denkmal  

 

Liste, Karte, Datenbank - Denkmaldatenbank

Neue Nazarethkirche

Obj.-Dok.-Nr.: 09030389
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Wedding
Strasse: Leopoldplatz
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Kirche ev.
Datierung: 1889-1893
Entwurf: Spitta, August Adolf Max (Architekt)
Entwurf: Bürde, A. (Baumeister)
Ausführung: Kock, Wilhelm (Maurermeister)
Bauherr: Ministerial-Bau-Kommission

Hinter dem Kirchenbau Schinkels erhebt sich die Neue Nazarethkirche, deren Bau infolge des raschen Bevölkerungswachstums im Berlin des ausgehenden 19. Jahrhundert notwendig geworden war. (1) Das mächtige Bauwerk in der Mitte des Leopoldplatzes wurde 1891-93 errichtet, um die verhältnismäßig kleine Nazarethkirche zu entlasten. Max Spitta entwarf eine Großkirche im Stil der norddeutschen Backsteingotik, die mit ihrem 78 m hohen Turm einen markanten städtebaulichen Akzent setzt, ohne aber die ältere Nazarethkirche zu dominieren. Die Verbindung eines kreuzförmigen Grundrisses mit einem zentralisierten Innenraum ist typisch für den Kirchenbau des späten 19. Jahrhunderts. Die weite Vierung, die mit einem Sterngewölbe abschließt, und das kurze kreuzgewölbte Langhaus sind von Emporen umgeben. Der Architekt wählte einen ungewöhnlichen Chorschluss. Der Altarraum besitzt eine rechteckige Grundform, während die Querhausarme polygonal gebildet sind. Maßwerkfenster, weiß verputzte Blendfelder und schiefergedeckte Dächer gliedern den lebendig wirkenden Außenbau. Der Hauptturm besitzt eine außerordentlich schlanke kupfergedeckte Spitze. Am Chor, hervorgehoben durch Blendgiebel und Fensterrose, ist der Bauschmuck noch gesteigert. Dem mächtigen Hauptgiebel antworten die niedrigen Annexbauten mit einem umlaufenden Giebelkranz. Die neugotische Ausstattung der Kirche ist größtenteils zerstört. (2) Die ornamental gestalteten Glasmalereien blieben zumindest teilweise erhalten. Angesichts des abnehmenden Anteils der christlichen Bevölkerung im Wedding sah sich die Kirchengemeinde 1989 zur Entwidmung der Neuen Nazarethkirche gezwungen. Das Gebäude wurde vom Land Berlin 1992 an eine evangelische Freikirche verkauft. Die 1960 beseitigte Ausmalung wurde 2003 vereinfacht wiederhergestellt.


(1) Schneider: Entwurf zum Bau einer neuen Kirche für die Nazareth-Gemeinde in Berlin. Gutachten der Königlichen Akademie des Bauwesens. in: Centralblatt der Bauverwaltung 9 (1889), S. 427-428; [Die Nazareth-Kirche] in: Deutsche Bauzeitung 27 (1893), S. 131; BusB 1896, Bd. 2, S. 184; Nazareth-Kirchengemeinde. in: Jahresbericht des Evangelischen Kirchenbau-Vereins für Berlin 10 (1899/1900), S. 21; Gottwald 1924, S. 193-194; Lütkemann 1926, S. 63-65; Kühne/Stephani 1978, S. 283-284; Schwarz 1981, Bd. 2, S. 167; Hollm, Uwe: Nazarethkirchen auf dem Leopoldplatz. in: Neue Nutzungen von alten Kirchen. Zweites Berliner Gespräch 14. und 15. November 1988. Hrsg. von der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg (Berlin West), dem Senator für Stadtentwicklung und Umweltschutz und der Technischen Universität Berlin, Institut für Kunstwissenschaft. Berlin 1990, S. 79-81; Müller 1993, S. 296-297; BusB VI, S. 97, 270, 372; Dehio Berlin 2000, S. 473; Goetz/Hoffmann-Tauschwitz 2003, S. 129.

(2) Die neugotische Ausstattung wurde bei der Umgestaltung 1960 verändert. Altar und andere Ausstattungsstücke hat man bei der Entwidmung der Kirche 1989 entfernt.

Literatur:
  • Schneider: Entwurf zum Bau einer neuen Kirche für die Nazareth-Gemeinde in Berlin. Gutachten der Königlichen Akademie des Bauwesens in
    Zentralblatt der Bauverwaltung 9 (1889) / Seite 427f.
  • Die Nazareth-Kirche in
    Deutsche Bauzeitung 27 (1893) / Seite 131
  • BusB II/III 1896 / Seite 184
  • Kühne, Stephani/ Kirchen, 1986 / Seite 283f.
  • BusB VI 1997 / Seite 97, 270, 372
  • Topographie Mitte/Wedding, 2004 / Seite 176
  • Nazareth-Kirchengemeinde. in
    Jahresbericht des Evangelischen Kirchenbau-Vereins für Berlin 10 (1899/1900) / Seite 21
  • Hollm, Uwe: Nazarethkirchen auf dem Leopoldplatz. in
    Neue Nutzungen von alten Kirchen. Zweites Berliner Gespräch 14. und 15. November 1988. Hrsg. von der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg (Berlin West), dem Senator für Stadtentwicklung und / Seite 79-81
  • Dehio Berlin 2000 / Seite 473