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Martha-Kirche

Obj.-Dok.-Nr.: 09030674
Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
Ortsteil: Kreuzberg
Strasse: Glogauer Straße
Hausnummer: 22
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Kirche ev. & Pfarrhaus
Entwurf: 1899
Datierung: 1902-1904 & 1909-1912
Umbau: 1951 & 1970-1971
Ausführung: Ziechmann, A. (Maurermeister)
Entwurf & Ausführung: Giesecke, Heinrich (Bildhauer)
Entwurf & Ausführung: Pfannschmidt, Friedrich Johann (Bildhauer)
Entwurf: Dinklage und Paulus (Architektengemeinschaft)
Entwurf: Dinklage, Paulus und Lilloe (Architektengemeinschaft)
Ausführung: Wayss und Freytag AG (Baugeschäft)
Bauherr: Gemeindekirchenrat von Emmaus

Der 1890 gegründete Evangelische Kirchenbauverein hatte sich die Aufgabe gestellt, in den neu entstandenen Stadtvierteln Berlins Gotteshäuser zu errichten. Durch kleine, wohnortnahe Kirchengemeinden wollte man die Volksmassen besser erreichen und sie vom Gedankengut der Sozialdemokratie fernhalten. Zu den Kirchenbauten, die der Evangelische Kirchenbauverein unter dem Patronat der Kaiserin Auguste Viktoria erstellte, gehört auch die Ev. Martha-Kirche in der Glogauer Straße 22, die ein bedeutendes Werk des späten Historismus darstellt. (1) Die Gemeinde wurde aus dem großflächigen Gemeindebezirk der Emmaus-Kirche am Lausitzer Platz ausgegliedert. Der Bau entstand in zwei Abschnitten nach Plänen des Architekturbüros Dinklage, Paulus & Lilloe, das um 1900 zahlreiche Kirchen in Berlin errichtete. Auf dem rückwärtigen Teil des tief in die Blockinnenfläche reichenden Grundstücks wurde zunächst 1902-04 das eigentliche Gotteshaus erbaut, während das in den Blockrand eingefügte Pfarrhaus erst 1912 fertig gestellt werden konnte.

Dem Pfarrhaus kam die städtebauliche Aufgabe zu, das Kirchenensemble im Straßenraum angemessen darzustellen. Der stattliche, mit zwei Seitenflügeln ausgestattete Bau erhebt sich über fünf Geschosse. Durch seine anspruchsvolle Formgebung und die verwendeten Materialien, darunter roter Klinker, Sandstein und Granit, unterscheidet sich das Gebäude deutlich von den umliegenden Mietshäusern, zumal die Traufkante über die benachbarten Gebäude geführt werden durfte. Erker, Balkone und Loggien sprechen für die besondere Qualität der Wohnungen. Auf die kirchliche Nutzung verweisen die symmetrisch angeordneten Glockentürme. Selbst ohne die im Zweiten Weltkrieg zerstörten steilen Kegeldächer bilden die Turmaufbauten ein eindrucksvolles Motiv. (2) Die großzügig angelegte zweischiffige Durchfahrt gibt in geschickter Inszenierung den Blick auf den malerisch anmutenden Hof, aber auch auf den Portalbereich des Kirchengebäudes frei.

Das Gotteshaus erhebt sich über nahezu quadratischem Grundriss und zeigt eine klar strukturierte Massengliederung. An seiner Nordwestecke steht der runde Treppenturm, der jedoch nach Kriegszerstörungen und Wiederaufbau nicht mehr sein ursprüngliches Erscheinungsbild zeigt. Ein Satteldach auf eisernem Tragwerk schließt den Bau oben ab. Die reichhaltigen, aus Sandstein gefertigten Relieftafeln und die Dekor- und Gliederungselemente der Eingangsfront stehen in belebendem Kontrast zu den roten Ziegeln des Mauerwerks. Dabei sind die Einzelformen der Spätgotik und der Frührenaissance entlehnt. Die Ausführung des Bauschmucks übernahm der Bildhauer Friedrich Johann Pfannschmidt. Aufgrund der ungünstigen Grundstückssituation verfügt die Kirche an zwei Seiten über Brandwände, die fensterlos bleiben mussten. Um den Innenraum dennoch ausreichend mit Tageslicht versorgen zu können, öffneten die Architekten die Nordfront mit zwei großen rundbogigen Maßwerkfenstern. Die Martha-Kirche ist ein dreischiffiger, stark zentralisiert wirkender Längsbau mit rechteckiger Altarnische. Die Gewölbe, die im Scheitel über sechseckig geformte Oberlichter verfügen, spannen über zwei große Joche. Als sich Ende der 1960er Jahre herausstellte, dass der Bau wegen der zurückgehenden Zahl der Gemeindemitglieder zu groß geworden war, entschloss man sich zu einer grundlegenden Umgestaltung. 1970-71 wurde der Innenraum nach Entwurf der Architekten Werner Harting und Georg Strauchmann horizontal geteilt. Die Zwischendecke zog man in Höhe der Emporen ein. Während im Erdgeschoss ein großer Allzweckraum mit Bühne sowie eine Kindertagestätte untergebracht wurden, ordnete man im Obergeschoss den Gottesdienstraum an.


(1) Betenstedt und Baumann: Festschrift zur Einweihung der Marthakirche. Berlin [1904]; Zentralblatt der Bauverwaltung 24 (1904), S. 478-482, 485, 487; Berliner Architekturwelt 7 (1905), S. 121, 126; Lütkemann 1926, S. 176-178; Kühne/Stephani 1978, S. 73-74; BusB VI, S. 111, 384; Duntze, Klaus: Martha und der Drache. In: Berlinische Monatsschrift 12 (1998), S. 21-32; Beeskow 2005, S. 380-382; Dehio Berlin 2006, S. 294.

(2) In den Kriegsjahren 1944/45 wurde die Kirche mehrfach von Bomben und Granaten getroffen. Dabei wurden unter anderem der Treppenturm der Kirche und die Glockentürme des Pfarrhauses zerstört. Der Wiederaufbau erfolgte 1951-1953, jedoch ohne die Kegeldächer der Türme.

Literatur:
  • Dehio, Berlin, 1994 / Seite 271
  • Kühne, Stephani/ Kirchen, 1978 / Seite 73f.
  • Zentralblatt der Bauverwaltung 24 (1904) / Seite 478-482
  • Berliner Architekturwelt 7 (1905) / Seite 126
  • Festschrift zur Einweihung der Kirche am 29. Mai 1904 / Seite ..
  • Hausmann, E./Soltendiek, C./ Von der Wiese zum Baublock, Berlin 1986 / Seite 293 f.
  • Topographie Friedrichshain-Kreuzberg/Kreuzberg, 2016