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Wohnanlage mit Hofgärten

Obj.-Dok.-Nr.: 09030410
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Wedding
Strasse: Nordufer
Hausnummer: 15 & 16 & 17 & 18 & 19
Strasse: Buchstraße
Hausnummer: 1 & 2
Strasse: Fehmarner Straße
Hausnummer: 10 & 11 & 12 & 12A
Denkmalart: Gesamtanlage
Sachbegriff: Wohnanlage & Hofgarten
Datierung: 1904-1905
Umbau: 1959
Entwurf: Kolb, Paul (Architekt)
Ausführung: Köster, W. (Baugeschäft)
Ausführung: Eichentopf, W. (Zimmermeister)
Bauherr: Berliner Spar- und Bauverein

Die Wohnanlage Nordufer 15-19, Buchstraße 1-2 und Fehmarner Straße 10-12A, errichtet 1904-05, ist ein Beispiel für den genossenschaftlichen Reformwohnungsbau des beginnenden 20. Jahrhunderts. (1) Bauherr war der Berliner Spar- und Bauverein, gegründet 1892, der sich als Mustergenossenschaft eines neuen Zeitalters verstand und Menschen unterschiedlicher politischer Ausrichtung vereinte. Architekt Paul Kolb entwarf für die Genossenschaft, die eine neue städtische Lebenskultur anstrebte, eine fünfgeschossige Baugruppe am Berlin-Spandauer Schiffahrtskanal. Die straßenseitigen Wohntrakte und die Hofgebäude umschließen drei begrünte Gartenhöfe. An den abwechslungsreichen gestalteten Fassaden kann man erkennen, dass sich der Architekt die Reformwohnungsbauten von Alfred Messel und Albert Geßner, entstanden noch vor der Jahrhundertwende, zum Vorbild nahm. Die freundlich und lebendig wirkenden Fassaden sind teils mit Backstein verkleidet, teils verputzt. Man sieht rote Ziegeldächer, Balkone, die auf Zierkonsolen rohen, halbrunde Erker und Wandabschnitte, in denen Loggien unter Rundbögen zusammengefasst sind. Am fünften Stockwerk erwecken Mauerstreifen aus rotem Backstein den Eindruck von Fachwerk. Auffallend sind die zurückgesetzten Fassadenbereiche, in denen oben ein Laubengang auskragt. Holzständer stützen das überstehende Dach. An Nordufer und Fehmarner Straße bildete Paul Kolb eine abgeschrägte Ecke aus, die mit ihrem Doppelgiebel, der auf die deutsche Renaissance des 16. Jahrhunderts verweist, den Straßenraum beherrscht. Das Motiv des Doppelgiebels wurde am westlichen Ende der Straßenfront wiederholt, hier jedoch mit manieristischem Rollwerk. Zur Wohnanlage gehören 199 Kleinwohnungen, die ein bis zwei Zimmer sowie Balkon oder Loggia umfassen. Die Vorgärten am Nordufer und die begrünten Höfe dienen als Erholungsräume. (2) Die Bewohner, die Festsaal, Bibliothek und Kindergarten nutzen konnten, betrachteten die genossenschaftliche Wohnanlage als "Insel sozialer Harmonie" in der Großstadt Berlin.


(1) Wohnungssiedlung am Nordufer, Ecke Buch- und Fehmarnstraße. Berliner Spar- und Bauverein. in: Berliner Architekturwelt 17 (1914/15), S. 258-260; BusB IV A, S. 239-240; Novy 1984, S. 388-390; Schwarz 1984, Bd. 3, S. 134-135; Zwischen Tradition und Innovation. 100 Jahre Berliner Bau- und Wohnungsbaugenossenschaft von 1892. Hrsg. von Klaus Novy und Barbara von Neumann-Cosel. Berlin 1992, S. 29, 32, 138-139.

(2) Die Innenhöfe und Vorgärten wurden 2002 in der alten Form wiederhergestellt. Die Beeteinfassungen sind teilweise erhalten, teilweise ergänzt.

Literatur:
  • Topographie Mitte/Wedding, 2004 / Seite 197