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Osterkirche mit Gemeinde- und Pfarrhaus

Obj.-Dok.-Nr.: 09030433
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Wedding
Strasse: Sprengelstraße
Hausnummer: 34
Strasse: Samoastraße
Hausnummer: 14
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Kirche ev. & Pfarrhaus
Datierung: 1910-1911
Umbau: 1930 & 1947
Ausführung: Eicke, Heinrich (Baugeschäft)
Bauherr: Kottig (Pfarrer)
Entwurf: Dinklage, Paulus und Lilloe (Architektengemeinschaft)
Bauherr: Gemeindekirchenrat der Nazareth-II-Gemeinde

An der Ecke Sprengelstraße 34 und Samoastraße 14 steht die Osterkirche, die 1910-11 als evangelische Pfarrkirche des Wohngebiets errichtet wurde. (1) Die in Moabit ansässigen Architekten August Dinklage, Ernst Paulus und Olaf Lilloe entwarfen einen Backsteinbau, der sich in den Blockrand einfügt und mit einem mächtigen Westwerk die Straßenkreuzung beherrscht. Auch wenn gotische Motive überwiegen, so ist nicht zu übersehen, dass die Architekten eine neue, reformierte Bauweise mit glatten, oranmentfreien Wandflächen anstrebten. Darauf deutet das blockhafte Turmmassiv mit seinen geschlossenen und dekorlosen Wänden. Die beiden steil aufragenden Turmhelme wurden 1945 zerstört und bis 1953 durch ein schlichtes Walmdach ersetzt. An der Straßenecke ist dem Westwerk ein runder Treppenturm vorgelagert. Grund- und Aufriss folgen nicht der mittelalterlichen Architektur. Der Kirchensaal, der an den Seiten durch Emporen eingefasst wird, schließt mit einem rechteckigen Chor. Gewölbe fehlen. Zwischen den Gurtbögen, die sich von Pfeiler zu Pfeiler spannen, sind Holzbalkendecken eingezogen. Der Saal wird durch gestaffelte Fensterbahnen belichtet, die sich an der Längsseite zur Sprengelstraße öffnen. Die reiche Ausmalung der Osterkirche, geschaffen nach einem Entwurf von August Oetken, ist vollständig erhalten. An den Emporenbrüstungen sieht man farbige Maßwerkflächen. Im rechteckigen Altarraum sind über einem aufgemalten Vorhang sind zwei große Wandgemälde zu sehen, die 1913 von den Kunstmalern Djubas und Behrends vollendet wurden und die biblische Ostergeschichte zum Thema haben. Rechts sitzt Christus mit den Emmaus-Jüngern am Tisch, links erkennt Maria Magdalena den auferstandenen Heiland. Darstellungen der vier Evangelisten und der Apostel Petrus und Paulus schließen die Bildwand ab. Oben ist die Osterbotschaft zu lesen: "Ich lebe und ihr sollt auch leben". Der Altar besitzt einen geschnitzten, von gotischen Türmen flankierten Aufsatz. Der aufragende Wimperg betont das Kruzifix. Kanzel und Taufstein ergänzen die historisierende Ausstattung. Lediglich die Glasmalereien sind zerstört. (2) An das Turmmassiv, ausgerichtet zur Samoastraße, schließt das Pfarr- und Gemeindehaus an, dessen Backsteinfassade durch Erker, Loggien und ein gestaffeltes fünftes Geschoss abwechslungsreich gegliedert wird. Neben den Maßwerkflächen, die sich durch weiß verputzte Rücklagen abheben, fällt das ornamentale Backsteinmuster über dem Haupteingang auf, das dem Portal der Osterkirche nachgebildet ist.


(1) Gottwald 1924, S. 194; Lütkemann 1926, S. 83-84; Kühne/Stephani 1978, S. 296-297; Müller 1993, S. 305-314; BusB VI, S. 392; Goetz/Hoffmann-Tauschwitz 2003, S. 130.

(2) Die Fenster wurde 1943 durch eine Luftmine zerstört. Nach dem Krieg hat man sie provisorisch mit Glasbausteinen verschlossen. Die Orgel ist nicht erhalten. Das alte Instrument, gefertigt von der Orgelbaufirma Grünberg in Stettin, wurde 1966 durch eine Walcker-Orgel ersetzt.

Literatur:
  • Topographie Mitte/Wedding, 2004 / Seite 194f.