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Mietshaus Legiendamm 42

Obj.-Dok.-Nr.: 09030770
Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
Ortsteil: Kreuzberg
Strasse: Legiendamm
Hausnummer: 42
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Mietshaus
Datierung: 1858
Entwurf: Markert, Julius (Maurermeister)
Entwurf: Faster (Zimmermeister)
Bauherr: Berliner Gemeinnützige Baugesellschaft

Die Bebauung des Oranienplatzes begann zügig nach Genehmigung des Lennéschen Bebauungsplans, der 1842 in Kraft trat. Zunächst wurde dabei die Nordwestecke des Platzes mit mehrgeschossigen Mietshäusern besetzt. Dazu gehört das 1858 von Maurermeister Markert und Zimmermeister Faster errichtete Mietshaus Legiendamm 42, das an zwei ältere, bereits Ende der 1840er Jahre erbaute Häuser anschließt. Bauherr war die Berliner Gemeinnützige Baugesellschaft. (1) Diese 1847 gegründete erste Berliner Gesellschaft für die Reform des Arbeiterwohnungsbaus hatte sich "Die Verwandlung eigenthumsloser Arbeiter in arbeitende Eigentümer" zum Ziel gesetzt. Angesichts des Elends im Berliner Wohnungswesen sollte der kleine Mann auch durch Kontrolle in einer beaufsichtigten Hausgemeinschaft in die Lage versetzt werden, ein sittliches und friedliches Leben zu führen. Der Königliche Hof engagierte sich finanziell. Das erste Haus der Gesellschaft wurde 1849-52 in der Ritterstraße 28 gebaut. In der Luisenstadt gab es weitere Häuser in der Ritterstraße, der Michaelkirchstraße, der Alexandrinenstraße und der Wassertorstraße. Bekannter sind die noch bestehenden denkmalgeschützten Bauten im Prenzlauer Berg an der Schönhauser Allee und Umgebung und an der Torstraße. Das Grundstück für dieses Haus mit der damaligen Adresse Luisenufer kaufte die Baugesellschaft 1850. Das Konzept der Gesellschaft ging nicht auf und sie geriet in Schwierigkeiten. 1871 wurde dieses "Gesellschaftshaus" an einen privaten Eigentümer verkauft.

Das blockhaft wirkende Gebäude steht an einer städtebaulich privilegierten Stelle. Es markiert die Südspitze des dreieckigen, zwischen Dresdener Straße, Waldemarstraße und Legiendamm gelegenen Baublocks und akzentuiert mit seinen zwei Fassaden maßgeblich das Erscheinungsbild des Oranienplatzes. Erstreckt sich das Haus im Bereich des Legiendamms über neun Achsen, so zeigt die Front am Oranienplatz nur fünf Achsen. Die beiden Gebäudeflügel umschließen einen kleinen quadratischen Innenhof. Über dem Souterrain, das über straßenseitige Zugänge verfügt, erheben sich fünf Vollgeschosse. Die flach angelegte, in spätklassizistischer Formgebung gestaltete Fassade ist von schlichter Strenge. Ein Sohlbankgesims trennt das mit kräftiger Rustika versehene Erdgeschoss von den reicher gestalteten Obergeschossen. Drittes und viertes Obergeschoss sind durch eine Kolossalordnung zusammengefasst. Die Erschließung des Hauses erfolgt über das zum Legiendamm orientierte schmale Rundbogenportal. Auf die übliche, nach den Bestimmungen der Baupolizeiordnung von 1853 geforderte Durchfahrt zum Hof konnte verzichtet werden, da für Seitenflügel oder Hinterhäuser kein Platz vorhanden war. In jedem Wohngeschoss sind vier gut belichtete Kleinwohnungen angeordnet.


(1) Geist/Kürvers 1980, S. 451-463.

Literatur:
  • Topographie Friedrichshain-Kreuzberg/Kreuzberg, 2016 / Seite 219 f.