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Garde-Dragoner-Kaserne

Obj.-Dok.-Nr.: 09031098,T
Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
Ortsteil: Kreuzberg
Strasse: Mehringdamm
Hausnummer: 20 & 22 & 28
Strasse: Obentrautstraße
Hausnummer: 19 & 21
Denkmalart: Gesamtanlage
Sachbegriff: Kaserne & Pferdestall & Reithalle
Datierung: 1850-1854
Umbau: 1889
Entwurf: Fleischinger, August Ferdinand & Drewitz, Wilhelm Louis
Entwurf: Böhme
Bauherr: Militär-Fiskus

Auf der westlichen Seite des Mehringdamms steht in Sichtweite der Friedhöfe vor dem Halleschen Tor ein bedeutender historischer Militärbau des 19. Jahrhunderts. Die Kaserne des 1. Garde-Dragoner-Regiments am Mehringdamm 20/28, Obentrautstraße 19/21 (1) prägt als großräumliches Element das Stadtbild und erinnert an die militärische Bedeutung des Stadtviertels. Immerhin waren in der Tempelhofer Vorstadt fünf der dreizehn in Berlin stationierten Regimenter untergebracht. Die Garde-Dragoner-Kaserne entstand 1850-54 in einem damals noch weitgehend ländlich wirkenden Umfeld. Etliche Jahre vor Beginn der planmäßigen Bebauung der Tempelhofer Vorstadt ausgeführt, begann mit ihr die städtebauliche Erschließung des Terrains südlich vom Halleschen Tor. Ausschlaggebend für die Standortwahl war vor allem die Nähe zum Tempelhofer Feld, dem damals größten Parade- und Truppenübungsplatz Berlins. Die Baupläne erstellten Ferdinand Fleischinger und Wilhelm Drewitz. In der räumlichen Gliederung ist die Kaserne des 1. Garde-Dragoner-Regiments eine getreue Wiederholung der Garde-Ulanen-Kaserne, die 1846-48 ebenfalls nach Plänen von Fleischinger und Drewitz in Moabit errichtet wurde und als Muster für die preußischen Kasernenstandorte galt. Kennzeichnend für die Kavalleriekasernen ist dabei die räumliche Trennung der verschiedenen Funktionseinheiten.

Zunächst entstand das Mannschaftsgebäude am Mehringdamm, das bereits seit 1923 vom Finanzamt Kreuzberg genutzt wird. (2) In dem beinahe 200 Meter langen, dreigeschossigen Riegel kamen mehr als 500 Soldaten in großen Mannschaftsräumen unter. Für die Offiziere standen separate Räumlichkeiten bereit. Zwar wurde das Haus 1968-71 innen vollständig entkernt und umgestaltet, doch nach außen präsentiert es sich nach wie vor in seinem ursprünglichen burgenartigen Erscheinungsbild. Mit seiner markanten Putzfassade imitiert der monumentale Bau das Bossenmauerwerk florentinischer Stadtpaläste. Zinnenbestückte Türme an den Stirnseiten und in der Gebäudemitte unterstreichen den Wehrcharakter. (3) Die beinahe 700 Pferde brachte man rückwärtig in den kammartig angelegten Stallungen unter. Die Klinkerbauten umschlossen drei Höfe, von denen der mittlere dem Exerzieren zu Fuß und die äußeren Reitübungen vorbehalten waren. Eine Reithalle und andere teilweise später ausgeführte Gebäude ergänzten den Bestand. Alle Bauten wurden in nüchternem Rundbogenstil errichtet und mit gelbem Birkenwerder Klinker verblendet. Der dunkelgraue englische Schiefer der Dachdeckung bildet zum Ziegel einen harmonischen Farbkontrast. Auch wenn die Ställe in ihrer Substanz nachhaltig dezimiert wurden, so haben sich mit den Kopfbauten und den riegelförmigen Stallungen noch bedeutende Restbestände erhalten. Innen verfügen diese Bauten über eine durchdachte Konstruktionsweise. Anstelle der bis dahin üblichen flachen Balkendecken wurden die dreischiffig angelegten Ställe mit Kreuzkappengewölben überspannt. Auf diese Weise konnte die Lüftung nachhaltig verbessert werden. (4) Die beeindruckende Gewölbekonstruktion lagert auf schlanken Eisensäulen, von denen einige noch ihre angenieteten Blattkapitelle haben. Die Säulen sind ein frühes Beispiel für die Verwendung gusseiserner Hohlstützen. An zahlreichen Stellen sind auch noch die alten Futter- und Haltevorrichtungen vorhanden.

