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Mietshaus Riemannstraße 24 & 26 Nostitzstraße

Obj.-Dok.-Nr.: 09030759
Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
Ortsteil: Kreuzberg
Strasse: Riemannstraße
Hausnummer: 24 & 26
Strasse: Nostitzstraße
Denkmalart: Ensembleteil
Sachbegriff: Mietshaus
Datierung: 1872
Umbau: 1979
Entwurf: Kruse, Carl (Maurermeister)
Bauherr: Kruse, Carl (Maurermeister)

In der Nostitzstraße 11-14 u. a. befindet sich ein großstädtisches Ensemble von großstädtischen Mietshäusern, das in gutem baulichen Zustand an die Anfänge der planmäßigen Bebauung der Tempelhofer Vorstadt erinnert und zugleich ein bezeichnendes Licht auf großstädtische Wohnformen in den Jahren der Reichsgründung wirft. Die Nostitzstraße war einer der ersten Straßenzüge, die nach Maßgabe des 1862 erlassenen Hobrechtsplans im einstigen Vorstadtgebiet angelegt wurden. Die Bebauung erfolgte innerhalb nur eines Jahrzehnts. Bereits Mitte der 1870er Jahre war die Straße beidseitig vollständig von mehrgeschossigen Mietshäusern in geschlossener Bauweise besetzt. Die Gebäude wurden vorwiegend von Maurer- und Zimmermeistern errichtet, die bei der Grundstücksentwicklung mit Terraingesellschaften zusammenarbeiteten und die Häuser teilweise noch vor der Rohbauabnahme verkauften. Anfangs wurden nur die fünfgeschossigen Vorderhäuser erbaut. Diese verfügen unter dem Erdgeschoss über ein straßenseitig erschlossenes Souterrain, das neben Läden auch kleine Wohnungen mit niedrigem Ausstattungsstandard aufnahm. In den Jahrzehnten bis zum Ersten Weltkrieg kam es zu einer erheblichen baulichen Verdichtung, bei der das Hinterland mit Seitentrakten und Quergebäuden besetzt wurde.

Die Fassaden zeigen, den ursprünglichen einfachen Wohnverhältnissen entsprechend, überwiegend einen sehr sparsam aufgetragenen spätklassizistischen Stuckdekor. Vorherrschend sind tektonische Elemente wie Gesimse, flache Risalitbildungen und Fensterverdachungen; nur vereinzelt findet sich auch figürlicher Schmuck. Während man bei den schmaleren sechsachsigen Häusern den Eingangsbereich und die Durchfahrt seitlich angeordnet hat, erhielten die breiteren, sieben- und achtachsigen Bauten eine vollkommen symmetrische Gestaltung mit aufwendig gestalteten Portalen in den Spiegelachsen. Wenngleich nahezu der gesamte Wohnungsbestand in den zurückliegenden Jahrzehnten modernisiert wurde, so kann man die bescheidene Lebensweise, die früher in der Nostitzstraße vorherrschte, in Ansätzen noch an der grundsätzlichen Anlage der Häuser sowie an der einfachen Gestaltung der Durchfahrten und Treppenhäuser erkennen. Über ein für die Tempelhofer Vorstadt eher seltenes Ausstattungselement verfügt das Haus Nostitzstraße 11/Gneisenaustraße 9. Dort wurde die Gebäudeecke, wie häufig in der Luisenstadt zu beobachten, abgeschrägt und turmartig höher geführt, um dadurch die Blockecke hervorzuheben und zugleich das südliche Ende der Nostitzstraße zum Generalszug hin gestalterisch zu betonen.

Literatur:
  • Topographie Friedrichshain-Kreuzberg/Kreuzberg, 2016 / Seite 405