler die glatt geputzten Wandflächen. 1992-94 wurden im Zusammenhang mit dem Neubau des benachbarten neungeschossigen Bürogebäudes der Saal und die Vorräume instand gesetzt. Unter weitgehender Berücksichtigung der Nachkriegsausstattung erfolgte 2004 der Umbau des Saals zu einer Kantine.


(1) BusB 1896, Bd. 1, S. 652-653; BusB 1896, Bd. 2, S. 528; Uebel 1985.

(2) BusB 1896, Bd. 2, S. 528.

Literatur:
  • BusB I 1896 / Seite 652f.
  • BusB II/III 1896 / Seite 528
  • Uebel, Lothar und Hans Werner Klünner, Viel Vergnügen, Kreuzberger Hefte VIII, Berlin 1985 / Seite .
  • Topographie Friedrichshain-Kreuzberg/Kreuzberg, 2016 / Seite 331 f.