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Geschäftshaus Dessauer Straße 1 & 2

Obj.-Dok.-Nr.: 09031128
Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
Ortsteil: Kreuzberg
Strasse: Dessauer Straße
Hausnummer: 1 & 2
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Geschäftshaus
Datierung: 1905-1906
Entwurf: Schmitz, Bruno (Architekt)
Bauherr: Papierhaus Carl Hoffmann GmbH

1905-06 ließ sich der Geheime Regierungsrat Dr. Carl Hofmann in der Dessauer Straße 1-2 nach Plänen von Bruno Schmitz ein repräsentatives Büro- und Geschäftshaus errichten. (1) Das Gebäude diente als Gildehaus der Berliner Papier- und Druckgewerbe, nahm aber daneben auch Produktionseinrichtungen für die von Carl Hofmann herausgegebene "Papierzeitung" auf. Neben den Expeditions- und Redaktionsräumen enthielt der Bau Geschäftsräume, verschiedene Ausstellungsräume sowie Sitzungs- und Vortragssäle. Mit der kraftvollen Formensprache von Bruno Schmitz, der das monumentale Völkerschlachtdenkmal in Leipzig entworfen hatte, erreichte man das gewünschte würdevolle Erscheinungsbild. Mit der straffen Gliederung und dem weitgehenden Verzicht auf schmückende Elemente zeigt sich Bruno Schmitz als Protagonist einer Reinigung und Versachlichung der Architektur im frühen 20. Jahrhundert.

Das Gildehaus, errichtet als Stahlbetonskelettbau, besteht aus Vorderhaus, Seitenflügel und Quergebäude. Seine Straßenfassade verfügt über ein kräftiges Relief. Schmitz hat sie, wie im Geschäftshausbau der Zeit gebräuchlich, als Pfeilerfront angelegt und mit Kirchheimer Muschelkalkstein verblenden lassen. Die Seiten sind durch erkerartige Vorwölbungen dezent hervorgehoben. (2) Von den steinernen Wandpfeilern heben sich die waagerechten grünen Kupferplattenbänder ab. Noch heute spiegelt der markante dreischichtige Aufbau die unterschiedlichen Funktionseinheiten. In der unteren Zone, die sich aus dem sockelartigen Erdgeschoss und dem ersten Obergeschoss zusammensetzt, befanden sich ursprünglich die Produktions- und Redaktionsräume der "Papierzeitung" und eine Portierswohnung. Im zweiten und dritten Obergeschoss waren die Berufsgenossenschaften für das Papier- und Druckgewerbe untergebracht, während sich im obersten Stock ein Ausstellungssaal und die Räume der Typographischen Gesellschaft befanden. Die Fenster der oberen Etagen zeigen mit ihrer zweifachen Knickung eine eigenwillige Formgebung. Es handelt sich dabei um so genannte bow windows, die damals als modern galten und bei vielen Geschäftshäusern des frühen 20. Jahrhunderts zu finden sind. Anders als die Straßenfassade erhielten die Hoffronten mit Ausnahme der Portale keine Natursteinverblendung. Die schmucklosen, lediglich durch flache Wandvorlagen strukturierten Fassaden wurden mit weißen Glasurklinkern verblendet. Dabei setzten sich die Treppenhäuser vom übrigen Wandgefüge durch ihre geschossübergreifenden Schlitzfenster ab, ein Motiv, das heute allerdings nur noch an der Rückfront des Vordergebäudes zu sehen ist. Bei Umbauten in den 1920er und 1950er Jahren verlor das Gebäude vor allem innen viel von seiner ursprünglichen Ausstattung. Das alte Erscheinungsbild der Fassaden wurde indes in Teilbereichen mit der umfassenden Instandsetzung von 1998 wiedergewonnen. Seither wird das Gildehaus von einer Krankenkasse als Bürogebäude genutzt.


(1) Der Baumeister 4 (1906), S. 141 ff.; Berliner Architekturwelt 9 (1907), S. 166, 170; Architektonische Rundschau 1 (1907), Tafel 3; BusB IX, S. 188; Posener, Julius: Berlin auf dem Wege zu einer neuen Architektur. Das Zeitalter Wilhelms II. 1890-1918, München 1979, S. 102.

(2) Die gleichfalls an den Seiten angeordneten Dachaufbauten gibt es heute nicht mehr.

Literatur:
  • Schliepmann, Hans, Bruno Schmitz in Berliner Architekturwelt Sonderheft 13 (1913) / Seite ..
  • BusB IX 1971 / Seite 188
  • Berliner Architekturwelt 9 (1907) / Seite 166
  • Lexikon der Kunst, 1959 / Seite Futurismus, 620ff.
  • Topographie Friedrichshain-Kreuzberg/Kreuzberg, 2016 / Seite 167