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Mietshaus & Laden Görlitzer Straße 72

Obj.-Dok.-Nr.: 09030702
Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
Ortsteil: Kreuzberg
Strasse: Görlitzer Straße
Hausnummer: 72
Denkmalart: Ensembleteil
Sachbegriff: Mietshaus & Laden
Datierung: 1897
Entwurf: Gebhardt, Wilhelm (Architekt)
Entwurf & Ausführung: Schönknecht, A. (Zimmermeister & Maurermeister)
Bauherr: Militschky, Daniel

Östlich des Görlitzer Parks hat sich ein beeindruckendes Ensemble repräsentativer Mietshäuser erhalten, das die Grundstücke Görlitzer Straße 72-74 sowie Skalitzer Straße 49-50 umfasst (Liste Nr. 6). Die innerhalb von zwei Jahrzehnten errichteten Gebäude zeichnen beispielhaft die rasante städtebauliche Entwicklung im Umfeld des Görlitzer Bahnhofs nach. Als der Kopfbahnhof 1866-68 errichtet wurde, war er noch von unbebautem Terrain umgeben. Am Beginn der baulichen Entwicklung, die nach der Inbetriebnahme des Bahnhofs in Bahnhofsnähe einsetzte, stehen zwei 1874 erstellte Wohnhäuser für die Beamten der Berlin-Görlitzer Eisenbahngesellschaft. Die Gebäude fielen gestalterisch deutlich aus dem für die Luisenstadt vertrauten Rahmen, denn sie wurden freistehend errichtet und zeichneten sich durch anspruchsvolle Fassadengestaltungen und großzügige Wohnungszuschnitte aus. Insbesondere in der herrschaftlichen Architektur des ehemaligen "Directorial-Wohngebäudes" Görlitzer Straße 74 zeigt sich das Repräsentationsstreben der privaten Eisenbahn-Gesellschaft, die jedoch schon 1884 verstaatlicht wurde. Nach dem Erwerb durch die Berlinische Bodengesellschaft von Georg Haberland wurden die Gebäude allerdings 1897 baulich erheblich verändert und in die vier- bis fünfgeschossige geschlossene Blockrandbebauung eingefügt. Nur die Baulücke zwischen den Häusern Görlitzer Straße 73 und 74 erinnert noch an die ursprüngliche stadträumliche Situation. Die Häuser Görlitzer Straße 72 und 73 gehen ebenfalls auf das Jahr 1897 zurück. Mit ihren völlig unterschiedlichen Fassadengliederungen und Dekorelementen - hier in moderaten Renaissanceformen, dort mit Jugendstilanklängen - sind sie ein Beleg für die um 1900 herrschende Stilvielfalt.

Literatur:
  • Topographie Friedrichshain-Kreuzberg/Kreuzberg, 2016 / Seite 280 f.