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Wohnanlage Dudenstraße 12 & 14 & 16 & 18 & 20 Methfesselstraße 45 & 47 & 49

Obj.-Dok.-Nr.: 09031132
Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
Ortsteil: Kreuzberg
Strasse: Dudenstraße
Hausnummer: 12 & 14 & 16 & 18 & 20
Strasse: Methfesselstraße
Hausnummer: 45 & 47 & 49
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Wohnanlage
Entwurf: 1953
Datierung: 1954-1955
Entwurf: Taut, Max (Architekt)
Ausführung: Bauhütte Berlin GmbH
Bauherr: Vermögensverwaltung GmbH der IG Druck

Dem Verband der deutschen Buchdrucker gehörte auch das benachbarte Grundstück, das jedoch erst nach dem Zweiten Weltkrieg mit einer der ersten modernen Wohnanlagen in West-Berlin bebaut wurde. Auch für die Baugruppe Dudenstraße 12/20 und Methfesselstraße 45/49 erstellte Max Taut die Pläne. Gebaut wurde die Wohnanlage mit Stadtbücherei zwischen 1953 und 1955, Bauherr war die Nachfolgeorganisation des Buchdruckerverbandes, die Industriegewerkschaft Druck und Papier. (1) Taut entwarf eine Kombination aus einem kompakten, ein- bis sechsstöckigen Block entlang der Dudenstraße und einem freistehenden, zehngeschossigen Hochhaus im Bereich der Methfesselstraße. Die Entwurfshaltung ist hauptsächlich durch die sachliche Richtung der Vor- und Nachkriegsmoderne geprägt, zeigt aber auch für Taut typische Elemente wie den zielgerichteten Einsatz kräftiger Farben, zum Beispiel an den mehrfarbigen Holzfenstern. Auf repräsentative Gesten wurde verzichtet; die kubisch gefassten Bauten wirken leicht und freundlich. Mit der Abstaffelung des Baukörpers an der Dudenstraße fand Taut ein passendes Mittel, um die Wohnanlage in das damals bereits weitgehend entwickelte städtebauliche Umfeld einzubinden. Stimmig wirkt nicht nur der Anschluss an das benachbarte Buchdruckerhaus, sondern auch die gleichsam negative Betonung der Blockecke, an die Taut einen halbrunden eingeschossigen Glasbau als vermittelnden Übergang zur Methfesselstraße setzte. Der eingeschossige Anbau bildet mit seiner Rundung den dynamischen Abschluss der komplett verglasten Erdgeschosszone, die neben Läden auch eine Zweigstelle der Stadtbibliothek aufnahm. Über dem Erdgeschoss erheben sich die einheitlich strukturierten Wohngeschosse. Das Fassadenbild wird durch gleichmäßig gesetzte Fensterachsen und paarweise zusammengebundene Loggienachsen bestimmt.

Für einen neuen und später sehr erfolgreichen Bautyp steht das rückwärtig angeordnete Scheibenhochhaus. Es gehört zu den ersten Wohnhochhäusern Berlins. Taut rückte den Bau aus der Fluchtlinie der Methfesselstraße und stellte ihn im rechten Winkel zur Dudenstraße, sodass die Wohnungen über eine optimale Ost-West-Orientierung verfügen. Ein charakteristisches Gepräge erhielt vor allem die westliche, in den Stadtraum hineinwirkende Fassade. Die Front ist symmetrisch gegliedert und besitzt Balkone sowie Standerker, die über alle Geschosse laufen. Für die Aufzugsüberfahrten fand Taut mit den abgerundeten Aufsatzhauben eine markante Gestalt. Das Hochhaus hat zwei Verkehrskerne, die jeweils pro Stockwerk drei Wohnungen erschließen. Die Ein- bis Drei-Zimmer-Wohnungen zeigen das übliche Niveau des sozialen Wohnungsbaus, sind allerdings durchgehend mit Balkonen ausgestattet. Da das Haus erhöht liegt, genießt man zudem aus den oberen Geschossen eine beeindruckende Aussicht in Richtung Stadtzentrum.


(1) Menting 2003, S. 196-197, 338-339.

Literatur:
  • Rave, Knöfel/ Bauen seit 1900, 1968 / Seite Objekt 72
  • Reclam Berlin, 1977 / Seite 303
  • BusB IV B 1974 / Seite Objekt 1246
  • Bauwelt 45 (1954) / Seite 370f.
  • Max Taut, Katalog zur Ausstellung in der Akademie der Künste, Berlin 1964 / Seite 62
  • Max Taut 1884-1967, Ausstellungskatalog, 1984 / Seite 114
  • Topographie Friedrichshain-Kreuzberg/Kreuzberg, 2016 / Seite 398 f.