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Warenhaus & Verwaltungsbau Oranienplatz 2 Oranienstraße 164

Obj.-Dok.-Nr.: 09030772
Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
Ortsteil: Kreuzberg
Strasse: Oranienplatz
Hausnummer: 2
Strasse: Oranienstraße
Hausnummer: 164
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Warenhaus & Verwaltungsbau
Datierung: 1903-1904
Umbau: 1938
Entwurf: Breslauer und Salinger
Bauherr: Damenmantelfabrik R.M. Maaßen

Das frühere Damenkonfektionshaus Maassen, Oranienplatz 2 und Oranienstraße 164, (1) belegt ein Eckgrundstück, was eine starke Präsenz des Kaufhauses im Stadtraum zur Folge hat. Zudem ermöglichte das Grundstück die Anlage großer, zusammenhängender Verkaufsflächen. Das Warenhaus Maassen ist das älteste noch bestehende Kaufhaus des einstigen Einkaufszentrums an Moritz- und Oranienplatz. Es wurde 1903-04 für den Kaufmann Reinhardt Moritz Maassen errichtet und zeigt, dass die Oranienstraße nach der Jahrhundertwende von der Citybildung erfasst wurde. Das großstädtische Fabrikations- und Verkaufsgebäude für Damenbekleidung ersetzte drei ältere Mietshäuser aus den 1860er Jahren. Die Pläne erstellte die Architektengemeinschaft Breslauer & Salinger. (2) Zu Beginn der 1920er Jahre firmierte das Kaufhaus als das "grösste Spezialhaus Deutschlands für Damenbekleidung".

Das Gebäude, das als "bedeutender Beitrag zum modernen großstädtischen Kaufhausbau" (3) zu werten ist, wurde inmitten einer älteren kleinteiligen Mietshausbebauung errichtet und sprengte die bis dahin geltende bauliche Maßstäblichkeit am Oranienplatz. Breslauer & Salinger statteten das fünfgeschossige Kaufhaus mit einer großzügig geöffneten Pfeilerfront aus. Die Gliederung der Fassaden mit Pfeilern und großflächigen Fensteröffnungen wird durch eine dahinterliegende Eisenskelettkonstruktion ermöglicht. Nur die Brüstungsbereiche mussten aufgrund baupolizeilicher Vorschriften geschlossen werden. Auf den schmalen Kapitellen der über sämtliche Geschosse laufenden Wandpfeiler lagert eine weit vorkragende Dachplatte, über der ein hohes Berliner Dach mit Zwerchhäusern folgt. Dem Bedürfnis nach Repräsentation wurde durch sparsam eingesetzten Bauschmuck und durch die im zweiten Obergeschoss angeordneten Fenstergiebel Rechnung getragen. Den mit einem großformatigen Figurenrelief betonten Haupteingang legte man in die abgerundete Gebäudeecke.

1927 kaufte die Konsumgenossenschaft das Kaufhaus und nahm erste umfassende Umbauten vor. 1935 folgte die Deutsche Arbeitsfront (DAF), die das Gebäude für eine Büronutzung herrichten ließ. Im Zweiten Weltkrieg erheblich beschädigt, wurde das Haus 1952 in Angleichung an das Fassadenbild des benachbarten Kaufhauses der Konsumgenossenschaft für die AOK wieder aufgebaut. Dabei wurde das alte Dach durch ein flaches Pultdach ersetzt. 2001-04 erfolgte eine Sanierung durch Müller Reimann Architekten, bei der das frühere Fassadenbild mit der monumentalen Pfeilerfront und dem hoch aufragenden Dach in vereinfachter Form wieder hergestellt wurde. Bis heute weitgehend unverändert ist die konstruktive Beschaffenheit des Skelettbaus. Die Hoffassaden sind mit cremefarbenen Glasurklinkern verblendet.


(1) Berliner Architekturwelt 9 (1906/07), Abb. 324-327; BusB VIII, S. 102-104, 131; Borgelt, Christiane/Keckstein, Veronika: Kaufhäuser und Warenhäuser in der Luisenstadt. Ihr Aufstieg und ihr Niedergang, Berlin 1988, S. 37-46; Schäche, Wolfgang: Ein Haus am Oranienplatz in Berlin, Berlin 2004; Dehio Berlin 2006, S. 310.

(2) Alfred Breslauer war Schüler von Alfred Messel, in dessen Büro er bereits vor Ausführung des Maassen-Warenhauses Erfahrungen im Kaufhausbau sammeln konnte. So war Breslauer unter anderem an den Planungen des ersten Bauabschnitts des Kaufhauses Wertheim in der Leipziger Straße beteiligt. Messel selbst hatte in der Oranienstraße 53-54 das erste Warenhaus für Wertheim in Berlin gebaut, das jedoch nicht mehr vorhanden ist.

(3) Schäche, Wolfgang: Ein Haus am Oranienplatz in Berlin, Berlin 2004.

Literatur:
  • BusB VIII A 1978 / Seite 103, 131
  • Topographie Friedrichshain-Kreuzberg/Kreuzberg, 2016 / Seite 213 f.