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Wikinghof

Obj.-Dok.-Nr.: 09030769
Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
Ortsteil: Kreuzberg
Strasse: Erkelenzdamm
Hausnummer: 11 & 13
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Mietshaus & Gewerbehof
Datierung: 1899
Umbau: 1912
Entwurf: Berndt, Kurt
Bauherr: Arndt, H.
Entwurf: Heilbrunn und Seiden
Bauherr: Grundstücksgesellschaft "Südwest"

In der Luisenstadt wurden großangelegte Gewerbehöfe bevorzugt an den Ufern des Luisenstädtischen Kanals errichtet, weil man die Standortvorteile am Wasser nutzen wollte. Auch der Wikinghof am Erkelenzdamm 11/13 wendet sich dem heute in eine Grünanlage umgewandelten Kanal zu. Der Gewerbehof wurde in zwei Bauabschnitten errichtet. Zunächst entstand 1899 im Blockinnenbereich nach Entwurf des im Gewerbebau erfahrenen Architekten Kurt Berndt eine vier- bis fünfgeschossige Etagenfabrik, die zwei Höfe umschließt. Die Anlage besetzt den abgewinkelten hinteren Teil des Grundstücks und besteht aus zwei Quertrakten, die über schmalere Seitenflügel miteinander verbunden sind. Mit seiner schlichten, stark versachlichten Architektur, den weitgehend aufgelösten Außenwänden und den variabel nutzbaren Grundrissen gehört das Gebäude einer späten Entwicklungsstufe der Etagenfabriken an. (1) Den Querflügeln liegt eine Mischbauweise zugrunde. Während die nur aus Pfeilern und Brüstungen bestehenden Außenwände massiv errichtet wurden, trifft man innen auf eine Skelettkonstruktion mit einer mittleren Ständerreihe aus ummantelten Eisenstützen. Die Außenwände wurden teils mit weißen Glasurklinkern verblendet, teils glatt verputzt. Das Fassadenbild wird durch Fensterrahmungen und Felderteilungen aus roten Klinkerbändern sowie durch die kleinteilig gesprossten Fenster belebt.

1912 wurde von Heilbrun & Seiden das straßenseitige Mietshaus hinzugefügt, das zwei ältere Mietshäuser ersetzt, die zuvor an dieser Stelle standen. Das Haus ist eines wenigen Wohnhäuser der Luisenstadt, die aufgrund ihres repräsentativen Charakters als herrschaftlich bezeichnet werden können. Der anspruchsvolle Habitus des Gebäudes ergibt sich aus der aufwendigen Fassadengestaltung, den großzügig geschnittenen Grundrissen und der reichhaltigen Ausstattung. Ursprünglich verfügte das Haus über außerordentlich große, komfortabel ausgestattete Fünf- bis Sieben-Zimmer-Wohnungen, die jedoch in den 1930er Jahren geteilt wurden. Aufgrund der besonderen Lage am Ostufer des Luisenstädtischen Kanals waren die Architekten um die Entwicklung eines stadträumlich wirkungsvollen Fassadenprospekts bemüht. Zur Hilfe kam ihnen dabei, dass die über zwei Parzellen reichende Straßenfront viel Gestaltungsfläche bot und das Gebäude mit einem vornehm wirkenden Vorgarten ausgestattet werden konnte. Die symmetrisch gestaltete Fassade ist mit den Vor- und Rücksprüngen und dem gut sichtbaren bewegten Dachaufbau plastisch behandelt. Einzelne Bauglieder wie die beiden Altane und die großflächigen Balkone, aber auch die sorgsam durchgebildete Werksteinverkleidung unterstreichen die vornehme Gesamterscheinung. An wenigen Stellen findet sich ein klassizistisch anmutender Bauschmuck. Die jeweils vier äußeren Achsen wurden gleichsam als Wohntürme gestaltet. Ihren Abschluss bilden hoch aufragende Zeltdächer, zwischen denen eine zur Straße gerichtete Dachterrasse liegt. Deutlich einfacher wurde indes die zum Gewerbehof orientierte Rückfront behandelt, die eine Verblendung mit weißen Glasurklinkern zeigt.


(1) Hecker, Manfred: Vom Handwerk im Hinterhof zur Kleinfabrik im Gewerbehaus. Die bauliche Entwicklung der Kreuzberger Mischung. In: werk und zeit 3 (1984), S. 16-19.

Literatur:
  • Hecker, Manfred/ Vom Handwerk im Hinterhof zur Kleinfabrik im Gewerbehof. Die bauliche Entwicklung der Kreuzberger Mischung in
    Werk und Zeit 3 (1984) / Seite 16-19
  • Fiebig, K. H./Hoffmann-Axthelm, D./Knödler-Bonte, E./ Kreuzberger Mischung, Berlin 1984 / Seite .
  • Topographie Friedrichshain-Kreuzberg/Kreuzberg, 2016 / Seite 221 f.