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Habels Brauerei

Obj.-Dok.-Nr.: 09031076
Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
Ortsteil: Kreuzberg
Strasse: Am Tempelhofer Berg
Hausnummer: 7D
Denkmalart: Gesamtanlage
Sachbegriff: Fabrik
Datierung: 1885 & 1897
Entwurf: Zacharias (Baumeister)
Entwurf: Böhmisch & Reichert & Rietze (Maurermeister)
Bauherr: Reh & Herrmann
Bauherr: Societäts-Brauerei
Bauherr: C. Habel Brauerei GmbH

Etwa ab der Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelten sich die Tempelhofer Berge zu einem begehrten Brauereistandort. Der sandige Höhenzug ermöglichte die Anlage mehrgeschossiger Lager- und Kühlkeller, ohne dass ein Eintreten von Grundwasser zu befürchten war. Außerdem konnte man hier, weit außerhalb des Stadtzentrums, Brunnenwasser guter Qualität fördern, das sich zum Bierbrauen eignete. Der bereits 1838 gegründeten Berliner Bockbrauerei südlich der heutigen Fidicinstraße folgten bis zum Ende des Jahrhunderts drei weitere umfangreiche Brauereianlagen, darunter die seit 1860 bestehende Actien-Societäts-Brauerei, aus der 1872 Habels Brauerei hervorging. (1) Nachdem Braumeister Conrad Habel den Betrieb 1872 übernommen hatte, ließ er den Brauereistandort in der Straße Am Tempelhofer Berg 7D umfassend ausbauen. Dabei wurde auch ein großer, bis in die Bergmannstraße 5 reichender Ausschankgarten mit Festsaal und Pavillongebäuden errichtet. Der Betrieb ging 1906 in der Brauerei Königstadt AG und 1921 in der Berliner Kindl-Brauerei AG auf, bevor er stillgelegt wurde. Bis dahin wurde hier unter Habels Namen Bier gebraut.

Von den umfangreichen Betriebsanlagen stehen heute noch das hoch aufragende Hauptgebäude und ein flaches Lagergebäude mit Wohnhaus. Beide sind auf dem Hinterland des Grundstücks angeordnet. Die Bauten sind innen inzwischen vollständig umgebaut und andersartigen Nutzungen zugeführt worden. Wie damals im Gewerbebau üblich handelt es sich um unverputzte Backsteinbauten. Das fünfgeschossige riegelförmige Brauereigebäude, das 1885 entstand, ähnelt typologisch einer Etagenfabrik. An seinen Längsseiten verfügt der Bau über eine lebhaft strukturierte plastische Wandgliederung. Im Erdgeschoss weisen großformatige Rundbogenfenster auf die frühere Nutzung als Sudhaus hin. In den Obergeschossen befand sich einst die Darre. Die Außenwand ist in diesem Bereich in gleichmäßiger Rhythmisierung als flächige, stockwerkübergreifende Pfeilerfront ausgebildet. Mehrfach gestaffelte Rahmungen sorgen für ein reizvolles Fassadenrelief. Die Belichtung erfolgt über kleine, paarweise angeordnete Fenster. Als wichtige, auf die frühere Nutzung verweisende Ausstattungsbestandteile haben sich die imposanten dreigeschossigen Tiefkeller und auf der Rückseite des Gebäudes ein Schornstein auf polygonalem Unterbau erhalten. Das ehemalige Brauereigebäude nimmt heute Gewerbeeinrichtungen und eine Tanzschule auf.

Das südlich anschließende Lagergebäude erhielt ebenso wie das angegliederte Wohngebäude eine deutlich schlichtere Fassadengestaltung. Um das rote Sichtmauerwerk nicht zu flächig und monoton erscheinen zu lassen, wurde auch hier die Wand mit einer Rahmengliederung überzogen. Der zweigeschossige Bau wurde 2004 zu einem Indoor-Spielplatz ausgebaut.


(1) Uebel 1985, S. 46-50; Hildebrandt/Lemburg/Wewel 1988, S. 92-93.

Literatur:
  • Uebel, Lothar und Hans Werner Klünner, Viel Vergnügen, Kreuzberger Hefte VIII, Berlin 1985 / Seite .
  • Topographie Friedrichshain-Kreuzberg/Kreuzberg, 2016 / Seite 407