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27. und 44. Gemeindeschule

Obj.-Dok.-Nr.: 09031108
Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
Ortsteil: Kreuzberg
Strasse: Wilhelmstraße
Hausnummer: 116 & 117
Denkmalart: Gesamtanlage
Sachbegriff: Schule & Turnhalle
Datierung: 1867-1868
Umbau: 1887
Entwurf: Gerstenberg, Carl Adolf Ferdinand (Architekt)

In der südlichen Friedrichstadt hat die Wilhelmstraße ihr Gesicht aufgrund erheblicher Kriegsschäden und der nachfolgenden, aus planerischer Sicht teils beträchtlich voneinander abweichenden Wiederaufbaubemühungen tiefgreifend verändert. Von der vor 1945 den Straßenraum beherrschenden dichten Wohnbebauung hat sich kaum etwas erhalten. Die 27. und 44. Gemeindeschule, heute Carl-Friedrich-Zelter-Oberschule in der Wilhelmstraße 116-117 (1) ist eines der wenigen Gebäude, das an die frühere Gestalt des Straßenzugs erinnert. Die 1867-68 von Stadtbaurat Adolf Gerstenberg erbaute Schule belegt beispielhaft die Bemühungen des Berliner Magistrats um eine ausreichende Schulversorgung vor dem Hintergrund der im 19. Jahrhundert rasch ansteigenden Schülerzahlen. Zur Schule gehörten der hofseitig angeordnete Klassentrakt, eine Turnhalle sowie ein unmittelbar an die Straße gesetztes viergeschossiges Lehrerwohnhaus, das als Point de vue den westlichen optischen Abschluss der Puttkamerstraße bildete. Das Wohnhaus wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört.

Die Schule in der Wilhelmstraße zeigt grundlegende gestalterische Merkmale, wie sie den Schulbau in Berlin in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts sowohl unter Adolf Gerstenberg als auch unter Hermann Blankenstein bestimmten. So griff Gerstenberg, Absolvent der Berliner Bauakademie, auf den Formenschatz des akademischen Historismus zurück. Kennzeichnend sind die Ziegelrohbauweise und die Zusammenfügung einfacher kubischer Formen zu einer hierarchisch gegliederten Baumasse. Schulgebäude und Turnhalle wurden in Massivbauweise errichtet und mit orangeroten Ziegeln verblendet. Der Klassentrakt ist ein in Höhe und Tiefe gestaffelter, symmetrisch angelegter Baukörper. Es besteht aus einem sechs Achsen umfassenden, risalitartig vorspringenden Mitteltrakt, dem beiderseits flachere, dreiachsige Seitentrakte angeschoben wurden. 1887 wurden die Seitentrakte um jeweils ein Geschoss erhöht. Die ursprüngliche Aufteilung in einen Jungen- und Mädchenteil lässt sich noch heute an den voneinander getrennten Eingangsbereichen und Treppenhäusern ablesen. Große, aufwendig gearbeitete Bogenfenster und ein kräftig akzentuiertes Kranzgesims in romanisierenden Formen tragen zu einer monumentalen Ausstrahlung des Mittelteils bei. Hinzu kommen aus Ziegeln gemauerte Blendarkaden und Schmuckfriese, die als dekorative Details die Fassade zieren. Der Bauschmuck wird durch wenige, in Terrakotta gefertigte Kapitelle und Gesimse ergänzt. Auf dem zweiten Hof befindet sich die eingeschossige, weitgehend schmucklose Turnhalle. Die gleichfalls als Ziegelrohbau errichtete Halle wird durch großformatige Rundbogenfenster belichtet. Diese haben gestaffelte Gewände, was den Lichteinfall verbessern sollte.


(1) BusB V C, S. 336.

Literatur:
  • Topographie Friedrichshain-Kreuzberg/Kreuzberg, 2016 / Seite 155 f.