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Wohnanlage Kottbusser Straße 1 & 2 & 3 Admiralstraße 38

Obj.-Dok.-Nr.: 09031094
Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
Ortsteil: Kreuzberg
Strasse: Kottbusser Straße
Hausnummer: 1 & 2 & 3
Strasse: Admiralstraße
Hausnummer: 38
Denkmalart: Gesamtanlage
Sachbegriff: Wohnanlage
Datierung: 1954-1956
Entwurf: Luckhardt, Hans & Luckhardt, Wassili (Architekt)
Bauherr: GSW

Die gegenüber dem Hochbahnhof Kottbusser Tor an der Blockspitze zwischen Kottbusser Straße und Admiralstraße erst während des Zweiten Weltkriegs errichteten Wohnbauten überstanden den Krieg nicht. Zwecks Neubebauung des Grundstücks Kottbusser Straße 1-3, Admiralstraße 38 lobte die Gemeinnützige Siedlungs- und Wohnungsbaugesellschaft (GSW) 1952 einen Wettbewerb für den Bau eines etwa einhundert Wohneinheiten umfassenden Wohn- und Geschäftskomplexes aus, den die Architekten Hans und Wassili Luckhardt gewannen. (1) Die 1954-56 ausgeführte Wohnanlage stellt ein frühes Wiederaufbauvorhaben dar, das nach den Richtlinien des sozialen Wohnungsbaus ausgeführt wurde. Für die Brüder Luckhardt war es ihr bisher umfangreichstes Projekt. Die Luckhardts konzipierten für das dreieckige Grundstück einen im Grundriss symmetrischen Hochhauskomplex, der in seiner Massenordnung, der Konstruktionsweise und dem Fassadenaufbau das Architekturschaffen der Nachkriegszeit exemplarisch spiegelt. Dabei ist der Rückgriff auf ingenieurtechnische und konzeptionelle Errungenschaften der 1920er Jahre offensichtlich. Lässt das nach außen sichtbare Stahlbetonskelett Einflüsse des von Max Taut entwickelten Rahmenbaus erkennen, so erinnert das Gesamtkonzept an zwanzig bis dreißig Jahre ältere Entwürfe, etwa an die von den Gebrüdern Luckhardt entwickelte Planung zu einer Umgestaltung des Alexanderplatzes. Kennzeichnend ist die bewegte Baukörpergliederung, bei der die Hochhauseinheiten mit ein- bis zweigeschossigen Flachbauten zu einem gestalterisch geschlossenen Architekturbild aus klar geschnittenen Kuben verschmelzen. An der Blockspitze steht als platzprägende Landmarke ein elfgeschossiges Hochhaus. Eingeschossige Flügelbauten umklammern die Hochhausscheibe an ihren beiden Längsseiten. Nach Süden schließt sich, getrennt durch eine Fußgängerpassage, ein konvex gebogener Querriegel an. Er besteht aus zwei siebengeschossigen Wohnbauten, die auf den Blockrand ausgerichtet und über einen zweigeschossigen Mittelbau miteinander verbunden sind. Die Verteilung der Baukörper ist aus städtebaulicher Sicht überzeugend. Einerseits fügte sich der Komplex ohne abrupte Übergänge in den Block ein, andererseits führte der markante Bau auch zu der gewünschten Neudefinition des Stadtraums am südlichen Rand des Kottbusser Tors. (2) Das Massenkonzept basierte jedoch nicht nur auf baukünstlerischen und stadtgestalterischen Überlegungen, sondern war auch im Hinblick auf eine angemessene Belichtung der Wohnungen erfolgt. Jede Mieteinheit konnte man so mit wenigstens einem nach Osten, Westen oder Süden orientierten Zimmer ausstatten. Das Stahlbetonraster bestimmt mit seinem unregelmäßig rhythmisierten Achsmaß den Fassadenaufbau. Fenster und Loggien sorgen für eine vertikale Linienführung, während die farbig abgesetzten Brüstungsbereiche den strengen Wandaufbau beleben. Die Ladeneinheiten besitzen durchgehende Schaufensterverglasungen, da das Stützenskelett in diesen Bereichen nach innen gezogen wurde. Während im Hochhaus ausschließlich Ein- und Zwei-Zimmer-Wohnungen vorgesehen waren, verfügen die siebengeschossigen Trakte über komfortablere Drei-Zimmer-Wohnungen.


(1) Zechlin, Hans Josef: Das neue Berliner Wohnhochhaus. In: Bauwelt 44 (1953) 9, S. 165; Lancelle, Annemarie: Büro- und Wohnhochhaus in Berlin am Kottbusser Tor. In: Architektur und Wohnform 64 (1956) 5, S. 179-180; Kultermann, Udo: Wassili und Hans Luckhardt, Tübingen 1958, S. 84-85; BusB IV A, S. 29-30; Hoffmann-Axthelm, Dieter: Straßenschlachtung, Berlin 1984, S. 61 ff.; Brüder Luckhardt und Alfons Anker, Ausst.-Kat. Akademie der Künste, Berlin 1990; Nowitzki, Dagmar: Hans und Wassili Luckhardt. Das architektonische Werk, München 1992, S. 81-85, 284-293; Dehio Berlin 2006, S. 315. Die Fertigstellung der Anlage erlebte der 1954 verstorbene Hans Luckhardt nicht mehr.

(2) Allerdings hat sich die städtebauliche Situation in den nachfolgenden Jahrzehnten, als der gesamte Bereich eines der größten Sanierungsgebiete West-Berlins wurde, noch einmal umfassend verändert.

Literatur:
  • BusB IV B 1974 / Seite 600
  • Topographie Friedrichshain-Kreuzberg/Kreuzberg, 2016 / Seite 297