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Uferbebauung Flutgraben

Obj.-Dok.-Nr.: 09031007
Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
Ortsteil: Kreuzberg
Strasse: Vor dem Schlesischen Tor
Hausnummer: 2
Denkmalart: Ensemble
Sachbegriff: Uferbebauung

Vor der Einmündung des Landwehrkanals in die Spree teilt sich die Wasserstraße in den gerade geführten Hauptarm mit der Oberschleuse und den seitlich abzweigenden Flutgraben. Die beiden Arme umgeben die Lohmühleninsel, die ihre heutige Form 1848-52 beim Bau des Landwehrkanals erhielt. (1) Auf der Insel, die von der kurzen Straße Vor dem Schlesischen Tor erschlossen wird, befindet sich ein vielgestaltiges Ensemble von Brücken und der Uferbebauung am Flutgraben, das die historische Entwicklung des Umfelds nachzeichnet. Bis 1920 lag die Lohmühleninsel am südöstlichen Stadtrand von Berlin. Mit der Bildung Groß-Berlins verlor diese Grenze an Bedeutung, doch 1945 wurde die Bezirksgrenze zwischen Kreuzberg und Treptow zur Sektorengrenze zwischen der amerikanischen und sowjetischen Zone. Auf der Treptower Seite verlief bis 1990 die Berliner Mauer.

Die stark durchgrünte Lohmühleninsel hebt sich deutlich von der dichten Bebauung der nördlich angrenzenden Quartiere beiderseits der Schlesischen Straße ab. Bedingt durch die Randlage ist hier eine lockere, teilweise ungeordnete Bebauung zu finden. Ältestes Gebäude der Insel ist das 1860 fertig gestellte Steuerhaus, das an die ehemalige Stadtgrenze erinnert. Hier erhob man bis 1877 die so genannte Akzise, eine Schlacht- und Mahlsteuer. Alle nach Berlin eingeführten Mehl- und Fleischwaren mussten hier verzollt werden. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts entstanden hier im Zuge des Ausbaus der Straßen und Wasserwege die Schlesische Brücke und die Obere Freiarchenbrücke. Das Tankstellengebäude Vor dem Schlesischen Tor 2 ist ein Zeugnis für die rasante Entwicklung des Straßenverkehrs in den 1920er Jahren. Die Tankstelle umfasste ursprünglich auch eine Großgarage, Ladeneinheiten und ein Café. Von den technischen Gebäuden unterscheidet sich die malerisch wirkende Uferbebauung beiderseits des Flutgrabens. Erhalten blieben das Gebäude einer ehemaligen Fischhandelsfirma, das Vereinshaus eines Wassersportclubs und ein Funktionsgebäude eines Flussschwimmbades. Die ersteren Bauten werden heute als Gaststätten genutzt. An der Nordostspitze der Lohmühleninsel gab es seit 1849 ein Flussschwimmbad, dessen Attraktion eine dampfbetriebene Wellenmaschine war. 1877 ließ der Kaufmann Sachse das Bad vollständig erneuern, seitdem hieß es "Sachsesches Wellenbad". Es bestand bis in die 1920er Jahre. (2) Im ehemaligen Eingangsbereich des Bades ist ein zweistöckiges Fachwerkhaus teilweise erhalten, das zu diesem Bad gehörte.


(1) Hoffmann-Axthelm 1987, S. 147 ff.

(2) Hoffmann-Axthelm, Dieter: Auf einer Sandscholle vor dem Schlesischen Tor. Skizze zur Geschichte der Lohmühleninsel, Auszug aus der Ausschreibungsbroschüre einer Quartierssporthalle auf der Lohmühleninsel, Berlin 1984 (IBA 1987).

Literatur:
  • Hoffmann-Axthelm, Dieter, Skizze zur Geschichte der Lohmühleninsel, Wettbewerbsausschreibung Quartiers- Sporthalle Lohmühleninsel, IBA Berlin 1983 / Seite .
  • Topographie Friedrichshain-Kreuzberg/Kreuzberg, 2016 / Seite 269 f.