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Mietshaus Adalbertstraße 74

Obj.-Dok.-Nr.: 09030765
Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
Ortsteil: Kreuzberg
Strasse: Adalbertstraße
Hausnummer: 74
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Mietshaus
Datierung: 1863-1864
Umbau: um 1900 & 1984-1985
Entwurf: Gans, Carl (Maurermeister)
Ausführung: Krefeldt, E. (Maurermeister)
Bauherr: Gans, Carl

1863-64 wurde das Mietshaus Adalbertstraße 74 erbaut, zu dem im Hof noch ein Quergebäude und ein heute als Garage genutzter Pferdestall von 1872 gehören. (1) Die Ausführung übernahm der Maurermeister C. Gans, der auch für den Entwurf verantwortlich zeichnete. (2) Das Haus entstand während der ersten Wachstumsphase in der Luisenstadt. Die Blöcke im Umfeld von Adalbert- und Oranienstraße wurden seinerzeit durch zahlreiche Mietshäuser in geschlossener Bauweise belegt, während die Blockinnenflächen im Regelfall noch von Bebauung frei blieben. Das weitgehend im ursprünglichen Zustand überlieferte Haus kann als typische Maurermeister-Architektur der Zeit angesehen werden. Der Massenwohnungsbau galt damals nicht als Aufgabenbereich der akademisch ausgebildeten Architekten, sondern lag in der Hand von handwerklich geschulten Maurer- und Zimmermeistern, die zeittypische Stiltendenzen aufnahmen. Dieses Mietshaus zeichnet sich jedoch durch eine vergleichsweise aufwendig gestaltete Fassade aus. Das fünfgeschossige Vorderhaus besitzt eine klassizistische Straßenfront mit symmetrischem Wandaufbau. Die insgesamt sehr flächig angelegte Front wird durch einen nur leicht vorgezogenen, mit einem Dreiecksgiebel bekrönten Mittelrisalit belebt. Die Fensterumrahmungen, Gesimse und der flache Dreiecksgiebel wirken sehr repräsentativ. Diese auffälligen Details und auch die zwei mit massiven Brüstungen umgürteten Balkone des als Beletage angelegten ersten Obergeschosses sind für die Zeit seltene Ausstattungselemente. Die weitgehend flächigen Mietshausfassaden der 1860er Jahre verfügten überwiegend noch nicht über Erker, Loggien oder Balkone. Ein typisches Merkmal für die frühen Mietshäuser vor 1870 ist die mittige Durchfahrt mit dem von ihr abgehenden Treppenhaus. Die anspruchsvolle Fassade täuscht darüber hinweg, dass sich dahinter nur wenig komfortable, in Teilen nicht abgeschlossene Klein- und Kleinstwohnungen befanden. Allerdings wurden die Wohnungen 1984-85 in Vorderhaus und Quergebäude über die gesamte Geschossfläche zusammengelegt.


(1) Erwähnt in Börsch-Supan, Eva und Helmut/Kühne, Günther/Reelfs, Hella: Kunstführer Berlin, 4. Aufl., Berlin 1991, S. 180.

(2) Bascón-Borgelt/Debold-Kritter/Ganssauge/Hartmann 1983; Borgelt, Christiane/Ganssauge, Karin/Keckstein, Veronika: Mietshaus im Wandel. Wohnungen der behutsamen Stadterneuerung in der Luisenstadt. Eine Typologie, Berlin 1988, S. 30, 52.

Literatur:
  • Reclam Berlin, 1977 / Seite 304
  • Bascón-Borgelt u.a., In der Luisenstadt. Studien zur Stadtgeschichte von Berlin-Kreuzberg, Berlin 1983 / Seite 48f.
  • Topographie Friedrichshain-Kreuzberg/Kreuzberg, 2016 / Seite 228