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Fabrik Gitschiner Straße 15

Obj.-Dok.-Nr.: 09031151
Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
Ortsteil: Kreuzberg
Strasse: Gitschiner Straße
Hausnummer: 15
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Fabrik
Datierung: 1885
Entwurf: Schneider (Maurermeister)
Bauherr: A. Motard und Co.

Die Blockkanten der Luisenstadt wurden üblicherweise mit Wohnbauten besetzt, während die Etagenfabriken mit ihren Gewerbeflächen in den Blockinnenflächen standen. Eine Ausnahme bildet das Fabrikgebäude Gitschiner Straße 15, das sich in unmittelbarer Nähe zur ehemaligen Englischen Gasanstalt in den südlichen Blockrand der Gitschiner Straße einfügt. Es wurde 1885 von Maurermeister Schneider für die Stearin-Lichtfabrik A. Motard & Co. in gelbem Sichtmauerwerk errichtet. Auf dem Grundstück befand sich seit 1838 eine Wachs- und Glycerinfabrik, deren Anlagen sich einst bis zum Landwehrkanal ausdehnten. (1) 1965 wurden die Fabrikteile abgerissen, darunter auch der langgestreckte Seitenflügel, der sich an den straßenseitigen Fabrikflügel anschloss. Anhand der Schrägstellung der rückwärtigen Front lässt sich der ursprüngliche Parzellenzuschnitt ablesen. Das Gebäude entspricht dem Bautyp der frühen, vielseitig nutzbaren Etagenfabrik. Die flächige gelbe Straßenfassade ist sparsam durch rote Ziegelbänder, Ornamentbänder und Gesimse geschmückt und gegliedert. Auch die Köpfe der schmiedeeisernen Anker sind als Schmuckelemente eingesetzt. Die Belichtung erfolgt über Segmentbogenfenster, die streng axial ausgerichtet und in den äußeren Achsen zu Zwillingsfenstern zusammengefasst sind. Über die links angeordnete, sehr breite Durchfahrt erreicht man den Hof. Mit Ausnahme des reich gegliederten Kranzgesimses ist die Rückfront in den letzten Jahrzehnten mehrfach umgestaltet worden. Konstruktiv handelt es sich um eine Mischung aus Mauerwerks- und Skelettbau, was damals jedoch für die meisten Industriegebäude durchaus üblich war. Während die Außenwände als massive Wandscheiben ausgeführt wurden, besteht das innere Tragwerk aus einer Kombination von gusseisernen Hohlstützen, Unterzügen und Kappendecken. Gegenwärtig beherbergt die ehemalige Fabrik Sozialeinrichtungen des Bezirksamts.


(1) BusB 1896, Bd. 1, S. 641. Als die Stadtgrundstücke von Motard & Co. gegen Ende des 19. Jahrhunderts weitere Expansionen nicht zuließen, begann das sehr erfolgreich operierende Unternehmen 1886 mit der Verlagerung von Produktionsbereichen nach Sternfeld und Paulstern bei Spandau.

Literatur:
  • Topographie Friedrichshain-Kreuzberg/Kreuzberg, 2016 / Seite 309 f.