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Mietshaus & Gaststätte & Wohnhaus & Markthalle Dresdener Straße 27

Obj.-Dok.-Nr.: 09031080
Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
Ortsteil: Kreuzberg
Strasse: Dresdener Straße
Hausnummer: 27
Denkmalart: Gesamtanlage
Sachbegriff: Mietshaus & Gaststätte & Wohnhaus & Markthalle
Datierung: 1888
Entwurf: Blankenstein, Hermann (Architekt)
Entwurf: Lindemann, August
Bauherr: Magistrat Berlin

Eine wichtige Versorgungseinrichtung des Viertels war die Markthalle VII, die nach Plänen von Stadtbaurat Hermann Blankenstein und Stadtbauinspektor August Lindemann 1888 auf einem Grundstück zwischen Luisenufer (heute Legiendamm) und Dresdener Straße errichtet wurde. (1) Die Halle, die dem Einzelverkauf diente, wurde zusammen mit zwölf weiteren Markthallen erbaut, um die Versorgung der Berliner Bevölkerung mit hygienisch unbedenklichen Lebensmitteln sicherzustellen. Zeitlich markiert der Markthallenbau den Beginn der gewerblichen Verdichtung im Umfeld von Moritz- und Oranienplatz. Von dem großflächigen Gebäudeensemble sind nur das ehemalige Beamtenwohnhaus in der Dresdener Straße und das kleine Gasthaus am Legiendamm erhalten. Das Hallengebäude mit den etwa dreihundert Verkaufsständen wurde im Zweiten Weltkrieg beschädigt und seine Restbestände schließlich 1959 abgetragen.

Das gut erhaltene Beamtenwohnhaus in der Dresdener Straße 27 wurde 1887-88 anstelle eines älteren Mietshauses in die Blockrandbebauung eingefügt. Es besteht aus einem straßenseitigen Vordergebäude, rechts und links anschließenden Seitenflügeln sowie einem kleinen, zweigeschossigen Querflügel. Stadtbaurat Hermann Blankenstein und sein Mitarbeiter August Lindemann statteten das Haus mit einer prachtvollen, die umgebenden Gebäude dominierenden Schaufassade aus. Stilistisch und von der Materialwahl zeigt sie Anklänge an die Bauten von Martin Gropius. (2) Die flächige Fassade ist horizontal in drei Zonen geschichtet und reichhaltig mit Sandstein, Reliefplatten und gelben Ziegeln verkleidet. Die repräsentative Erscheinung wird durch die von Erdgeschoss und darüberliegendem Entresol gebildete Sockelzone gesteigert. Drei große Bögen und eine üppige Sandsteinverblendung fassen diesen Bereich gestalterisch zusammen. Dabei bildet der mittlere Bogen mit den seitlich anschließenden Öffnungen ein nobilitierendes Palladio-Motiv. (3) In der Mittelachse öffnet sich die Fassade zur eingewölbten Durchfahrt, die früher eine der beiden Haupterschließungen der Markthalle bildete. (4) Die Fenster der Obergeschosse sind großzügig von Sandsteinen und Reliefplatten aus Terrakotta gerahmt. Den oberen Fassadenabschluss bildet ein mit Terrakotten und Formsteinen geschmücktes Kranzgesims. Deutlich schlichter führte man die Hoffronten aus. Ihr gelbes Sichtmauerwerk wird durch sparsam gesetzte Gesimse in roten Ziegeln horizontal akzentuiert. Von vergleichsweise hohem Anspruch waren die Vier- und Fünf-Zimmer-Wohnungen, die mit Mädchenkammer und separaten Bädern vornehm ausgestattet waren, bis in die Seitenflügel reichten und damit die seinerzeit in der Luisenstadt üblichen Wohnungsstandards weit übertrafen. (5)

Auch das kleine, zur Markthalle gehörende Gaststättengebäude am Legiendamm 32 ist reich mit Ornamenttafeln und Terrakotten dekoriert. Der mit roten Ziegeln verblendete Bau erhebt sich über zwei Geschosse und verfügt wie nahezu alle Häuser in diesem Bereich des Luisenstädtischen Kanals über einen Vorgarten. (6) Die Fassade wird über Wandpfeiler und Gesimse gegliedert. Im großzügig belichteten Erdgeschoss befindet sich seit der Erbauung des Hauses eine Gastwirtschaft, im flachen Obergeschoss hingegen die Wohnung des Gaststättenbetreibers. Von der historischen Ausstattung haben sich das Tresenbüffet und die hölzerne Wandverkleidung erhalten.


(1) BusB 1896, Bd. 2, S. 69 ff.; Börsch-Supan 1977, S. 55; Klinkott 1988, S. 408-411; Dehio Berlin 2006, S. 300.

(2) Klinkott 1988, S. 411.

(3) Klinkott 1988, S. 410.

(4) Die Durchfahrt zeigt nach der 1999-2001 durchgeführten Instandsetzung und Modernisierung wieder die bauzeitliche, von Rankenmotiven beherrschte Farbfassung.

(5) Die Grundrisse sind heute weitgehend verändert und die Wohnungen modernisiert.

(6) Der Vorgarten wird als Biergarten genutzt.

Literatur:
  • Börsch-Supan, Berliner Baukunst nach Schinkel, 1977 / Seite 55
  • Topographie Friedrichshain-Kreuzberg/Kreuzberg, 2016 / Seite 218 f.