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Posadowsky-Häuser

Obj.-Dok.-Nr.: 09030448
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Gesundbrunnen
Strasse: Wollankstraße
Hausnummer: 75 & 76 & 77 & 78 & 79 & 80 & 81A & 81B & 82 & 83A & 83B
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Wohnanlage
Datierung: 1905-1906
Umbau: 1910-1911
Entwurf & Ausführung: Koeppen, Carl & Koeppen, Walter (Architektengemeinschaft & Baugeschäft)
Bauherr: Vaterländischer Bauverein eGmbH

Der Vaterländische Bauverein, der mit der Versöhnungs-Privatstraße in der Rosenthaler Vorstadt eine wegweisende Wohnanlage des sozialen Wohnungsbaus errichtet hatte, entschloss sich 1905 zum Bau einer zweiten Wohnsiedlung am Rand des St. Elisabeth-Kirchhofs II in Pankow. Die Posadowsky-Häuser (1) an der Wollankstraße 75-83B sind nach Arthur Graf v. Posadowsky-Wehner benannt, der als Staatssekretär im Reichsamt des Innern die christliche Arbeiterbewegung förderte und für ein modernes Arbeiterschutzrecht sorgte. Die von Carl und Walter Koeppen nach dem Gedanken der Wohnreform angelegten Posadowsky-Häuser wurden in zwei Bauabschnitten ausgeführt. Die beiden vierflügeligen, um einen Innenhof orientierten Gebäude, die zusammen mit einem Mitteltrakt einen repräsentativen Ehrenhof umschließen, entstanden 1905-06, während die Wohnzeile entlang der Wollankstraße, erweitert durch kurze Seitenflügel, 1910-11 angefügt wurde. Die für damalige Verhältnisse großzügig bemessenen Arbeiterwohnungen umfassen ein bis zwei Zimmer mit Küche und Speisekammer, erweitert um Balkon oder Erker. Nahezu alle Wohnungen können quer gelüftet werden. Außergewöhnlich war die Beleuchtung mit elektrischem Licht. Die Bewohner, die sich als christliche und patriotische Gemeinschaft verstanden, konnten Badeanstalt, Spielplatz und andere genossenschaftliche Einrichtungen gemeinsam nutzen. Die Wohnanlage in der Art eines Landschlosses verdeutlicht die von der christlichen Arbeiterbewegung angestrebte Versöhnung zwischen den armen und vermögenden Schichten der Gesellschaft. Mit den Posadowsky-Häusern wandte sich der Vaterländische Bauverein von der historisierenden Bauweise ab, der er anfangs noch gefolgt war. Die Fassaden, gegliedert durch dreiseitige Erker und Balkone, sind betont einfach gehalten, wirken aber mit ihren steilen Dächern dennoch herrschaftlich und vornehm. Ein schmiedeeisernes Gitter begrenzt den gärtnerisch gestalteten Ehrenhof. Der Mitteltrakt des Ehrenhofs ist durch einen mächtigen Giebel hervorgehoben. Über dem Giebeldreieck ragt ein kreisrunder Dachturm mit Galerie und glockenartiger Haube auf. Die wenigen floralen und abstrakten Ornamente wurden nach 1950 beseitigt. (2)


(1) Schwartzkopff, David: Der Vaterländische Bauverein zu Berlin e.G.m.b.H. 2. Auflage. Berlin 1906; Pankow, Wollankstraße 75-80. in: Berliner Architekturwelt 15 (1912/13), S. 118-119; Ebersbach, Emil: Festschrift zum 25jährigen Jubiläum des Vaterländischen Bauvereins e.G.m.b.H. am 29. Juli 1927. Berlin 1927, S. 14, 16-17; Zermin, Wilhelm: 1902-1952. 50 Jahre Vaterländischer Bauverein e.G.m.b.H. / Berlin. Festschrift zum 50jährigen Bestehen am 29. Juli 1952. Berlin 1952, S. 7-8; 1902-1962. 60 Jahre Vaterländischer Bauverein eGmbH, Gemeinnütziges Wohnungsunternehmen, Berlin. Berlin 1962, S. 5-6; BusB IV A, S. 122, 241; BusB IV B, S. 136-137; Novy 1984, S. 390, 393; Schwarz 1984, Bd. 3, S. 134; Dehio Berlin 2000, S. 481-482; 100 Jahre Vaterländischer Bauverein eG 1902-2002. Berlin 2002, S. 24-31.

(2) Im Giebel öffneten sich einst drei ovale Fenster. Außerdem war der Giebel durch ein Relief und ein Schriftband verziert. Nach 1950 hat man den Giebel vereinfacht. Seitdem ist auf der glatten Giebelfläche "VATERLÄNDISCHER / BAUVEREIN / ERBAUT 1906" zu lesen.

Literatur:
  • Reclam Berlin / Seite 356
  • Escher, Felix, Wedding und Tiergarten in
    Die Zukunft der Metropolen, 1985 / Seite 288
  • Topographie Mitte/Wedding, 2004 / Seite 161