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Elisabethhof

Obj.-Dok.-Nr.: 09031135
Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
Ortsteil: Kreuzberg
Strasse: Erkelenzdamm
Hausnummer: 59 & 61
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Mietshaus & Gewerbehof
Datierung: 1897-1898
Entwurf: Berndt, Kurt (Architekt)
Bauherr: Dahn, P.

Das dicht bebaute Quartier reicht bis zum ehemaligen Luisenstädtischen Kanal, der heute als Grünzug den Stadtraum teilt. An der östlichen Uferstraße, dem ehemaligen Elisabethufer, steht ein großer Gewerbehof. Der Elisabethhof, Erkelenzdamm 59/61 (1), wurde 1897-98 durch den Architekten und Bauunternehmer Kurt Berndt errichtet, der in den Jahrzehnten vor dem Ersten Weltkrieg mehrere große Gewerbe- und Geschäftshäuser gebaut hat, darunter die Hackeschen Höfe, den Römer-Hof oder den Zollernhof im Ortsteil Mitte. Wie in der Gewerbehofarchitektur der Jahrhundertwende üblich sind die Fabriktrakte zur Straße hin hinter einem herrschaftlich anmutenden Mietshaus mit Vorgarten versteckt. Das weitgespannte Wohngebäude stattete Berndt mit gotisierendem Stuckdekor aus. Ungeachtet ihres streng symmetrischen Aufbaus hinterlässt die Straßenfront wegen der "Giebel, Erker, Loggien und Balkons einen abwechslungsreichen und malerischen Eindruck" (2). Loggien und Balkone verweisen aber auch auf den gehobenen Wohnkomfort, den das Haus zumindest zur Straße bieten konnte. Die Sechs- und Sieben-Zimmer-Wohnungen des Vorderhauses waren großzügig angelegt und komfortabel ausgestattet. Mit seinen beiden Seitenflügeln und dem Quergebäude umschließt das Wohnhaus einen gärtnerisch angelegten Hof, über den an seiner rechten Seite die Zufahrt zu den Gewerbetrakten erfolgt.

Dass der Bauherr im Interesse seiner gewerblichen Mieter auf einen optimierten Waren- und Lastentransport achtete, belegt nicht nur der Umstand, dass der Elisabethhof - gleich vielen anderen Gewerbehofanlagen - unmittelbar am Kanalufer errichtet wurde. Auch die Sorgfalt, mit der man die Andienung aller Höfe und Geschosse plante, ist hierfür ein Indiz. Ein- und Ausfahrt, die voneinander getrennt angelegt wurden, ermöglichen zusammen mit den geschickt angeordneten Durchfahrten unter den Fabriktrakten einen störungsfreien Kreisverkehr durch alle Hofflächen. Zudem erleichtern sechs Fahrstühle und neun Treppenanlagen den vertikalen Personen- und Lastentransport. Hinsichtlich der Konstruktion zeigt sich der Elisabethhof auf der Höhe der Zeit. Mit Ausnahme der Treppenhäuser, die aufgrund feuerpolizeilicher Vorschriften massiv auszuführen waren, sind die Gewerbeeinheiten in Skelettbauweise mit Mauerpfeilern, Stahlstützen und preußischen Kappen ausgeführt. Nach außen bestehen die Wände nur mehr aus Pfeilern und Brüstungsflächen. Das reduzierte konstruktive System erlaubte die Realisierung offener Grundrisse und damit eine äußerst flexible Nutzung. Die Geschossflächen sind teils einschiffig, teils zweischiffig mit Mittelstützenreihe angelegt. Für eine optimale Belichtung sorgen die großen Sprossenfenster. Die Fassaden wurden mit weißen und braunen Keramikplatten verkleidet oder einfach nur verputzt. Ein gliederndes Dekorelement sind die flachen Segmentbogenfenster in Erdgeschoss und drittem Obergeschoss. Wegen der stählernen Fensterstürze werden die Bögen allerdings konstruktiv nicht benötigt. Der Elisabethhof wurde im Zweiten Weltkrieg beschädigt und 1963 größtenteils wieder hergestellt.


(1) Baugewerks-Zeitung 34 (1902), S. 927 ff.; BusB IX, S. 40-41, 92; Hildebrandt/Lemburg/Wewel 1988, S. 58; Dehio Berlin 2006, S. 311-312; Raach 2008, S. 67.

(2) Baugewerks-Zeitung 34 (1902), S. 928.

Literatur:
  • BusB IX 1971 / Seite 41 & 92
  • Topographie Friedrichshain-Kreuzberg/Kreuzberg, 2016 / Seite 305 f.