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Berliner Bierbrauerei AG

Obj.-Dok.-Nr.: 09031075
Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
Ortsteil: Kreuzberg
Strasse: Am Tempelhofer Berg
Hausnummer: 6
Denkmalart: Gesamtanlage
Sachbegriff: Gewerbehof & Brauerei
Datierung: 1863 & 1898-1899 & 1926
Bauherr: Reh, H.
Entwurf: Erdmann und Spindler
Bauherr: Berliner Bierbrauerei
Bauherr: Schultheiß-Patzenhofer Brauerei

Auf dem Nachbargrundstück Am Tempelhofer Berg 6 erhebt sich eine malerisch wirkende Gebäudegruppe. (1) Bei den Bauten handelt es sich ebenfalls um eine frühere Brauereianlage, die heute jedoch als Gewerbehof genutzt wird. Die Gebäude haben eine wechselvolle Bau- und Nutzungsgeschichte. Bereits zwei Jahre nach Eingemeindung der Tempelhofer Vorstadt entstand hier 1863 ein vornehmes Villengebäude, zu dem sich bald die ersten Brauereigebäude für den Kaufmann Hermann Reh gesellten. Ein Ausbau der Anlagen erfolgte dann durch die 1876 gegründete Weißbierbrauerei von F. W. Hilsebein, die obergäriges "Bayerischbier" herstellte. Schließlich ließ die Berliner Bierbrauerei AG vorm. F. W. Hilsebein das Areal 1898-99 nach Plänen der Architekten Erdmann & Spindler grundlegend neu gestalten. Der Brauereistandort, der 1906 an die Schultheiss AG überging, wurde 1957 geschlossen.

Im heutigen Erscheinungsbild geht der Komplex weitgehend auf die Planung von Erdmann & Spindler zurück. Die Architektur wirkt baulich geschlossen, obgleich ein älteres Sudhaus und ein Stallgebäude zu integrieren waren. Wie viele andere Brauereien der Zeit ist die Anlage im Burgenstil gestaltet. Zinnen stellen deshalb das bestimmende Schmuckmotiv dar. Die durchgehend gelb verklinkerten Bauten sind um einen unregelmäßig geschnittenen Hof gruppiert und lebhaft in Höhe und Tiefe gestaffelt. Eine eingeschossige Kelleranlage nimmt Teile des Grundstücks ein. Alle Gebäudeeinheiten wurden als massive Mauerwerksbauten ausgeführt. Die Kappendecken ruhen innen auf gusseisernen Hohlsäulen. Die Funktionseinheiten lassen sich auch heute noch gut voneinander unterscheiden, obwohl sich Raumaufteilung und Ausstattung durch die Umnutzungen erheblich verändert haben.

Straßenseitig ist die Anlage in die Blockrandbebauung eingepasst. Hier erheben sich die abwechslungsreich gestalteten Fassaden von Gärhaus, Verwaltungs- und Lagergebäude sowie die zinnenbekrönte Toranlage. Ausdrucksstark ist vor allem die Front des Gärhauses, die mit den über drei Geschosse reichenden Bogenfeldern ein kraftvolles Gliederungselement erhielt. Schreitet man durch das spitzbogige Portal, fällt der Blick sogleich auf das Sudhaus, dessen große Rundbogenfenster ebenfalls für eine charaktervolle Außenwandgestaltung sorgen. Es schließen sich hofseitig weitere Gebäudeeinheiten an, darunter das Maschinenhaus, die Werkstätten und das 1929 durch F. & H. Wessel an der Nordseite des Grundstücks ausgeführte Kesselhaus. Es erhielt ebenfalls eine gelbe Klinkerverkleidung, unterscheidet sich aber durch seine erkennbar modernen Fensterformate und die glatten schmucklosen Wandflächen von den älteren Bauten.


(1) Hildebrandt/Lemburg/Wewel 1988, S. 92-93; Dehio Berlin 2006, S. 313-314.

Literatur:
  • Topographie Friedrichshain-Kreuzberg/Kreuzberg, 2016 / Seite 407 f.