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Bootsanlegestelle

Obj.-Dok.-Nr.: 09031158
Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
Ortsteil: Kreuzberg
Strasse: May-Ayim-Ufer
Hausnummer: 9
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Uferbebauung
Datierung: um 1895
Entwurf: Städtisches Technisches Büro
Bauherr: Stadt Berlin

Ein außergewöhnliches Verkehrsbauwerk ist die um 1895 nach Entwurf des Städtischen Technischen Büros erstellte Bootsanlegestelle an der Spree am May-Ayim-Ufer 9. (1) Die Stadt Berlin ließ die Anlage errichten, nachdem die Bootsanlegestellen an der Jannowitzbrücke aufgrund des gestiegenen Dampfer- und Frachtverkehrs nicht mehr von privaten Bootshaltern genutzt werden konnten. Die Anlegestelle dokumentiert nicht allein die Entwicklung des Bootsverkehrs auf der Spree, sondern hat auch maßgebliche Bedeutung für die planmäßige Entwicklung des umliegenden Stadtraums, denn sie stellt eine "frühe, urban gestaltete Hinwendung" zum Spreeuferbereich dar. (2)

Die Bootsanlegestelle entstand im Bereich der ehemaligen Kattunfabrik Dannenberger, deren umfangreiche Produktionsstätten das trapezförmige Gelände zwischen Pfuelstraße, Oberbaumstraße und Spreeufer einnahmen. Nach Abriss der Fabrikanlage wurde dieses bis dahin weitgehend planlos entwickelte Areal um 1895 im zeitlichen Zusammenhang mit der Gewerbeausstellung in Treptow städtebaulich vollkommen neu geordnet. Man legte die Pfuelstraße, die Bevernstraße und das May-Ayim-Ufer an. Neben der zeitgleich im unmittelbaren Umfeld errichteten Oberbaumbrücke stellte die Bootsanlegestelle ein wichtiges stadtgestalterisches Element in diesem Uferbereich dar. Die weitläufige Anlage nimmt die Mitte der ansonsten begrünten Uferzone ein und bildet den uferseitigen Abschluss der axial auf sie zulaufenden, promenadenartig angelegten Bevernstraße. Ungeachtet des nur rudimentären Erscheinungsbildes prägt die Anlage noch immer das Umfeld der Oberbaumbrücke. Erhalten blieb lediglich das gestalterische Grundgerüst, während die Flaggenmasten und Bildhauerarbeiten verloren sind. (3) Die massiv errichtete Bootsanlegestelle erstreckt sich über eine Länge von etwa 80 Metern. Über zwei Freitreppen gelangt man zu den tiefer gelegenen Plattformen, von denen Boote und Schiffe bestiegen werden können. Im Rahmen des Programms Stadtumbau West wurde die gesamte Anlage 2009-2011 umfassend saniert. Dabei hat man die Wartesäle baulich miteinander verbunden und zu Restaurant- und Ausstellungsflächen umfunktioniert.


(1) BusB 1896, Bd. 1, S. 102; Hoffmann-Axthelm 1987, S. 62-63.

(2) Maier, Helmut: Kaianlagen Gröben-Ufer, Gutachten im Archiv Landesdenkmalamt Berlin, Berlin 1992, S. 22.

(3) Nicht überliefert sind unter anderem die vier prunkvoll ausgearbeiteten Flaggenmasten, der kleine Leuchtturm und zwei kupfergetriebene Skulpturen auf Postamenten, ein Schiffsbauer von Gerhard Janensch und ein Ruderer von Carl Bernewitz.

Literatur:
  • BusB I 1896 / Seite 102
  • Hoffmann-Axthelm, Baufluchten, Berlin 1987 / Seite 62f.
  • Topographie Friedrichshain-Kreuzberg/Kreuzberg, 2016 / Seite 256