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St. Joseph-Kirche

Obj.-Dok.-Nr.: 09030407
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Wedding
Strasse: Müllerstraße
Hausnummer: 161
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Kirche kath.
Entwurf: 1903
Datierung: 1907-1909
Entwurf: Frydag, Wilhelm J. & Rincklake, Wilhelm (Architekt)
Ausführung: Bunning, H.
Bauherr: Kirchenvorstand der St. Sebastians-Gemeinde

In die geschlossene Bebauung der Müllerstraße, die zugleich den Max-Josef-Metzger-Platz begrenzt, ordnet sich die St. Josephs-Kirche ein, die 1907-09 als katholische Pfarrkirche des Wedding errichtet wurde. (1) Mit dem Bevölkerungswachstum war der Anteil katholischer Bewohner, meist zugezogener Arbeiter aus den preußischen Provinzen, beträchtlich gestiegen, so dass die Gründung einer eigenen Pfarrei erwogen wurde, die man nach dem hl. Joseph, dem Patron der Arbeiter, benannte. Für die Pfarrkirche wurde die doppelte Mietshausparzelle Müllerstraße 161 erworben. Architekt Wilhelm Frydag überarbeitete den ersten Entwurf von Pater Ludgerus (Wilhelm Rincklage) aus dem Benediktinerkloster Maria Laach. Vergleicht man St. Joseph mit anderen Kirchen des beginnenden 20. Jahrhunderts, dann fällt die traditionelle und retrospektive Bauweise auf. Die neoromanischen Formen basieren auf der Architektur des 12. Jahrhunderts im Rheinland. An romanischer Vorbilder erinnert der konventionelle Grundriss einer dreischiffigen Basilika im gebundenem System. Die Seitenschiffe sind, dem rheinischen Stützenwechsel folgend, durch Pfeiler und Säulen abgeteilt. An das Langhaus, das aus drei Jochen besteht, schließt sich eine halbrunde Apsis an, die außen polygonal ummantelt ist. Eine mächtige Doppelturmfassade, verkleidet mit grauem Kalkstein, hebt die Pfarrkirche aus der Häuserreihe an der Müllerstraße hervor. Die massigen Wandflächen, der mittlere Dreiecksgiebel, die Rundbogenfenster und Zwerggalerien lassen die Straßenfront monumental erscheinen. Die Ausstattung blieb größtenteils erhalten. Monolithische Säulen aus rotem Granit stützen die Arkaden der Seitenschiffe. Die reich ausgearbeiteten Palmettenkapitelle bilden Szenen der alttestamentlichen Josephsgeschichte ab. (2) Erst 1921 wurden die beeindruckenden Mosaiken im Altarraum angebracht. Das Mosaik in der Halbkuppel der Apsis mit dem Triumph des Kreuzes, umgeben von Rankenwerk, gleicht dem Mosaik von S. Clemente in Rom aus dem frühen 12. Jahrhundert. Nach dem Vorbild des frühchristlichen Mausoleum der Kaiserin Galla Placidia in Ravenna wurde das Mosaik des anschließenden Gewölbefelds geschaffen, das golden schimmernden Ornamente auf dunkelblauem Grund zeigt. Die Wandgemälde verdeutlichen die künstlerischen Vorstellungen der Beuroner Kunstschule. (3) Der 1925 gemalte Kreuzweg folgt dem Beuroner Kreuzweg des Benediktinermönchs Desiderius (Peter Lenz), der 1884 für die Marienkirche in Stuttgart entworfen wurde. Die beiden Gemälde über den Seitenaltären zeigen einen ähnlichen linearen Stil. Am Marienaltar thront die Muttergottes als "Mater divinae gratiae", umgeben von Heiligen, während am Herz-Jesu-Altar der Heiland mit dem heiligsten Herzen zu sehen ist. Joseph trägt das Modell der St.-Josephs-Kirche. Der Altarraum wurde 1989-90 neu gestaltet. Die Krypta unter der Apsis, die 1995 von Roberto Cipollone in eine Gedenkstätte umgewandelt wurde, erinnert an die Opfer des Kriegs und den 1944 hingerichteten Priester Max Josef Metzger. Die Ausmalung von St. Joseph konnte 2001-02 umfassend restauriert werden.


(1) Kath. St. Josephs-Kirche. in: Berliner Architekturwelt 19 (1917), S. 324-328; Gottwald 1924, S. 175, 192; Streicher/Drave 1980, S. 256-257; 75 Jahre St. Joseph Berlin-Wedding. 2. Mai 1909 - 2. Mai 1984. Festschrift aus Anlaß des Kirchweihjubiläums. Berlin 1984; BusB VI, S. 390; Franik, André und Beißel, Konrad: Berlin-Wedding. Katholische Pfarrkirche St. Joseph. Regensburg 1999; Dehio Berlin 2000, S. 473-474; Goetz/Hoffmann-Tauschwitz 2003, S. 141-142.

(2) Es handelt sich um sechs Granitsäulen mit Kapitellen aus Sandstein: 1) Josef träumt von seiner Zukunft, 2) Josef im Gefängnis, 3) Joseph deutet den Traum des Pharao, 4) Josef fährt als Vizekönig durch Ägypten, 5) Josef sieht seine Brüder wieder, 6) Josef sieht seinen Vater Jakob wieder.

(3) Die Wandgemälde hat der Maler Scherer geschaffen. Der Kreuzweg wurde 1925 ausgeführt, die beiden Wandgemälde über den Seitenaltären folgten 1926. Für diese Gemälde entwarf Kirchenmaler Schuto aus Bingen die Kompositionen.

Literatur:
  • Berliner Architekturwelt 19 (1917) / Seite 324-328
  • Streicher, Drave/ Berlin - Stadt und Kirche, 1980 / Seite 256f.
  • BusB VI 1997 / Seite 390
  • Topographie Mitte/Wedding, 2004 / Seite 180f.