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Mietshaus Sorauer Straße 26

Obj.-Dok.-Nr.: 09030976
Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
Ortsteil: Kreuzberg
Strasse: Sorauer Straße
Hausnummer: 26
Denkmalart: Ensembleteil
Sachbegriff: Mietshaus
Datierung: 1879-1881
Entwurf: Bloch, Heinrich (Maurermeister)
Bauherr: Bloch, Heinrich (Maurermeister)

Das Mietshausquartier um die Sorauer Straße bildet auch in dem facettenreichen Stadtgefüge Kreuzbergs eine Besonderheit. Die Bebauung rechts und links des Straßenzugs ist ein Musterbeispiel für den gründerzeitlichen spekulativen Bau von Klein- und Kleinstwohnungen. Nach Plänen des Bauunternehmers und Kaufmanns Paul Emil Haberkern entstand hier in den 1870er Jahren ein dichtes, bautypologisch einzigartiges Arbeiterwohnquartier. Die hofwärts gelegenen Flügel sind unter dem Namen Haberkerns Hof bekannt. (1)

1871 erwarb Haberkern einen Großteil des bis dahin unbebauten Wiesengeländes zwischen Görlitzer und Skalitzer Straße und begann ein Jahr darauf an der Ostseite der Lübbener Straße mit dem Bau von mehrgeschossigen Mietshäusern mit Vorderhaus und Seitenflügel nach dem damals in der Luisenstadt gebräuchlichen Muster. Dann jedoch setzte er seine Bautätigkeit auf ungewöhnliche Weise fort: Um die Blockinnenfläche intensiver auszunutzen und zugleich die Kosten für die Anlage einer Erschließungsstraße zu sparen, ließ er in den folgenden zwei Jahren in mehreren Etappen zwei parallel zueinander angeordnete Seitenflügelreihen mit Zufahrten von der Görlitzer Straße und der Wrangelstraße errichten. Ungeachtet einiger Baulücken aufgrund späterer Abrisse kann man auch heute noch gut sehen, wie die drei- bis viergeschossigen Hinterhausreihen zwischen Sorauer und Oppelner Straße zweizeilig Rücken an Rücken stehen, während sie im Bereich zwischen Sorauer und Lübbener Straße nur einzeilig ausgebildet wurden. Die schmucklosen, kasernengleichen Hauszeilen haben eine geringe Gebäudetiefe. Die einseitig belichteten Wohnungen, die ausnahmslos nicht mehr als ein Zimmer und Küche umfassten, dienten nach ihrer Fertigstellung vor allem den Arbeitern der nahegelegenen Fabriken und Gewerbebetriebe als preiswerte Wohnunterkunft. In der noch jungen und rasant wachsenden Reichshauptstadt bestand offenkundig Bedarf an billigem Wohnraum, denn die Wohnungen waren sofort nach Fertigstellung belegt.

Erst mit Anlage der Sorauer Straße durch die Rheinische Baugesellschaft zu Köln a. Rh. und der nachfolgend bis Mitte der 1880er Jahre ausgeführten Vorderhausbebauung wandelten sich die charakteristischen Seitenflügelreihen nunmehr in Quergebäude, die sich zur Sorauer und Oppelner Straße orientieren.

Die vorgelagerte Blockrandbebauung kann als zeittypische Maurermeisterarchitektur angesprochen werden. Die fünfgeschossigen Mietshäuser umfassen sieben oder acht Fensterachsen und unterscheiden sich hauptsächlich durch die von Haus zu Haus wechselnden Fassadengliederungen. In Größe und Grundrissausbildung sind sie jedoch nahezu identisch. Über die ursprünglich einfachen Wohnverhältnisse mit den häufig nicht abgeschlossenen Kleinwohnungen und den Außentoiletten sollten die bisweilen recht aufwendig dekorierten Straßenfronten hinwegtäuschen. Zusammen bilden die Mietshausreihen ein gründerzeitliches Wohnviertel von großer Geschlossenheit.


(1) Schmidt, Hartwig: Haberkerns Hof - Berliner Mietskasernenbau 1872-1875. In: Festschrift Ernst Heinrich. Dem Bauforscher, Baugeschichtler und Hochschullehrer zum 75. Geburtstag dargebracht, hrsg. v. Goerd Peschken, Dieter Radicke und Tilmann J. Heinisch, Berlin 1974, S. 75-111; Bascón-Borgelt/Debold-Kritter/Ganssauge/Hartmann 1983, S. 116; Hoffmann-Axthelm 1987, S. 78 ff.

Literatur:
  • Topographie Friedrichshain-Kreuzberg/Kreuzberg, 2016 / Seite 278 f.