Bedeutende Erweiterungsbauten waren 1927 die noch bestehende Tankstelle mit Waschanlage, die zur Translag Großgaragen GmbH gehörte, von Heinrich Kosina und das Rheinland-Haus an der Ecke Mehringdamm/Obentrautstraße von Ludwig Hilberseimer und Heinrich Kosina, das man 1966 im Zuge der Verlegung des Mehringdamms abgetragen hat.


(1) Drewitz, Wilhelm: Casernement für das Königliche Garde-Dragoner-Regiment auf dem sogenannten Upstall vor dem Halleschen Thore bei Berlin. In: Zeitschrift für Bauwesen 5 (1855), S. 522-542, Atlas, Blatt 66-68; BusB 1877, S. 252; BusB 1896, Bd. 2, S. 389-390; Brücker, Eva: Kaserne des 1. Garde-Dragoner-Regiments. In: Geschichtslandschaft Berlin 1994, S. 431-448; Dürre 2001, S. 93-95; Dehio Berlin 2006, S. 307.(2) Zur Bau- und Nutzungsgeschichte vgl. Brücker, Eva: Kaserne des 1. Garde-Dragoner-Regiments. In: Geschichtslandschaft Berlin 1994, S. 431-432. Zunächst bezog ein Infanterie-Regiment die Räumlichkeiten. Erst 1855, als auch die Ställe ausgeführt waren, kam hier das 1. Garde-Dragoner-Regiment unter. Nach Maßgabe des Versailler Friedensvertrags wurde das Garde-Dragoner-Regiment 1919 aufgelöst, sodass anderweitige Nutzungen in dem Komplex untergebracht werden konnten. Seit 1923 befindet sich im Mannschaftsgebäude das Finanzamt. Die hofseitigen Stallungen wurden 1921 von der Translag Großgaragen GmbH gepachtet und zu einem Gewebehof umgewidmet.(3) Eine vergleichbare Fassadengestaltung zeigt das zeitgleich von Ferdinand Fleischinger, Wilhelm Drewitz und Johann Albrecht Becker errichtete 1. Garnisonslazarett in der Scharnhorststraße in Berlin-Mitte.(4) Zur Konstruktion der Gewölbe und der Säulen vgl. Drewitz, Wilhelm: Casernement für das Königliche Garde-Dragoner-Regiment auf dem sogenannten Upstall vor dem Halleschen Thore bei Berlin. In: Zeitschrift für Bauwesen 5 (1855), S. 522-542.

Literatur:
  • Rund um Riehmers Hofgarten, hrsg. v. Galli, Haas, Rabatsch, Bremen 1987 / Seite ..
  • BusB II/III 1896 / Seite 390
  • Brücker, Eva/ Kaserne des 1. Garde-Dragoner-Regiments =Geschichtslandschaft, Kreuzberg, 1994 / Seite 431-448
  • Topographie Friedrichshain-Kreuzberg/Kreuzberg, 2016 / Seite 359 f.
Teilobjekt Translag-Waschhalle
Teil-Nr.: 09031098,T,001
Sachbegriff: Waschhalle & Tankstelle
Strasse: Mehringdamm
Hausnummer: 19 & 21
Datierung: 1927
Entwurf: Kosina, Heinrich (Architekt)
Bauherr: Translag Großgaragen GmbH, Hans Engel
Literatur:
  • Neue Deutsche Biographie 12 (1979). / Seite 615 (Onlinefassung, dort weitere Literatur)
  • Eva Brückner: Kaserne des 1. Garde-Dragoner-Regiments in
    Geschichtslandschaft Berlin, Kreuzberg, Berlin 1994. / Seite 430-448
  • Thieme-Becker, Künstlerlexikon, Bd. 21, Leipzig 1927. / Seite 331
  • Vollmer, Künstlerlexikon, Leipzig 1956. / Seite 102