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Städtisches Krankenhaus am Urban

Obj.-Dok.-Nr.: 09031079
Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
Ortsteil: Kreuzberg
Strasse: Grimmstraße
Hausnummer: 10 & 10A & 11 & 11A & 11B & 11C & 12 & 12A & 12B & 12C & 12D & 12E & 12F & 12G & 12H & 12K & 12L & 12M & 12N & 12P & 13 & 13A & 13B & 14 & 14A & 14B & 15 & 15A & 16 & 16A & 16B & 16C & 16D & 16E & 16F & 16G & 16H & 16K & 16L
Strasse: Dieffenbachstraße
Hausnummer: 3 & 5 & 7
Strasse: Urbanstraße
Hausnummer: 144 & 146 & 148 & 150
Denkmalart: Gesamtanlage
Sachbegriff: Krankenhaus
Datierung: 1887-1890
Umbau: 1912 & 1956
Entwurf: Blankenstein, Hermann (Architekt)
Entwurf: Frobenius, Karl (Architekt)
Bauherr: Stadtgemeinde Berlin

Die bedeutendste kommunale Einrichtung am Südufer des Landwehrkanals war bis in die 1960er Jahre das Städtische Krankenhaus Am Urban, Grimmstraße 10-13B, 14-16L, Dieffenbachstraße 3/7, Urbanstraße 144/150, das 1887-90 als drittes städtisches Krankenhaus errichtet wurde. (1) Die historischen Bauten stehen auf einem rechteckigen Grundstück, das von Dieffenbachstraße, Grimmstraße und Urbanstraße begrenzt wird. Das städtische Krankenhaus basiert auf Entwürfen von Stadtbaurat Hermann Blankenstein, dem für die Ausführungsplanung Stadtbauinspektor Karl Frobenius zur Seite stand. Blankenstein übernahm das damals moderne Pavillonsystem, das Martin Gropius und Heino Schmieden für das 1868-74 erbaute erste städtische Krankenhaus am Friedrichshain angewendet hatten. Er verdichtete die Pavillons jedoch, verband sie durch Zwischenbauten entlang der Blockränder und führte sie zweigeschossig aus. Die insgesamt siebzehn Gebäude wurden spiegelsymmetrisch um eine lange Gartenachse angeordnet, die das Grundstück in der Mitte teilt. Während das Verwaltungsgebäude, das Operationshaus, das Maschinenhaus und das Wirtschaftsgebäude die Mittelachse besetzten, erhoben sich die Krankenpavillons in streng rhythmisierter Kammstellung an Urban- und Dieffenbachstraße. Diese Anordnung ermöglichte eine höhere Aufnahmekapazität als beim ersten städtischen Krankenhaus, ohne dass sich die hygienischen Verhältnisse verschlechterten. In der äußeren Gestaltung und Massengliederung vermitteln die Gebäudeteile die Gestaltungsauffassung Hermann Blankensteins. Der Stadtbaurat entwarf nüchterne Backsteinbauten, die sich durch eine gekonnte Gliederung und Proportionierung auszeichnen und in hervorragender Qualität ausgeführt wurden. Die bisweilen kasernenhaft wirkenden gelben Klinkerfassaden werden durch rote Ziegeleinlagen horizontal gegliedert. Höchste handwerkliche Sorgfalt verraten insbesondere die fein gearbeiteten Terrakotten. So sind das alte Verwaltungsgebäude und die Loggia der ehemaligen Leichenhalle an der Grimmstraße besonders reich mit Formsteinen aus Terrakotta ornamentiert. Die Gebäude stehen größtenteils frei und sind von Grünanlagen umgeben. Dies sollte nicht nur für bessere hygienische Bedingungen sorgen, sondern auch von therapeutischem Nutzen sein. Von Grünflächen und Bäumen, Licht und Luft versprach man sich eine heilende Wirkung. Nicht zuletzt deshalb achtete man auch sorgfältig auf die Ausrichtung der Krankenpavillons, deren Fenster nach Osten und Westen weisen. So konnten die großen Krankensäle morgens und nachmittags großzügig mit natürlichem Licht und Sonnenschein versorgt werden. (2) Die Verbindungsbauten zwischen den äußeren Giebelseiten der Pavillons wurden auch als offene Liegehallen genutzt. (3) Eine Besonderheit ist der Tunnel, der alle Bauten miteinander verbindet und zahlreiche Versorgungsleitungen aufnahm. Außerdem bot der Tunnel Pflegepersonal und Patienten die Möglichkeit, geschützt vor Wind und Wetter von Gebäude zu Gebäude zu gelangen. Als das Krankenhaus 1890 eröffnet wurde, hatte es eine Kapazität von nahezu 600 Betten und einen außerordentlich modernen Ausstattungsstandard. Man verfügte über Telefon, hydraulische Aufzüge, elektrische Beleuchtung und eine Dampfzentralheizung. Zudem konnten hier chirurgische Eingriffe vorgenommen werden, was damals sonst nur in der Charité möglich war.

