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144., 176. und 184. Gemeindeschule

Obj.-Dok.-Nr.: 09031089
Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
Ortsteil: Kreuzberg
Strasse: Graefestraße
Hausnummer: 85 & 88
Strasse: Böckhstraße
Hausnummer: 36
Denkmalart: Gesamtanlage
Sachbegriff: Schule & Lehrerwohnhaus & Turnhalle
Datierung: 1888-1890
Entwurf: Blankenstein, Hermann (Architekt)
Entwurf: Frobenius, Karl (Architekt)
Bauherr: Magistrat Berlin

Auf dem dreieckigen Baublock, der von Böckhstraße, Graefestraße und Kottbusser Damm begrenzt wird, steht größtenteils im Blockinnenbereich die 144., 176. und 184. Gemeindeschule, heute Friedrich-Ludwig-Jahn-Oberschule. (1) Der Zugang befindet sich in der Graefestraße 85-88. Während es sonst üblich war, zwei Gemeindeschulen zu einer Doppelschule zusammenzufassen, handelt es sich hier ausnahmsweise um eine dreifache Gemeindeschule. Die Anlage entstand 1888-90 wiederum unter Aufsicht von Stadtbaurat Hermann Blankenstein nach Plänen von Karl Frobenius. Der Berliner Magistrat erwarb ein unregelmäßig geschnittenes Grundstück, das tief in die Blockinnenfläche reicht und bebaute es mit fünf Einzelgebäuden. Die Schule bricht in der Graefestraße den ansonsten geschlossenen Blockrand auf und bildet dadurch ein dominantes Element im Stadtraum. Zwischen der Turnhalle und dem außergewöhnlich großen Lehrerwohnhaus öffnet sich die Durchfahrt zum Hof. Dort stehen zwei viergeschossige Klassentrakte und das alte Abortgebäude. Die aus Backstein errichteten Bauten zeichnen sich durch ihre funktionale Gestaltung und solide Bauweise aus. Die Straßenfassaden von Lehrerwohnhaus und Turnhalle fallen dabei durch ihre reich gegliederten Klinkerfassaden ins Auge, die im Neorenaissancestil gehalten sind und mit ihrem Dekor die hohe Qualität der Backsteinbaukunst in Berlin am Ende des 19. Jahrhunderts dokumentieren. Kennzeichnend ist der kostspielige Materialreichtum. Neben verschiedenfarbigen Verblendziegeln, Glasurklinkern und Terrakotten erhielten die Gebäude in Teilen auch aufwendig gearbeitete Fensterverdachungen und Gesimse aus Sandstein. Der größere der beiden Klassentrakte wurde über einem kammartigen Grundriss errichtet und besteht aus einem langen, durch Risalite gegliederten Riegel, dem rückseitig kurze Flügel angeschoben sind. Dagegen weist der kleinere Klassentrakt einen rechteckigen Grundriss auf. Die blockhafte Form wird durch Risalitbildungen gemildert. Der Wandaufbau beider Unterrichtsgebäude folgt einem einheitlichen Muster. Während die Erdgeschosse rot verblendet wurden, bestehen die Obergeschosse aus gelbem Sichtmauerwerk. Dabei akzentuieren Gesimse und farbig abgesetzte Ziegelbänder die Horizontale. Ein wirkungsvolles Gliederungselement sind die Fenster, die man zu Zweier- und Dreiergruppen gekoppelt hat.


(1) BusB V C, S. 348.

Literatur:
  • BusB V C 1991 / Seite 348
  • Bernhard Bremberger: Schulen als Behelfskrankenhäuser. Das Ausländerkrankenhaus Graefestraße 85-88 in Berlin-Kreuzberg, in: Berlin in Geschichte und Gegenwart. Jahrbuch des Landesarchivs Berlin 2015, Berlin 2015, / Seite 135-161
  • Bauwelt 61 (1970) / Seite 1385f.
  • Topographie Friedrichshain-Kreuzberg/Kreuzberg, 2016 / Seite 326