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Wohnhaus & Villa An der Rehwiese 3

Obj.-Dok.-Nr.: 09031105
Bezirk: Steglitz-Zehlendorf
Ortsteil: Nikolassee
Strasse: An der Rehwiese
Hausnummer: 3
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Wohnhaus & Villa
Datierung: 1906-1907
Bauherr: Tschirner, Heinrich (Kaufmann)
Entwurf & Bauherr: Heimstätten-Aktien-Gesellschaft

Die nördliche Ecke an der Einmündung der Burgunder Straße in die Straße An der Rehwiese dominiert das Wohnhaus An der Rehwiese 3. Das 1906-07 von der Bauabteilung der HAG für den Kaufmann Heinrich Tschirner erbaute Wohnhaus gehört zu jenen Haustypen, die ab etwa 1905 auf die bis dahin übliche historisierende Formensprache weitgehend verzichten und gestalterisch auf die Einflüsse des englischen Landhausbaues reagieren. Als Projekt Nr. 160 wurde es 1907 und 1908 in den HAG-Katalogen angeboten (1) , ähnliche Häuser führte die Gesellschaft in der Bauphase vor dem Ersten Weltkrieg jedoch vielfach in Nikolassee aus. Das in seinem Äußeren - trotz des Umbaus in ein Mehrfamilienhaus 1935-36 - gut erhaltene Haus Tschirner (2) repräsentiert an exponierter Stelle an der Rehwiese einen typischen Vertreter der in dieser Zeit äußerst erfolgreichen Wohnhausbauten der HAG.

Das repräsentative zweigeschossige Gebäude mit hohem Klinkersockel und Satteldach wird durch Erker, Balkone und Dreiecksgiebel belebt und durch unterschiedliche Fensterformate asymmetrisch gegliedert. Die hell verputzten Fassadenflächen kontrastieren reizvoll mit dem roten Ziegel des Sockelgeschosses, den weiß gerahmten Sprossenfenstern und dem dunklen Holz an Balkonbrüstungen, Erkereinfassungen und Giebelfläche der Hauptfront. Hier ist die Holzverschalung durch ein geometrisches Fachwerkmuster gegliedert und von einem großen Ovalfenster durchbrochen. An der Südseite des Hauses sind ein Fenstererker mit Welscher Haube und ein risalitartiger Vorbau, der mit eigenem Dach über alle Geschosse reicht, sowie an der Nordseite ein breiter Risalit mit Mansarddach angefügt. Trotz der lebhaften Gliederung wirkt der Bau kompakter und klarer als die früheren Haustypen mit ihrem überreichen Schmuck in historisierenden Formen. Glatte Putzflächen, die geradlinige Form des Daches und das Fehlen jeglicher Stuckornamente verleihen dem Gebäude eine zurückhaltend sachliche Wirkung. Die Innenaufteilung der Räume wich bereits leicht vom Schema der traditionellen Villa ab: Die Küche lag neben dem Speisezimmer und den übrigen Gesellschafträumen im Erdgeschoss. Gleichwohl waren weitere Wirtschaftsräume im Keller, die Schlafzimmer und das Bad im Obergeschoss, die Mädchenkammer im Dachgeschoss angeordnet.


1) HAG 1907, S. 17; HAG 1908, S. 7.2) 1931 Anbau einer Garage (Architekt: J. Heinrich Zecher), 1935 Teilung des Grundstücks durch den damaligen Eigentümer Johannes Adolph. Die Holzverkleidung des Giebels wurde zwischenzeitlich vereinfacht erneuert. Vgl. Bauakte, Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf, Archiv des Stadtplanungsamtes.

Literatur:
  • Katalog der Heimstätten AG 1907 / Seite S. 17 (Modell)
  • Katalog der Heimstätten AG 1908 / Seite S. 7 (Ansicht und Grundrisse)