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60. und 236. Gemeindeschule

Obj.-Dok.-Nr.: 09031078
Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
Ortsteil: Kreuzberg
Strasse: Bergmannstraße
Hausnummer: 60 & 64 & 65
Denkmalart: Gesamtanlage
Sachbegriff: Schule
Datierung: 1901-1902
Entwurf: Hoffmann, Ludwig Ernst Emil (Architekt)
Ausführung: Haack, Fritz
Bauherr: Magistrat Berlin

Zu den Schulen, die unter der Leitung von Stadtbaurat Ludwig Hoffmann zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden, gehört auch die1901-02 errichtete 60. und 236. Gemeindeschule in der Bergmannstraße 60-65, für die Fritz Haack die Baupläne zeichnete. (1) Auf dem schmalen, längsrechteckigen Grundstück waren neben dem Klassentrakt auch noch ein Lehrerwohnhaus und eine Turnhalle unterzubringen. Mit seiner etwa einhundert Meter langen Fassade dominiert die Schule den Stadtraum gegenüber den Friedhöfen an der Bergmannstraße. Der viergeschossige Klinkerbau erinnert an Schlossbauten der Renaissance in Norddeutschland, Holland und Dänemark. Die rote Klinkerfassade ruht auf einem hohen, gequaderten Tuffsteinsockel, was den Bau wehrhaft erscheinen lässt. Auffallend ist die enorm flächige Wandabwicklung, die nur durch die prachtvollen Säulenportale gebrochen wird. Die vorherrschende Backsteinarchitektur wird durch Architekturgliederungen aus ockerfarbenem Sandstein belebt. So heben sich die Fenstereinfassungen aus hellem Cottaer Sandstein kontrastreich von den roten Klinkerflächen ab. Die Fassadengliederung erfolgt hauptsächlich durch unterschiedliche Fensterformate und die Ausbildung von Fenstergruppen. Das Hauptmotiv ist der mächtige Stufengiebel im mittleren Fassadenabschnitt. Um die Klassenräume vor zu starker Sonneneinstrahlung zu schützen, wurden sie auf der nach Norden gerichteten Hofseite angeordnet, während an der Straßenseite der Flur verläuft. Im obersten Geschoss befindet sich die Aula, wie man auch anhand der großen Fenster in der Fassade ablesen kann. Die Turnhalle ist in ihrer sachlichen Formgebung "ein erstaunlich frühes Beispiel einer radikalen Vereinfachung". (2) Auch hier sind die Klinkerfronten flächig angelegt. Die großen Sandsteinrahmen der Fenster wurden bündig in das Mauerwerk eingelassen. Schmückende Elemente fehlen indes völlig, sodass das Bauwerk ein frühes Beispiel für eine sachliche, moderne Architektur darstellt. Allerdings zeigt der Bau in der kleinteiligen Massengliederung und mit dem ehemals mit Fledermausgauben besetzten Walmdach auch malerische Momente. Das Lehrerwohnhaus ist gestalterisch auf die Straßenfassade des Klassentrakts abgestimmt. Seine Fünf-Zimmer-Wohnungen wurden inzwischen für Schulzwecke umgebaut. Heute ist in dem Gebäude die Ferdinand-Freiligrath-Oberschule untergebracht.


(1) Berliner Architekturwelt 6 (1904), S. 86 ff.; BusB V C, S. 13, 357; Dehio Berlin 2006, S. 307. Ludwig Hoffmann selbst schuf zu dieser Zeit einige Bauten, die deutliche Bezüge zur holländischen und norddeutschen Renaissancearchitektur aufweisen, z. B. die Gemeindeschule in der Waldemarstraße 11. Allerdings verfügen seine Bauten in der Regel über reichere Detaillierungen als sie hier zu sehen sind.

(2) Posener, Julius: Berlin auf dem Wege zu einer neuen Architektur. Das Zeitalter Wilhelms II. 1890-1918, München 1979, S. 230.

Literatur:
  • Berliner Architekturwelt 6 (1904) / Seite 86
  • Topographie Friedrichshain-Kreuzberg/Kreuzberg, 2016 / Seite 419