1966-70 entstand westlich der Krankenanstalt ein neues Krankenhaus, das alle wichtigen Funktionen aufnahm. Der Altbaubestand verlor damit die meisten seiner ursprünglichen Nutzungen. Die baulichen Hüllen sind freilich in gutem Zustand überliefert. Ab 2010 wurde das Krankenhaus für ein Wohnprojekt denkmalgerecht umgebaut.

Auf der Südseite des Landwehrkanals, zwischen Baerwald- und Admiralbrücke, wurde 1891-96 der Urbanhafen als erster städtischer Hafen Berlins angelegt. Er bestand aus einer Aufweitung des Landwehrkanals und einer trapezförmigen Ladeinsel, die durch einen Seitenkanal von der Landseite getrennt war. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Seitenkanal zugeschüttet und das Hafengelände in einen Park umgewandelt. Unmittelbar westlich des alten Krankenhauses Am Urban stand die Melanchthonkirche, sie hat den Zweiten Weltkrieg nur als Ruine überstanden und musste später abgerissen werden.


(1) Deutsche Bauzeitung 24 (1890), S. 223; Zentralblatt der Bauverwaltung 14 (1894), S. 410-412; Hagemeyer, A.: Das neue Krankenhaus der Stadt Berlin am Urban, seine Einrichtung und Verwaltung, Berlin 1894; BusB 1896, Bd. 2, S. 428-430; Bolk, Reinhard: Das Krankenhaus Am Urban. Medizingeschichtliche Untersuchung eines Krankenhauses der Stadt Berlin von seiner Gründung (1887) bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges (1945), Berlin - Bonn 1984; Klinkott 1988, S. 392-397; Ein ungewöhnliches Geschenk. Das Krankenhaus Am Urban, Dieffenbachstraße 1. In: Neue Passagen. Stadtgeschichte am Landwehrkanal, hrsg. v. d. Berliner Geschichtswerkstatt, Berlin 1996, S. 90 ff.; BusB VII A, S. 41-42, 193; Dehio Berlin 2006, S. 299-300. Hermann Blankenstein hatte zuvor schon beim Umbau des Notkrankenhauses in Moabit und bei der Projektierung der städtischen Irrenanstalt in Dalldorf Erfahrungen im Krankenhausbau sammeln können. Ein Fünftel der Baukosten wurde über private Stiftungsgelder finanziert.

(2) Die Krankensäle existieren heute nicht mehr. Im Rahmen von Umnutzungen und Umbaumaßnahmen eingezogene Zwischenwände haben die innere Gliederung der Krankenpavillons grundlegend verändert.

(3) Einige der Liegeterrassen wurden durch Schaffung neuer Verbindungstrakte zwischen den Pavillons 1912 beseitigt.

Literatur:
  • BusB II/III 1896 / Seite 443-448
  • Klinkott/ Backsteinbaukunst, 1988 / Seite 392-397
  • Hagemeyer, A./ Das neue Krankenhaus der Stadt Berlin am Urban, Berlin 1894 / Seite .
  • Topographie Friedrichshain-Kreuzberg/Kreuzberg, 2016 / Seite 317 f.