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Mietshaus & Fabrikgebäude & Stall Oranienstraße 8

Obj.-Dok.-Nr.: 09030776
Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
Ortsteil: Kreuzberg
Strasse: Oranienstraße
Hausnummer: 8
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Mietshaus & Fabrikgebäude & Stall
Entwurf: 1862
Datierung: 1863
Umbau: 1886 & 1890-1891 & 1927 & 1962
Entwurf: Roßmann, H. (Zimmermeister)
Entwurf: Martini, P. (Maurermeister)
Bauherr: Noelte, David (Zimmermann)

In den 1860er Jahren entstanden im Straßenabschnitt zwischen Oranienplatz und Manteuffelstraße in rascher Abfolge zahlreiche großstädtische Mietshäuser. Zu ihnen gehört das Mietshaus Oranienstraße 8, das der Zimmermann David Noelte 1863 von Zimmermeister H. Roßmann und Maurermeister P. Martini errichten ließ. Das fünfgeschossige Gebäude verfügte ursprünglich über Kleinwohnungen, die in Teilen nicht abgeschlossen waren. Die bauzeitlichen Grundrisse sind jedoch ebenso wie die ursprüngliche Fassadengestaltung infolge mehrfacher Umgestaltungen nicht mehr vorhanden. Bezeichnend für die Entwicklung der Oranienstraße zu einer Geschäftsstraße ist indes der 1890-91 vorgenommene Umbau von Erdgeschoss und Souterrain zu einem Ladengeschoss. Eine solche Umgestaltung wurde im ausgehenden 19. Jahrhundert auch bei der Mehrzahl der Nachbarhäuser durchgeführt.

Im Hof befindet sich eine für den Schlächtermeister Theodor Rengert 1875 errichtete Wurstfabrik. Die Ausführung des zweigeschossigen unterkellerten Quergebäudes übernahmen Maurermeister H. Streubel und Zimmermeister E. Fritze. Das Gebäude steht am Beginn der baulichen Verdichtung der großen Blockinnenflächen in der Luisenstadt mit Bauten für produzierendes Gewerbe. In ihrer Maßstäblichkeit und klar definierten Nutzungsbestimmung unterscheidet sich die Wurstfabrik typologisch von den ab etwa 1890 erstellten großräumigen Etagenfabriken, die sich über vier bis sechs Geschosse erheben und im Regelfall nicht mehr für eine konkrete Nutzung oder den Eigenbedarf, sondern für die Fremdvermietung errichtet wurden. Dennoch muss der kleine Geschossbau als eine wichtige Vorform der späteren Stockwerksfabriken angesehen werden. Der riegelförmige Bau verfügt in weiten Teilen noch über sein ursprüngliches Erscheinungsbild. Er zeigt eine mit gelben Klinkern verblendete flächige Fassade. Einziger Schmuck ist das aus Vollziegeln geformte Konsolgesims. Die Wand wird durch große Rahmenfelder gegliedert. Kleine Segmentbogenfenster sorgen für die Belichtung. Ein markantes Bauteil ist der asymmetrisch vorgestellte, über quadratischem Grundriss errichtete Schornstein.

Literatur:
  • Topographie Friedrichshain-Kreuzberg/Kreuzberg, 2016 / Seite 231 f.