denkmal  

 

Liste, Karte, Datenbank - Denkmaldatenbank

Kolonistenhaus & Gewerbebau Koloniestraße 57

Obj.-Dok.-Nr.: 09030386
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Gesundbrunnen
Strasse: Koloniestraße
Hausnummer: 57
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Kolonistenhaus & Gewerbebau
Datierung: 1874
Umbau: 1841 & 1870 & 1874-1875

Das unscheinbare Kolonistenhaus an der Koloniestraße 57, das 1782 als Wohnhaus der Kolonie hinter dem Gesundbrunnen errichtet wurde, ist das letzte erhaltene Gebäude einer friderizianischen Ansiedlung im Norden Berlins. (1) Das älteste Bauwerk im Ortsteil Gesundbrunnen vermittelt ein weitgehend unverfälschtes Bild von der Lebensweise in den Siedlungen des 18. Jahrhunderts. Diesen Eindruck verstärken die umliegenden Kleingärten, die daran erinnern, dass die friderizianischen Kolonien von Acker- und Gartenflächen umgeben waren und die Bewohner vom Obst- und Gemüseanbau lebten. Das einstöckige, traufenständige Wohnhaus mit ziegelgedecktem Satteldach folgt der Grundform des einfachen Kolonistenhauses, während die anderen Gebäude der Ansiedlung als Doppelhäuser angelegt waren. Der ursprüngliche Grundriss ist noch immer an den Zwischenwänden zu erkennen. Die Haustür in der linken Achse führt in einen kleinen Flur, an den sich nach hinten die Küche anschloss. An der Straßenseite lag die beheizbare Wohnstube, während zum Hof eine schmale Kammer angeordnet war. Das Wohnhaus wurde 1841 um eine weitere Achse verlängert. Den zusätzlichen Raum nutzte man zunächst als Stall, dann als Wohnfläche. Die Anordnung der Fenster ist heute verändert.

Nach der Mitte des 19. Jahrhunderts siedelten sich an der Panke Gerbereien an, die in der Berliner Innenstadt nicht mehr geduldeten wurden. Das zum Wohnhaus gehörende Grundstück wurde von einer Saffianlederfabrik und dann von einer Leimsiederei übernommen. Die 1870 erbaute Leimsiederei, ein schlichtes zweigeschossiges Backsteingebäude mit Pultdach (2), ist erhalten geblieben, während die anderen Fabrikgebäude 1998 abgebrochen wurden. An der Straßenflucht errichtete der Fabrikbesitzer 1874-75 ein Mietshaus. Das zweistöckige Gebäude über einem hohen Souterrain ist bereits auf eine geschlossene Blockrandbebauung ausgerichtet, die aber in diesem Bereich niemals verwirklicht wurde. Der Grundriss verweist auf eine frühe Entwicklungsstufe des Berliner Mietshauses. Die Wohnungen bestehen nur aus Durchgangszimmern ohne Erschließungsflure.


(1) Schwarz 1984, Bd. 3, S. 77; Denkmalpflegerische Untersuchung. Bebauung auf dem Grundstück Koloniestraße 52-59. Berlin 1987 [Exemplar im Landesdenkmalamt Berlin]; Verloren - gefährdet - geschützt. Baudenkmale in Berlin. Hrsg. v. Norbert Huse. Berlin 1988, S. 168-169.

(2) Der Backsteinbau der Leimsiederei wurde von Maurermeister Schievenbeck und Zimmermeister Röhrmann ausgeführt.

Literatur:
  • Verloren - gefährdet - geschützt, Berlin 1988 / Seite 168
  • Topographie Mitte/Wedding, 2004 / Seite 165