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Umspannwerk Scharnhorst mit Hochleistungsprüffeldgebäude

Obj.-Dok.-Nr.: 09030453
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Wedding
Strasse: Sellerstraße
Hausnummer: 16 & 17 & 18 & 19 & 20 & 21 & 22 & 23 & 24 & 25 & 26
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: E-Werk & Werkstatt & Laboratorium
Entwurf: 1927
Datierung: 1928
Umbau: 1934
Entwurf: Müller, Hans Heinrich (Architekt)
Entwurf: Scherer, J. (Architekt)
Ausführung: Ammann, W. (Baugeschäft)
Ausführung: Held und Francke AG (Baufirma)
Bauherr: Berliner Elektrizitätswerke AG

Auf dem Gelände südlich der Sellerstraße erhebt sich das mächtige Backsteingebäude des Abspannwerks Scharnhorst, Sellerstraße 16-26, das in der Achse der Scharnhorststraße 1927-29 von Hans Müller für die Berliner Städtische Elektrizitätswerke Aktiengesellschaft (BEWAG) errichtet wurde. (1) Der Bau von Abspannwerken war notwendig geworden, um die Stromverteilung im Stadtgebiet zu verbessern. Die bisherige Netzspannung von 6 kV hatte man mit einer Verteilungsspannung von 30 kV überlagert. Hans Müller entwarf, den technischen Anforderungen folgend, ein eigenwilliges, monumentales Gebäude. (2)

Alle Funktionen sind in einem Baublock zusammengefasst. Schalteinrichtungen, Sammelschienen und Ölschalter gruppieren sich um zwei innere Lichthöfe, in der Mitte ragt der Photometerraum auf, an den Schmalseiten schließen sich sechsgeschossige Trakte an, die Werkstatt- und Laborräumen sowie Stützpunkte zur Stromverteilung enthalten.

Hans Müller ließ das tragende Stahlskelett mit gelben Klinkern verkleiden. Einen expressiven Eindruck erweckt die westliche Schauseite, die zum Nordhafen ausgerichtet ist. Mit den dreieckigen, rhythmisch aufgereihten Mauerpfeilern wirkt die Fassade wie gefaltet. Das verkröpfte, mehrfach gestufte Hauptgesims steigert die innere Kraft der aufragenden Wandpfeiler. Die kurzen Seitenfassaden erscheinen flächig. Die Rückseite gliederte Müller durch vor- und zurückspringende Wandflächen. Die vorgesetzten Transformatorenkammern bilden mit ihren Dächern und Schornsteinen hausartige Einheiten. Von der in einem kreisrunden, verglasten Aufsatz auf dem Dach des Abspannwerks untergebrachten Lichtwarte aus wurde das Stadtgebiet Berlins beobachtet. Entsprechend den Lichtverhältnissen konnte die Straßenbeleuchtung ein- und ausgeschaltet werden. Der 1934 erbaute Werkstatt- und Prüffeldtrakt, der das Grundstück des Abspannwerks begrenzt, fällt mit seiner einfachen, sachlichen Gestaltung kaum auf. Die Außenwände bestehen aus einem armierten Prüßmauerwerk. Flach vermauerte, ornamental angeordnete Verblendsteine in bräunlichen Farbtönen erzeugen ein lebendiges Bild. Das Abspannwerk wurde 1992 stillgelegt. Eine Umnutzung des Gebäudes ist vorgesehen.


(1) Einige Bauten mit Stahlskelett. in: Deutsche Bauzeitung 64 (1930), S. 367; Herbst, Friedrich: Stahlskelettbau des neuen Umspannwerks "Scharnhorst" der Bewag zu Berlin. in: Der Stahlbau 3 (1930), S. 97-101; Berliner Stahl-Hochbauten. Hrsg. vom Deutschen Stahlbau-Verband. Berlin 1936, S. 104; Berliner Industriebauten. in: Die Baugilde 20 (1938), S. 205, 208, 211; Hoffmann-Axthelm, Dieter: Stadtbild-Baumeister. in: Boberg/Fichter/Gillen 1986, S. 79; Kahlfeldt 1992, S. 78-82; Dehio Berlin 2000, S. 477.

(2) Kahlfeldt 1992.

Literatur:
  • Der Stahlbau 3 (1930) / Seite 97
  • Topographie Mitte/Wedding, 2004 / Seite 193
  • Berliner Stahl-Hochbauten, 1936