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Himmelfahrtskirche mit Gemeindehaus

Obj.-Dok.-Nr.: 09030383
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Gesundbrunnen
Strasse: Gustav-Meyer-Allee
Hausnummer: 2
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Kirche ev. & Gemeindehaus
Entwurf: 1951
Datierung: 1955-1956
Entwurf: Bartning, Otto (Architekt)
Entwurf: Dörzbach, O. (Ingenieur)
Entwurf: Roth, Werry (Architekt)

Die 1890-93 von August Orth erbaute evangelische Himmelfahrtkirche besaß einen repräsentativen Standort am östlichen Rand des Humboldthains, in der Achse der Grenzstraße, die einst quer durch den Park führte. Der monumentale Backsteinbau wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört und die Ruine 1949 abgetragen. Die Gemeinde musste den Bauplatz für die Neugestaltung des Humboldthains abgeben, erhielt aber ein neues Grundstück an der südöstlichen Ecke des Parks. An der Gustav-Meyer-Allee 2 errichtete Otto Bartning, der den evangelischen Kirchenbau der Nachkriegszeit maßgeblich prägte, 1954-1956 die neue Himmelfahrtkirche, die beispielhaft die künstlerischen Vorstellungen des bedeutenden Architekten vermittelt. (1) Von außen erscheint das Kirchengebäude mit Satteldach und weiß gestrichenen Wandflächen sehr einfach und bescheiden. Der rechteckige Mauermantel, der selbst die gebrochene Rundung des Chores weitgehend verdeckt, wird allein vom Chorfenster durchbrochen. Eine ganze andere Wirkung geht vom Innenraum aus, der mit seiner sichtbaren, das Kirchenschiff überfangenden Konstruktion den Eindruck von Geborgenheit vermittelt. Binder aus Stahlbeton tragen den offenen Dachstuhl und geben die räumliche Gliederung vor. Unverkennbar ist der Anklang an die Notkirchen, die Otto Bartning unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg in den zerstörten deutschen Städten schuf, und seine bereits 1928 entworfene Stahlkirche. (2) Der Raum besitzt eine innere Bewegung, die im Chorfenster kulminiert. Bis zum Altar ragen die Stahlbetonbinder immer weiter in den Raum hinein. Der letzte Binder umrahmt das riesige Chorfenster, das wie eine gestaltete Altarwand wirkt. Das Fensterkreuz bildet zugleich ein monumentales Altarkreuz, während die farbige Verglasung leuchtende Strahlen zeigt, die von diesem Kreuz ausgehen. Damit wurde eine abstrakte Bildsprache gefunden. Die Himmelfahrtkirche ist als Gemeindezentrum konzipiert. Im Untergeschoss und in den seitlich vorgelagerten kubischen Bauten sind Gemeinderäume untergebracht. Der freistehende Glockenturm, eine 22 Meter hohe Stahlbetonkonstruktion, schließt die Baugruppe zum Humboldthain ab.


(1) Himmelfahrtkirche. in: Bauwelt 45 (1954), S. 16; Otto Bartning 50 Jahre. in: Bauwelt (49) 1958, S. 338; Kühne/Stephanie 1978, S. 288-289; Schur, Michael und Ballewski, Gerhard: Kleine Chronik der Ev. Himmelfahrts-Kirchengemeinde in Berlin-Wedding 1890-1987. Berlin 1987; Dettmer 1988, S. 88-89; Müller 1993, S. 356-362; Goetz/Hoffmann-Tauschwitz 2003, S. 125-126.

(2) Die Stahlkirche, ein richtungsweisender Bau, wurde 1928 von Otto Bartning für die Kölner Ausstellung PRESSA errichtet und nach dem Ende der Ausstellung nach Essen umgesetzt, siehe Bredow, Jürgen und Lerch, Helmut: Materialien zum Werk des Architekten Otto Bartning. Darmstadt 1983, S. 63-65.

Literatur:
  • Topographie Mitte/Wedding, 2004 / Seite 113