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Mietshaus Yorckstraße 81 & 82

Obj.-Dok.-Nr.: 09031034
Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
Ortsteil: Kreuzberg
Strasse: Yorckstraße
Hausnummer: 81 & 82
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Mietshaus
Datierung: 1899-1900
Entwurf: Esmann, August (Maurermeister)
Bauherr: Esmann, August (Maurermeister)

Nachdem sich das Offiziersviertel nicht zuletzt durch Riehmers Hofgarten als angesehenes gutbürgerliches Wohnquartier etabliert hatte, errichtete der Baumeister August Esmann 1899-1900 auf ihm gehörenden Grundstücken an Yorck- und Großbeerenstraße einige repräsentative Mietshäuser, darunter auch das imposante Doppelmietshaus Yorckstraße 81-82. (1) Es offenbart im Verhältnis zu den opulent ornamentierten Stuckfassaden von Riehmers Hofgarten eine andere, an die Mietshäuser Alfred Messels erinnernde Entwurfshaltung. Esmann, der sich bei der Fassadenkonzeption eigens von den Architekten Carl Zaar und Carl Doflein beraten ließ, ersann eine Gebäudegruppe, die sich im Kern an den Grundsätzen des malerischen Städtebaus orientierte. Kennzeichnend ist dabei unter anderem, dass das Dach im Gegensatz zum Wohnhausbau des 19. Jahrhunderts im Erscheinungsbild deutlich hervortritt und durch seine individuelle Formgebung ein stimmungsvolles Architekturbild hervorrufen soll. Ausweislich der Bauakten war es dem Bauherrn wichtig, eine angemessene stadträumliche Wirkung zu erzielen. (2) Geböschtes Mauerwerk, Erker, doppelgeschossige Turmaufbauten mit Fialen und Bogenfriesen sowie die insgesamt variantenreich in Höhe und Tiefe gestaffelte Fassade erzeugen eine bewegte und selbst an der außerordentlich breiten Yorckstraße sehr präsente Schaufront. Für zusätzliche Belebung sorgen die verschiedenartigen Materialien. Vor den cremefarben gestrichenen Putzflächen kommen die sparsam eingefügten roten Klinkereinlagen gut zur Geltung. Ein verhaltener Stuckdekor und die qualitätvollen Rankengitter der Balkone, beide in Jugendstilformen gestaltet, ergänzen die in Farbwirkung und Oberflächentextur völlig unterschiedlichen Materialien. Selbst die Symmetriebildung, die oftmals zu einer gewissen Monumentalisierung führt, tut dabei dem lebhaften Gesamteindruck keinen Abbruch. Das Haus umschließt mit Vordergebäuden, Seitenflügeln und den abschließenden Quertrakten einen gut belichteten quadratischen Innenhof, in den kurze Seitenflügel hineinragen. In Anlehnung an die Straßenfassaden erhielt auch der Hof eine hochwertige Gestaltung. Allerdings ließ Esmann die Hoffassaden nicht verputzen, sondern, wie auch bei den meisten seiner benachbarten Gebäude, mit gelbem Backstein verblenden. Ein bemerkenswertes Ausstattungsdetail sind hier vor allem die eisernen Balkone, die auf die hohe Wohnqualität des Hauses auch im hinteren Bereich verweisen. Die großen Wohnungen hatten eine großzügige Ausstattung, die bis zur Installierung von Speiseaufzügen reichte.


(1) Carl August Esmann selbst bewohnte in der benachbarten Großbeerenstraße 58-59 eine luxuriös ausgestattete Elf-Zimmer-Wohnung, die mit einer weiteren Sechs-Zimmer-Wohnung gekoppelt war. Das Haus, das Esmann auch selbst entworfen hatte, existiert heute nicht mehr.

(2) Allerdings konnte Esmann mit dem Bau erst nach Erteilung zahlreicher Dispense beginnen, da das Haus in mehrfacher Hinsicht nicht den damals geltenden Bauvorschriften entsprach.

Literatur:
  • Topographie Friedrichshain-Kreuzberg/Kreuzberg, 2016 / Seite 378