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Mietshaus Nostitzstraße 27

Obj.-Dok.-Nr.: 09030465
Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
Ortsteil: Kreuzberg
Strasse: Nostitzstraße
Hausnummer: 27
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Mietshaus
Datierung: 1877-1878
Entwurf: Paul, Carl Friedrich (Maurermeister)
Bauherr: Paul (Maurermeister)

Das 1877-78 von Maurermeister Carl Friedrich Paul errichtete Mietshaus Nostitzstraße 27 ist mit seinen zehn Achsen außergewöhnlich breit. Die symmetrische Schaufassade in reichen Neorenaissanceformen entspricht nicht dem üblichen Mietshausschema, sondern erinnert in ihrem Aufbau an die Straßenfront des 1945 zerstörten Blücher-Palais in der Königgrätzer Straße (heute Stresemannstraße). Der vierachsige Mittelrisalit wird von einem mächtigen Dreiecksgiebel mit figurengeschmücktem Tympanon überfangen, was für das Wohnquartier um den Chamissoplatz einzigartig ist. Abgesehen vom letzten Obergeschoss wurde die gesamte Fassade mit einer nach oben immer feiner werdenden Putzrustika versehen. Eine ausgeprägte Betonung der Horizontalen erfolgt durch die deutlich hervortretenden Gesimse. Wegen der Rustika konnte man auf prunkvolle Fensterrahmungen und Verdachungen verzichten. Das glatt geputzte letzte Obergeschoss wurde durch die Rundbogenform der Fenster sowie durch aufstuckierte Säulen und Pilaster besonders hervorgehoben. Eindrucksvoll ist auch das plastisch herausgearbeitete Hauptgesims, das mit dem von mächtigen Konsolen getragenen Balkon im ersten Obergeschoss korrespondiert. Kennzeichnend für den spekulativen Wohnungsbau ist die größtmögliche Ausnutzung des Baugrunds. Das Grundstück ist mit Ausnahme des kleinen Innenhofs vollständig belegt. An den tiefen Vorderhausriegel schließen sich zwei kurze Seitenflügel an. Neben den fünf Vollgeschossen war auch das heute durch Läden genutzte Souterrain als Wohnfläche ausgewiesen. In deutlichem Widerspruch zur prächtigen Fassade stand die innere Wohnungseinteilung. Jede Etage enthielt vier nicht abgeschlossene Wohnungen mit insgesamt sechs Zimmern, zwei Küchen sowie zwei unbelichteten Kammern, die jedoch schon 1897 zu Bädern umgebaut wurden. Bemerkenswert ist die Anordnung des Treppenhauses, das entgegen dem üblichen Muster quer zum Hof gestellt wurde.

Literatur:
  • Topographie Friedrichshain-Kreuzberg/Kreuzberg, 2016 / Seite 411