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70. und 251. Gemeindeschule & Fichtelgebirge-Grundschule

Obj.-Dok.-Nr.: 09031157
Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
Ortsteil: Kreuzberg
Strasse: Görlitzer Ufer
Hausnummer: 2
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Schule
Datierung: 1901-1902
Entwurf: Neumann, Siegfried (Architekt)
Bauherr: Magistrat Berlin

Am Görlitzer Ufer 2 steht im Blockinnenbereich und größtenteils umgeben von vier- bis fünfgeschossiger Wohnbebauung die 170. und 251. Gemeindeschule, heute Fichtelgebirge-Grundschule. (1) Die schlichte und zweckmäßige Formgebung des Schulgebäudes kann als Beispiel für die Reformarchitektur um 1900 gelten. Die Lehranstalt wurde 1901-02 als Gemeindedoppelschule für Jungen und Mädchen nach Plänen von Stadtbauinspektor Siegfried Neumann errichtet, nachdem sich die Einwohnerzahl in der Luisenstadt jenseits der Akzisemauer im ausgehenden 19. Jahrhundert stark erhöht hatte. Wie bei den Gemeindeschulen oftmals üblich steht die Schule auf einer Blockinnenfläche, während die straßenseitige Zufahrt von einem Lehrerwohnhaus begrenzt wird, das sich in den Blockrand einfügt. Das Wohngebäude hat jedoch ebenso wenig wie die im Hofbereich angeordnete Turnhalle den Krieg unbeschadet überschaden. Einzig der Klassentrakt ist ohne größere Zerstörungen geblieben. Er besteht aus einem langgestreckten viergeschossigen Riegel, dem an seiner Südseite zwei Seitenflügel mit runden Treppentürmen angegliedert sind. Stilistisch orientiert sich Neumanns Entwurf sichtlich an den Schulbauten des ihm vorgesetzten Stadtbaurats Ludwig Hoffmann. Die zum Schulhof gerichtete Fassade ist symmetrisch gestaltet. Ihre Gliederung erfolgt über schmale Gesimse und die Fenster, die Neumann zu charakteristischen Figuren gruppierte, die in strenger Axialität und genau definiertem Rhythmus die Fassaden überziehen. Die mittleren Achsen sind im Bereich der Aula höher geführt. Ein wesentliches Gestaltungselement ist das hohe, schiefergedeckte Satteldach mit den langgezogenen Schleppgauben. Mit Ausnahme des Werksteinsockels wurde die Schule mit einem beigefarbenen Glattputz versehen. Nur wenige Werksteinglieder, darunter die massiven Fensterkreuze, bereichern das Fassadenbild, weshalb die Schule vergleichsweise zurückhaltend dekoriert erscheint. Aufwendig gearbeitet sind vor allem die Portale, insbesondere das auf der Südseite gelegene, mit zwei Korbbogenöffnungen ausgestattete einstige Hauptportal. Innen blieben die ursprüngliche Raumaufteilung und die bauzeitliche Ausstattung nahezu vollständig erhalten. Von besonderem Wert sind die mit Holzvertäfelungen und Holzbalkendecke ausgestattete Aula, die Wendeltreppen der Seitenflügel und das eingewölbte Haupttreppenhaus.


(1) Der Baumeister 10 (1904), S. 111; BusB V C, S. 355. Ludwig Hoffmann zeichnete nicht, wie in "Berlin und seine Bauten" fälschlicherweise behauptet, für den Entwurf der Schule verantwortlich. Vgl. dazu Döhl 2004, S. 29.

Literatur:
  • Topographie Friedrichshain-Kreuzberg/Kreuzberg, 2016 / Seite 276 f.